29 Dezember 2011


Zugänge: Kwame Brown, Brandon Rush, Klay Thompson, Ish Smith, Dominic McGuire, Jeremy Tyler
Abgänge: Vlad Radmanovic, Reggie Williams, Charlie Bell, Louis Amundson
Head Coach: Marc Jackson (0-0)

"Hand Down, Man Down!" Was bin ich froh, den hohlsten Spruch in der Geschichte der NBATV-Berichtserstattung vorerst nicht mehr hören zu müssen. Ex-Analyst Mark Jackson verlässt die Gemütlichkeit seines Kommentatorenplatzes und wagt sich in den Dschungel von Oakland - namentlich zur chronisch erfolglosen Warriors-Franchise, die in den letzten 17 Jahren insgesamt 16 mal die Playoffs verpasst hat. Angesichts dieser Bilanz nimmt sich Jackson's Prognose schon recht dreist aus: "Wir werden ein Playoff-Team sein". Aber Jackson wäre nicht Jackson, wenn hinter seinem losen Mundwerk nicht auch ein erhebliches Mass an Fachwissen und Können stecken würde. Immerhin spielte der ehemalige Guard 17 Jahre in der NBA und beendete seine Hall of Fame Karriere als drittbester Passgeber in der Geschichte des Spiels (10334 Assists). Wenn das junge Warriors-Team irgend etwas vom Rookie-Coach lernen kann, dann Uneigennützigkeit, Zusammenhalt und harte Arbeit. Das wiederkehrende Thema der letzten 12 Monate in der 'Bay' ist der offensichtliche Wunsch nach Veränderung. Die neuen Besitzer Joe Lacob und Peter Gruber wollen unbedingt die Kultur des Vereins auffrischen. Der Markt gehört zu den Besten der Liga - das Basketballprodukt aber nicht. Das soll mit Jackson alles anders werden.

Best Case Szenario: Der Idealfall sieht vor, dass Coach Jackson von Beginn an eine Defensivmentalität etablieren kann, wie sie das Team bisher nicht kannte. Obwohl man keinen der grossen Free Agent Namen an Land ziehen konnte (DeAndre Jordan war der prominenteste Fast-Einkauf), scheint man mit Center-Neuzugang Kwame Brown zufrieden zu sein. Obwohl Brown niemals die Draft-Erwartungen an ihn erfüllen wird, hat er sich in den letzten Jahren zu einem passablen Verteidiger entwickelt (6.8 RPG). Zusammen mit Andris Biedrins, der eine Bounceback-Saison prophezeit hat und Ekpe Udoh, dem talentiertesten Fünfer des Teams, verfügt Golden State über eine solide Center-Rotation. Brandon Rush ist noch ein Verteidiger-Typ, der aus Indiana kam. Die Startaufstellung besteht nach wie vor aus David Lee, einem ehemaligen Double-Double Forward, dem besten Dreierschützen der Liga (Dorrell Wright) und einem kleinen, aber spielstarken Guard-Tandem in Monta Ellis und Stephen Curry. Wenn die Warriors das Tempo ähnlich hoch halten wie '10/11 (fünftschnellstes Team der Liga) und genauso viel treffen (Platz 7 beim Scoring), sich dabei aber in der Verteidigung respektabel entwickeln, ist sogar der Playoff-Platz drin, den Jackson versprochen hat.

Realistisch: Der Kader der Warriors ist weder qualitativ hochwertig noch ausgeglichen genug, um in der harten Western Conference die Playoff-Qualifikation zu schaffen. Das war auch einer der Hauptgründe, warum das Management im Herbst/Winter verzweifelt nach Upgrades auf allen Positionen gesucht hat (Chandler, Jordan, Nene, Paul). Kein Warriors-Akteur ausser Curry war unantastbar - und keiner sollte sich allzu sicher fühlen. Die grossen Transaktionen stehen noch bevor, vor allem im Backcourt, wo nach dem Draft von Klay Thompson drei austauschbare Shooter-Typen um Minuten konkurrieren. Die Richtung ist durch das Jackson-Signing bereits vorgegeben: wer nicht verteidigt, dürfte schon bald eine neue Postleitzahl haben.