13 Dezember 2011


Nach einem langen Verhandlungstag mit der NBA und einem weiteren geplatzten Chris Paul Trade sammeln die Los Angeles Clippers am Abend den Veteranen Chauncey Billups von der Resterampe auf. Die Liga spielte weiterhin Schmierentheater und trieb den Kaufpreis für Chris Paul in absurde Höhen. Die Clippers reagierten richtig, legten den Hörer auf und wurden anderweitig tätig.

Der kompetente GM Neil Olshey schielte kurz auf seine Salary Cap Situation und das vorliegende Angebot der Golden State Warriors an seinen Free Agent Center DeAndre Jordan und verstand sofort. Er bot erst 2 Millionen Dollar, die ihm unter dem Salary Cap noch zur Verfügung standen, auf Billups. Und glich anschliessend das hohe Qualifying Offer der Warriors ab (Teams dürfen die Salary Cap Grenze sprengen, um Verträge "eigener" Free Agents zu verlängern). So teuer Jordan auch wird (11 Mio./Jahr), so günstig kommt der ausgefuchste Billups daher. LA muss nur zwei der ingesamt 14.2 Mio. $ berappen, die ihm in der kommenden Saison zustehen. Den Rest zahlen die New York Knicks.

Das gute Geld wird am Ende auch dafür sorgen, dass 'Mr. Big Shot' im Trainingscamp der Clippers antanzen wird - obwohl er jedem Spassbieter ja mit Mord und Totschlag gedroht hatte. Wie bereits gesagt: 14.2 Millionen grüne Gründe sprechen dafür, die Saison zu Ende zu spielen. Wenngleich der 35-jährige lieber beim Stadtrivalen Lakers oder den Miami Heat angeheuert hätte, um dem Ring nachzujagen, wird er sich mit der neuen Situation doch schnell abfinden. Ich denke, Billups war mehr gekränkt über die Art, wie man in den letzten 10 Monaten (zuerst in Denver, jetzt in New York) mit ihm umgegangen ist, als grundsätzlich gegen ein Engagement bei einem Team wie den Schiffchen.

Die Situation erinnert mich stark an 2005. Damals kam ein stinkwütender Sam Cassell via Trade nach LA, auch er hatte überhaupt keine Lust, für das Kellerkind aufzulaufen. Aber er blieb und wurde zum Mentor für junge Spieler wie Elton Brand oder Cuttino Mobley. Sie nannten ihn "den Messias". Kopf, Herz und Seele des Teams. Los Angeles spielte die beste Saison der Franchise-Historie und scheiterte erst im Conference Halbfinale an den Suns.

Ähnlich wichtig könnte Billups für die 'young guns' der Clippers werden. Trotz seines Alters sind die Skills noch da, wie 16.8 Punkte und 5.4 Assists pro Spiel in der letzten Saison beweisen. Er ist ein besserer Spielmacher, Verteidiger und Schütze als Mo Williams oder der unerfahrene Eric Bledsoe. Olshey hat Billups bewusst verpflichtet: "Wir haben schon 8 oder 10 mal in den letzten Jahren versucht, Chauncey zu ertraden. Ich denke, wenn er erst mal hier ist und die Jungs kennenlernt, wird alles gut. Er ist ein Krieger."

Inwiefern die Billups-Akquisition die abgekühlten Tradegespräche mit den Hornets wieder aufwärmt, wird sich zeigen. Getradet werden darf Chauncey für die Dauer der Saison jedenfalls nicht. Allerdings haben die Clippers jetzt einige Optionen mehr, um ein geeignetes Tradepaket für CP3 zu schnüren. Die NBA brennt auf einen Tausch, der also - jetzt mehr als je zuvor - immer noch stattfinden kann. Es wäre für das mieseste Pro-Team aller Zeiten ein weiterer Coup in einer für die eigenen Verhältnisse sehr seltsamen Offseason.