18 Dezember 2011


Ziemlich erschreckende News aus Boston machten am heutigen Samstag die Runde: Jeff Green, der wie schon berichtet an einem Herzproblem leidet, wird die gesamte Saison 2011/12 ausfallen. Bei einem Routinecheck fiel den Celtics-Ärzten eine Unregelmässigkeit auf. Weitere ausgedehnte Tests in den letzten Tagen offenbarten eine Arterienerweiterung an Green's Hauptschlagader, die umgehend operiert werden muss.

Ein Arzt bestätigte mir heute, dass Green bei alledem grosses Glück im Unglück hatte. Normalerweise werden die ersten Anzeichen eines Aortenaneurysmas erst bemerkt, wenn der Patient tot umfällt. Arterienerweiterungen (Aneurysmen) sind in der Fachwelt als „Silent Killer“ bekannt, die ohne wirklich Vorwarnung zuschlagen und für die Patienten oft tödliche Folgen haben. Der Celtics-Forward, der am Montag operiert wird, hat zwar einen langen und beschwerlichen Rückweg vor sich, wird aber letztendlich wieder komplett genesen sein und ab nächster Saison seine NBA-Laufbahn fortsetzen können.

Für die Celtics wiegt der spielerische Verlust natürlich schwer. Das Trainerteam um Head Coach Doc Rivers hatte für den vielseitigen Forward eine prominente Rolle in der kommenden Saison vorgesehen. Um die in die Jahre gekommenen Starter für die Playoffs zu konservieren, sollte Green in dieser stark verkürzten Saison als Mittelpunkt und 'go to guy' der zweiten Angriffsreihe gefeatured werden. Mit durchschnittlich 14 Punkten und 5.5 Rebounds in seinen bisher vier NBA-Saisons hat der 25-jährige gezeigt, dass er als dritte Option ein Spiel beeinflussen kann. Erste Augenzeugenberichte aus Boston's Trainingscamp legten nahe, dass Green die Schüchternheit endlich abgelegt hatte, die er via Trade aus Oklahoma City nach Massachusetts mitbrachte. Er wirkte frisch und hoch motiviert für die kommende Saison. Boston einigte sich mit Green vor knapp einer Woche auf ein sogenanntes 'one year tender' im Wert von 9 Mio. $ - eine Art Leistungsangebot für einen langjährigen, hoch dotierten Vertrag im Jahr darauf. Mit einer guten Saison hätte Green im Sommer 2012 also richtig absahnen können - vermutlich knapp 60 Millionen Dollar. Das muss nun ein weiteres Jahr warten. Da Green seine ärztliche Untersuchung nicht bestanden hat, wird der Vertrag umgehend aufgelöst. Boston behält aber die Rechte an Green, der damit im Sommer 2012 den gleichen Status haben wird wie noch vor knapp einer Woche: 'restricted free agent'.

Das ist aber alles nur noch sekundär. In erster Linie muss man überglücklich sein, dass ein simpler Belastungstest eine solch heimtückische Krankheit entlarvt hat, und Green nicht nur weiterleben, sondern bald wieder als Profibasketballer aktiv sein kann. Wer die Reggie Lewis Tragödie 1993 miterlebt hat, weiss, wie schnell eine vielversprechende Karriere zu Ende sein kann, versteht vielleicht den unendlichen Verlust, den man nie ganz kompensieren kann. Dass gerade den Celtics und einem guten Kerl wie Jeff Green so etwas erspart geblieben ist, darüber kann man sich nicht genug freuen.