03 Februar 2011


Die Starter fürs diesjährige All-Star Game in Los Angeles stehen seit letzter Woche fest. Ebenso die Head Coaches der jeweiligen Auswahlen (Gregg Popovich im Westen, Doc Rivers im Osten). Bevor nun heute Nacht die Reservespieler bekannt gegeben werden - und man die Öffentlichkeit wieder einmal vor den Kopf stösst mit zum Teil irrationalen, politisch motivierten Spielerselektionen (in diesem Jahr zum Beispiel Chris Bosh) - ein kurzer Blick in die Chefkoch-Küche auf die wahren All-Stars der bisherigen Spielzeit '10/11, die dementsprechend auch nominiert werden müssten fürs Schaulaufen in knapp zwei Wochen. Garantiert Bullshit-frei.

Da wäre zunächst einmal Tim Duncan, der einzig verbliebene echte Center in der Western Conference. Obwohl 'Timmy D' mit 13.6 Punkten und 9.4 Rebounds die schlechtesten Werte seiner Karriere auflegt, bleibt er - auch in reduzierter Spielzeit - der Anker im bisher tadellosen Spurs-Spiel. San Antonio führt mit einer 40-8 Bilanz die gesamte Liga an. Alleine schon deshalb gehört Duncan ins All-Star Spiel. Idealerweise käme man in der Liga-Zentrale zu Sinnen und würde den Hünen als Center-Ersatz für den verletzten Yao Ming in die Starterauswahl nominieren, bevor man sich hier an peinlichen Kunstgriffen (Nene, Bynum, Darko Milicic) versucht.

Neben Duncan muss selbstredend auch Manu Ginobili Beachtung finden. Der Gaucho bleibt der mit Abstand beste und effektivste Spieler im teamdienlichen System von Gregg Popovich. Auch wenn ihn seine ständige Flopperei und Schauspielerei in diesem Leben sicherlich nicht mehr zum beliebtesten NBA-Akteur werden lässt, seine spielerische Extraklasse ist nicht von der Hand zu weisen. Knapp 19 Punkte, 5 Assists, 4 Rebounds und 2 Steals - in gerade einmal 31 Minuten Einsatzzeit - untermauern seine Position als wohl effizientester Two-Guard im Game.

Ein Jahr älter, ein Jahr besser: wie ein feiner Tropfen 'Chateau Lafite Rothschild' reift auch Steve Nash mit zunehmendem Alter heran. Alleine dem 36-jährigen ist es zu verdanken, dass sich Phoenix trotz des wohl miesesten Kaders der Liga (das mein ich ernst) weiterhin hartnäckig im Playoff-Rennen der Western Conference hält, zuletzt sogar 8 von 11 Partien gewonnen hat. Der prototypische Einser verblüfft immer noch mit 17 Punkten und 11 Assists pro Abend (Platz 2) und bleibt nach wie vor einer der Top5 Point Guards der Liga.

Zu denen gehört freilich auch Deron Williams. Der Platzgeneral der Utah Jazz hat zwar momentan mit einer hartnäckigen Handverletzung zu kämpfen, muss sich um seine Nominierung aber wohl keine Gedanken machen. Wer allabendlich 22 Punkte und 9 Assists auflegt und seine Mannschaft als Anführer im Kampf um einen Divisionstitel hält, der hat einen Platz im All-Star Spiel sicherlich verdient. No-Brainer.

Jetzt wird's kompliziert. Bei den Big Men bieten sich mehr Kandidaten an, als Plätze zur Verfügung stünden. Da sowohl individuelle Werte als auch der Teamerfolg auf dem Platz berücksichtigt werden müssen, zähle ich in diesem Jahr LaMarcus Aldridge zu den besten Spielern im Westen hinzu. Nicht nur seine Statistiken (21.3 Punkte, 9 Rebounds) verblüffen mich, sondern seine (nicht ganz freiwillige) Entwicklung zum Go-to Guy in Portland. Nach den Verletzungen von Roy, Oden und Camby liegt die gesamte sportlichen Verantwortung in den Händen des 25-jährigen, der die Erwartungen nicht enttäuscht hat. Von manchen Beobachtern als legitimer 'Most Improved Player' gehandelt, hält er zumindest seine verletzungsgeplagten Trail Blazers bei über .500 und unfassbarerweise immer noch auf einem Playoff-Platz. Alleine schon deshalb unterstütze ich das Credo: LA to LA !

Da gehört natürlich auch Dirk Nowitzki hin. Der lange Deutsche, der entgegen des Boulevard-Wahnsinns in den letzten Tagen auch im Falle eines Lockouts nicht in Deutschland Basketball spielen wird ("ich hab gehört man soll nicht alles glauben was man hört"), untermauerte seine Wichtigkeit für die Dallas Mavericks, als er verletzt 9 Spiele lang (7 Mavs-Pleiten) pausieren musste. Mit seinen 23 Punkten und 7 Rebounds in der Lineup spielt sich's natürlich besser, und so hat Dallas seine letzten 6 Partien gewonnen und klettert langsam aber sicher wieder die West-Standings empor.

Wo Nowitzki Erwähnung findet, da ist auch Pau Gasol nicht weit. Obwohl der Spanier sein irres Anfangstempo mit MVP-Durchschnittswerten nicht halten konnte (war wohl auch absehbar), so bleibt er weiterhin der wohl kompletteste Fünfer der Liga und zweitbester Spieler beim zweitbesten Team im Westen. 18.4 Punkte, 10.6 Rebounds, knapp 4 Assists und 2 Blocks im Schnitt - viel besser wird's nicht mehr auf den grossen Positionen. Auch möglich wäre Gasol als Starter-Nachnominierung für Yao Ming. So oder so: am Spanier führt auch in diesem Jahr kein Weg vorbei.

Last but not least bleiben zwei Spieler übrig, die Brüder von einer anderen Mutter sein könnten: Griffin und Love. Ihre Durchschnittswerte sind nahezu identisch, und man könnte sicherlich für beide relevante Argumente finden. Da aber nur ein Spot übrig bleibt, und an Blake Griffin in diesem Jahr absolut nichts vorbei führt, erhält das menschliche Trampolin der Vorzug. 23 Punkte, 12.7 Rebounds, 3.6 Assists und unendliche Highlights pro Abend, aber auch die historischen Implikationen seiner Monster-Rookie Saison dürfen einfach nicht ignoriert werden. Zuguterletzt sind die Clippers nach Jahren des Schattendaseins wieder relevant in der NBA-Sphäre. Lässt man den horrenden 1-13 Start mal aussen vor, steht das Team mit einer 18-16 Bilanz respektabel da. Der Rookie des Jahres trägt daran den Löwenanteil.