26 Dezember 2011


Zugänge: Dante Cunningham, Josh Selby, Quincy Pondexter, Brian Skinner
Abgänge: Shane Battier, Hamed Haddadi, Ish Smith, Greivis Vasquez
Head Coach: Lionel Hollins (117-150)

Das dritte ernst zu nehmende, aufstrebende West-Team neben den Clippers und den Thunder sind die Memphis Grizzlies. In ihrem insgesamt 10. Jahr in Tennessee brauchte es eine Schulterverletzung ihres besten Spielers Rudy Gay, um erst so richtig in Fahrt zu kommen. Die Grizz verlagerten ihre Offensive vom Perimeter in die Zone und gaben den Ball früh und häufig in die Hände von Zach Randolph und Marc Gasol. Das Inside-Out Spiel trug Früchte. Memphis gewann 15 seiner letzten 25 regular season Partien und qualifizierte sich als 8. Team für die Playoffs - zum ersten Mal seit 2006. Und nicht nur das: gegen die favorisierten San Antonio Spurs gewannen die Grizzlies zunächst ihre erste Postseason-Partie überhaupt, später dann die Serie. Erst im Conference Halbfinale war Schluss - nach sieben hart umkämften Spielen gegen Oklahoma City. So ein Run weckt bekanntlich Begehrlichkeiten. Der als geizig verschriene Besitzer Michael Heisley öffnete im Sommer einmal mehr seinen Geldbeutel und verlängerte Gasol für 4 Jahre und 58 Millionen Dollar. Mit Randolph (71 Mio $), Gay (70 Mio $) und Conley (31 Mio $) ist Heisley also die nächsten vier Jahre 'all in'. Jetzt erwarten die Fans von diesem Spielerkern einen weiteren Sprung nach vorne, mitten hinein in die WC-Elite.

Best Case Szenario: Jedes Best-Case Szenario wurde durch die Verletzung von Edelreservist Darrell Arthur (9.1 PPG) zum Fenster hinaus gefegt. Ohne Arthur fehlt den Bären die nötige Backup-Härte. Die gute Nachricht: mit OJ Mayo, Xavier Henry und zwei weiteren Guards verfügt Memphis über genügend Tradeware, um den Frontcourt aufzubessern. Wenn Rudy Gay, der 2010/11 auf bestem Wege war, seine dominanteste Profisaison abzuliefern, in alter Stärke zurück kehrt, haben die Grizzlies eine durch und durch komplette Starting Five. Conley wird nie All-Star, hat sich aber zu einem soliden Point Guard entwickelt, der kaum Fehler macht und das Spiel gut lenkt. Tony Allen ist ein Verteidigungsderwisch im Backcourt, wie ihn die Liga sonst nicht kennt (bester Perimeter-Verteidiger weit und breit). Und das zweiköpfige Frontcourt-Monster Randolph (20/12) und Gasol (12/7) hält das Grizz-Spiel überhaupt am Laufen. Wenn Gay lernt, seine Stärken (Slashing u. Distanzwurf) über das Postspiel von Z-Bo und Gasol abzurufen, anstatt den Ball zu dominieren, werden die Grizzlies ein noch gefährlicheres Team, das locker unter den Top 4 im Westen landen kann.

Realistisch: Die Verletzung von Darrell Arthur wird den Grizzlies mehr Probleme machen, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Der Abgang von Shane Battier's stillem, aber effektiven Game muss kompensiert werden. Die grösste Schwierigkeit für Coach Lionel Hollins wird sein, seinen All-Star Kaliber Forward Rudy Gay ins ausbalancierte Spielsystem zu integrieren, dass letztes Jahr noch so gut funktioniert hat. Jegliche Verbesserung muss von innerhalb des Teams kommen - die Optionen auf dem Tranfermarkt sind durch die hohen Gehaltsverpflichtungen beschränkt. Erwischt Memphis das richtige Matchup, ist wieder das Conference Halbfinale drin. Insgesamt aber kommt alles, was darüber liegt, eins bis zwei Jährchen zu früh.