09 Februar 2011


Miese News aus der Rip City: Brandon Roy, der dreifache All-Star Guard, wird diese Woche wieder in den Trainingsbetrieb einsteigen. Der Plan: so schnell wie möglich, eventuell bereits am Freitag, spätestens jedoch am Montag, wieder das Spieltrikot der Trail Blazers überstreifen.

Wer, ähnlich wie ich, nicht glauben kann, was er da liest, der erhebe seinen elektronischen Zeigefinger. Roy hatte sich erst vor drei Wochen an beiden Knien arthroskopisch operieren lassen, nachdem er sich - mehr schlecht als recht - durch die Saison quälte. Der Guard verfügt über keinerlei Knorpelmasse mehr, in beiden Gelenken. De facto reibt also Knochen auf Knochen, pausenlos, bei jedem Schritt. Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass der 26-jährige wohl nie wieder zu alter Leistungsstärke zurück finden wird. Seine Produktivität in dieser Saison litt bisher stark unter den körperlichen Gebrechen, was Career Lows bei den Punkten (16.6), Rebounds (2.9), Assists (3.3) und der Trefferquote (40%) eindeutig belegen.

Natürlich will der Guard seinem Team helfen, die Saison-Mission 'Playoffs' erfolgreich zu Ende zu spielen. Man wird auch nachvollziehen können, dass ein Wettkämpfer wie Roy unbedingt auf die Platte zurück kehren will, um sich mit den Besten zu messen. Dass ihn dieses Herumsitzen und Zuschauen innerlich viele Tode sterben lässt, dass er ohne das Spiel selbst nicht existieren kann. Aber irgendwann muss auch mal Schluss sein mit dieser pseudo-selbstlosen Schiene eines Spielers, der offensichtlich - so will man uns zumindest weismachen - den Teamerfolg über das eigene Wohlergehen zu stellen scheint. Schon in den letztjährigen Playoffs war Roy, ganz in ritterlicher Manier auf weissem Schimmel daher reitend, viel zu früh von einer Knieverletzung zurück gekehrt - und dabei vom Gaul geplumpst. Die Rückkehr (unfassbare 8 Tage nach der OP) brachte überhaupt nichts, wie sich später heraus stellte. Phoenix gewann trotz Roy die First Round Playoff-Serie in 6 Partien. Höchstwahrscheinlich rühren die heutigen Komplikationen in Roy's Knien auch von der mangelden Auskurierungszeit und den extra Strapazen, denen er seinen Knochen damals ausgesetzt hatte - aber wer weiss das schon so genau.

Fest steht jedoch, dass er durch diese (erneute) verfrühte Rückkehr seine eigene Karriere sowie die sportliche und wirtschaftliche Zukunft seines Vereins gefährdet. Er sollte erst wieder völlig gesund werden (Roy behauptet selbst, ständig Schmerzen im linken Knie zu haben). Nur in völlig fittem Zustand kann er den Trail Blazers wirklich helfen. Die aber spielen ohne ihn sogar besser in dieser Saison: angeführt von einem ganz starken LaMarcus Aldridge hat Portland 17 seiner 28 Spiele ohne Roy gewonnen. Die Bilanz mit Roy in der Lineup: nur 10-13.

Letztendlich steht es uns vielleicht gar nicht zu, über seinen gesundheitlichen Zustand zu urteilen. Das können nur die Ärzte und Physiotherapeuten, die genaue Einblicke in seine Krankenakte und auf die mittlerweile in die Tausende gehenden Röntgen- und CT-Befunde haben. Und dass man sich in Portland offensichtlich dazu entschlossen hat, seinem Franchise-Player (wieder einmal) frühzeitig grünes Licht für eine Rückkehr auf den Court zu geben, muss auch akzeptiert werden. Aber angesichts des in den letzten Jahren exponentiell gewachsenen Trail Blazer Lazaretts (allein in diesem Jahr schon wieder 5 Langzeitausfälle, allesamt wegen Knieverletzungen) muss die Frage gestattet sein, ob man im ganz hohen NBA-Nordwesten wirklich weiss, was genau man da eigentlich tut. Die Skepsis über die Arbeit der Blazers-Mediziner jedenfalls bleibt - ähnlich wie die chronischen Schmerzen in Roy's Greisenknien - bestehen.