25 Dezember 2011


Zugänge: Rip Hamilton, Jimmy Butler
Abgänge: Kurt Thomas, Keith Bogans, Rasual Butler
Head Coach: Tom Thibodeau (62-20)

'No Bull' - kein anderer Satz fasst die Mentalität dieser Chicago Bulls besser zusammen. Ein humorloses Team. Keine ausgelassenen Pressekonferenzen, kein Paparazzi-Tross, kein Bulls-Index, keine Dauerberichterstattung. Nur Teambasketball und die härteste Verteidigung der Liga. Die Bulls hielten ihre Gegner 29 mal unter 86 Punkten, gewannen davon 27 Partien. Taktisch perfekt eingestellt von Defensiv-Mastermind Tom Thibodeau, konnte das Team seine Vorjahresbilanz um 21 Siege verbessern und beendete die Saison mit den meisten W's (64) ligaweit. Ein Hauptgrund war sicherlich der Leistungssprung von Derrick Rose, der nach 25 Punkten und knapp 8 Assists im Schnitt zum wertvollsten Spieler der NBA gewählt wurde. Der geschmeidige Segelkurs der Kühe wurde aber im Conference-Final von der Hitze jäh gestoppt. Die offensive Abhängigkeit von Rose wurde dabei mehr als deutlich. Mit Neuzugang Rip Hamilton hofft man in Chicago die richtige Antwort auf das Matchup-Problem mit Miami gefunden zu haben.

Best Case Szenario: Rip Hamilton erweist sich als das letzte Stück im Championship-Puzzle. Der 33-jährige Maskenmann spielt in einer ganz anderen Liga als der letztjährige Starter Keith Bogans, vor allem in den Playoffs, wo Rip routinemässig zulegt (20.6 PPG). Zum Vergleich Bogans' Playoff-Schnitt: 4.7 PPG. Hamilton wird seine Gegner reihenweise ins Koma laufen, was vor allem gegen Miami ungeahnte Optionen eröffnet. Rose wird zwar nicht mehr zum MVP gewählt werden, einfach weil der Überraschungs-Moment diesmal fehlt, sich dafür aber in Punkto Führungsqualität und Wurfauswahl weiter verbessern und noch effektiver spielen als '10/11. Joakim Noah wird diesmal mehr als nur eine Saisonhälfte absolvieren und Chicago einen zusätzlichen Schub geben. Noah ist nach Rose der wichtigste Bulle, weil er die Defense-first Mentalität von Thibodeau wie kein Zweiter verkörpert und die Schwächen von Boozer kaschiert. Das Team hat dieses Old-School Championship-Feeling an sich: ein MVP Spieler, ein exzellenter Coach, eine tiefe Bank, ein klares System mit klar definierten Rollen und eine alles erstickende Defensive. Sieht mir stark nach Meisterschaftrezept aus.

Realistisch: alles steht und fällt mit dem sich anbahnenden Duell gegen Miami. Die reguläre Saison wird für beide Mannschaften nicht mehr als ein kleines Aufwärmprogramm sein, ein Sound-Check vor der grossen Bühnenshow im Mai. Kritiker bezweifeln, dass Chicago personaltechnisch genug investiert hat, um gegen die Heat zu bestehen. Ich widerspreche: die Hamilton-Akquisition sticht die Battier-Verpflichtung ohne Weiteres aus und gibt den Bulls eine realistische Chance auf's NBA-Finale. Ein paar Ballbesitze hüben wie drüben in Spiel 6 und/oder 7 werden am Ende den Unterschied ausmachen. Miami oder Chicago. Heat oder Bulls.