11 Dezember 2011


Die ganze Welt hatte sich bereits darauf eingestellt, dass David West in der kommenden Saison Celtic-Grün tragen wird. Ein Wechsel nach Boston war schon beschlossene Sache. Man überlegte bereits hin und her, wie denn die ideale Celtics-Lineup aussehen würde. Und dann, wie aus dem Nichts, kamen die Indiana Pacers heran gerauscht und schnappten West den Kobolden direkt vor der Nase weg. Larry Bird - ein eiskaltes Schlitzohr wie zu seinen besten Zeiten.

Dass ausgerechnet Bird, der alte Weggefährte, den C's und GM Danny Ainge den Preis wegstibitzt hat, muss den Serienmeister schon sehr ärgern. Ein Deal mit West schien bereits seit Tagen in trockenen Tüchern. Es ging nur noch um die genauen Vertragsmodalitäten, die von der Situation der Hornets abhingen. Boston wartete ab, bereitete ein Sign & Trade Angebot vor (Jermaine O'Neal inklusive zweier Rookies) und war sich sicher, West nur noch ins Boot ziehen zu müssen. Während die NBA also nach Möglichkeiten suchte, O'Neal gleich weiter zu verscherbeln, unterbreitete der geschmeidige Bird ein Angebot, dass West nicht ausschlagen konnte: 2 Jahre, 20 Millionen. Auf die Kralle. Deal!

Treffsicherer als zu aktiven Zeiten hätte Bird hier nicht handeln können. Obwohl die Celtics der ex-Hornisse insgesamt mehr Geld geboten hatten, war das pro-Jahr Angebot der Pacers stärker. West, einer der konstantesten PF's der Liga (19.6 Pts, 8.1 Reb in den letzten 5 Jahren), wird früher oder später wieder der Alte werden. Obwohl seine All-Star Tage sicherlich gezählt sind - zu 17/7 reicht es dank seiner Professionalität und Arbeiter-Mentalität immer noch. Sein Spiel gibt den Pacers die dringend benötigte Präsenz im Low Post, seine Erfahrung wird sich in der Kabine schnell bemerkbar machen. Für einen jungen Center wie Roy Hibbert ein idealer Partner im Frontcourt, der viel Druck vom Youngster nimmt.

Mit nur einem Move haben sich die Pacers in der Ost-Hierarchie weit nach vorne gemogelt. Der clevere Larry Bird sass - bisher nahezu unbemerkt - auf dem zweitgrössten Batzen 'Salary Cap Geld'. Wie jemand, der in Antizipation einer bevorstehenden Zombie-Apokalypse Konserven und Wasser bunkert, hatte Bird in den letzten Jahren Platz unter dem Cap freigeschaufelt, den Etat wie ein Besessener stetig vergrössert. Was, wenn die Zombies wirklich kommen? Hatte Bird diese irre Offseason etwa vorhergesehen?

Fakt ist jedenfalls: selbst nach dem West-Signing stehen den Pacers immer noch satte 11 Millionen pro Jahr zur Verfügung. Wenn, wie man munkelt, jetzt noch OJ Mayo aus Memphis kommt (der im Februar geplatzte Trade für Josh McRoberts ist wieder aufgewärmt), oder - sogar noch besser - der Jamal Crawford Deal zwischen Atlanta und New York nicht stattfinden kann, weil beiden Teams das Geld ausgegangen ist - dann sieht die Startformation der Pacers plötzlich so aus:

Collison - Crawford/Mayo - Granger - West - Hibbert.

Sicherlich keine Meistermannschaft. Aber inklusive der dann tiefen Bank in dieser kommenden Wirbelwind-Saison mit ihren 42 Back-to-Back Spielen mehr als genug, um in der Eastern Conference für ganz viel Chaos zu sorgen.