29 Dezember 2011


Zugänge: Andre Miller, Corey Brewer, Rudy Fernandez, Kenneth Faried
Abgänge: Wilson Chandler, Raymond Felton, Kenyon Martin, JR Smith
Head Coach: George Karl (1036-703)

Obwohl Denver auf dem Papier alles andere als furchteinflössend wirkt, reicht ein kurzer Blick zurück in die letzte Saison um zu kapieren, mit was für einer Art Team man es hier zu tun hat. Nach dem sechsmonatigen, nervenaufreibenden Carmelo Anthony Theater starteten die Nuggets mit neuen Spielern im Gepäck (Danilo Gallinari, Wilson Chandler, Timofey Mozgov) den dominantesten Run des letzten Saisondrittels. Man gewann 18 der letzten 25 Partien und war von Februar bis April das defensivstärkste Team der Liga. Obwohl die Klumpen sich in Playoff-Runde 1 verabschieden mussten, hatte das Team von George Karl alle Erwartungen übertroffen. Die Saison war ein voller Erfolg. Man stellte die beste Offensive überhaupt und bewies, dass man auch ohne Superstar gewinnen kann - zumindest eine Zeit lang. Coach Karl, der wahre Coach des Jahres, hielt seine Söldnertruppe exzellent beisammen und etablierte einen harten Defensivstil ohne einen einzigen dominanten Verteidiger in der Lineup. Dass die hochoktanige Nuggets-Offensive seinen hilflosen Gegnern meist davon rannte, lag auch an der besten Ersatzbank der NBA. Die Parallelen zu Karl's Teams in Seattle und Milwaukee (Conference Finals '93, '98 und 2001) waren frappierend. Nach den Vertragsverlängerungen für Nene und Arron Afflalo wird interessant zu beobachten zu sein, wieviel der erfolgreichste aktive Coach der Liga (1036 W) aus der diesjährigen Nuggets-Edition heraus kitzeln kann - auch ohne die drei Chinesen mit dem Kontrabass (JR Smith, Wilson Chandler, Kenyon Martin).

Best Case Szenario: Die grosse Stärke der Klumpen ohne Carmelo Anthony war die Ausgeglichenheit. Gleich acht Spieler punkteten zweistellig. "Teams sind besser als Superstars", findet Karl. "Dallas hat das vergangene Saison eindrucksvoll bewiesen. Und wir können das hoffentlich auch wieder beweisen." Tatsächlich ist die Tiefe auch in diesem Jahr wieder das grosse Plus. Neben der soliden Starformation mit Nene, Gallinari, Afflalo und Ty Lawson (der 5. Starter wird je nach Matchup-Situation wohl Al Harrington oder Timofey Mozgov) verfügen die Nuggets mit Andre Miller, Chris Andersen, Rookie Kenneth Faried und den zwei Neuzugängen Rudy Fernandez und Corey Brewer über eine komplette Ersatzlineup. Damit kann Karl beliebig durchmischen und sein bevorzugtes Highspeed Tempo konstant hoch halten. In der Höhenluft der Rocky Mountains sind die Nuggets ohnehin nur schwer zu schlagen. Die konditionellen Vorteile und Team-first Mentalität bescheren Denver einen weiteren Playoff-Platz - es wäre der 21. in 22 Saisons, die Karl von Beginn bis zum Ende durchcoachen durfte.

Realistisch: Das grösste Fragezeichen steht hinter Denver's Defensive. Ohne Martin fehlt dem Team ein kapabler Rebounder, der dem ohnehin nicht sehr reboundstarken Brasilianer Nene den Rücken frei hält (Karrierschnitt nur 6.9 RPG). Ohne die Bretter sauber zu halten wird es für die Nuggets unmöglich, den Defensiv-Erfolg vom Vorjahr über eine komplette Saison zu replizieren. Ob der grosse, aber unkonstante Russe die Lösung auf der Fünf ist? Wohl eher nicht. Die neu verpflichteten Bankspieler sind zwar solide, können begnadete Scorer wie Smith und Chandler aber qualitativ nicht ersetzen. Alles in allem riecht diese Nuggets-Edition nach guter regulären Saison, Platz 5 bis 7 im Haifischbecken Western Conference und Playoff-Aus in Runde 1.