25 Dezember 2011


Zugänge: Tyson Chandler, Baron Davis, Mike Bibby, Iman Shumpert, Steve Novak
Abgänge: Chauncey Billups, Ronny Turiaf, Roger Mason, Shelden Williams
Head Coach: Mike D'Antoni (370-315)

Kaum ein anderes Team (von den Clippers und NBA Hornets einmal abgesehen) sorgte in der Offseason für mehr Furore als die New York Knicks. Die überraschten die Basketballwelt mit ihrer schnellen, aber richtigen Einschätzung, im Chris Paul Poker nicht die richtigen Chips auf dem Tisch liegen zu haben. Statt dessen wurde gleich zu Beginn der FA-Periode ein grosser Fang präsentiert: Tyson Chandler, Defensivanker beim amtierenden "Weltmeister" Dallas Mavericks und wohl begehrtester Free Agent auf dem freien Markt. Mit der Verpflichtung von Defensivass Chandler wollen die Knicks, die in der Verteidigung seit 7 Jahren im unteren Liga-Drittel rangieren, die Geister von Ewing, Oakley und Anthony Mason wiederbeleben und sich wieder längerfristig in der NBA-Elite etablieren. Obwohl man mit Carmelo Anthony und Amare Stoudemire die zwei explosivsten Scorer auf ihrer jeweiligen Position beherbergt, fehlte dem Knicks-Spiel auch in der letzten Saison vor allem eins: Stops. Ohne den Gegner auch mal stoppen zu können, wird das nie etwas mit den ganz grossen Playoff-Erfolgen. Enter Chandler! Die Hoffnung ist, dass der 2,16m Leuchtturm nicht nur den Ring beschützt, sondern mit seiner lautstarken Art auch die Vordermänner zu mehr Engagement in der D animieren kann. Mehr D heisst schliesslich mehr W.

Best Case Szenario: Das letzte Mal, als die Knickerbockers die Atlantic Division gewannen, war Pat Ewing noch Franchise-Spieler und Pat Riley noch Coach. 18 Jahre später hat das Traditionsteam zum ersten Mal wieder eine realistische Chance auf den Divisionstitel. Dazu muss Chandler hinten voll einschlagen. Seine Präsenz wird sich schnell bemerkbar machen, denn wer mehr als jeden vierten aller verfügbaren Defensivrebounds abgreift, wenn er auf dem Platz steht, kann einem unterdurchschnittlichen Rebounding-Team wie New York (Platz 19) nur helfen. Der neue Assistenztrainer Mike Woodson wird dem Team den defensiven Feinschliff geben.

Anthony und Stoudemire dürften mittlerweile begriffen haben, wie sie ihre Scoring-Stärken und Balldominanz am besten aufeinander abzustimmen haben, um den Team-Erfolg zu maximieren. Die Knicks schienen trotz des entlassenen Chauncey Billups recht zuversichtlich mit ihrer Guard-Rotation, die aus Toney Douglas, Landry Fields, Rookie Iman Shumpert und dem mumifizierten Körper von Mike Bibby besteht. Nimmt man noch einen bald genesenen Baron Davis hinzu, der in der "Arena seiner Träume" wiedergeboren und zu alter Stärke zurückfinden wird, und Kenyon Martin, den das Team Ende Februar aus China unter Vertrag nehmen will, scheinen die Knicks alle Anforderungen eines gefährlichen Conference Finalisten zu erfüllen. Wenn die Spieler die neue Philosophie verinnerlichen, ist alles möglich.

Realistisch: der ganz grosse Wurf kommt für das Team von Mike D'Antoni wohl noch ein Jahr zu früh. Es fehlt an der notwendigen Teamchemie und einer Bank, die tief genug ist. Man darf durchaus annehmen, dass die drittschnellste Offense der Liga unter D'Antoni viele Gegner einfach wieder aus der Hallen ballern und sich schnell in der EC-Spitzengruppe festsetzen wird. Dass Chandler aber die gesamte Team-Kultur über Nacht verändern kann, muss man anzweifeln. Eine dennoch erfolgreiche Saison endet für die Knickerbockers irgendwann Ende Mai gegen Miami oder Chicago.