26 Dezember 2011


Zugänge: Lazar Hayward, Reggie Jackson
Abgänge: Nate Robinson, BJ Mullens
Head Coach: Scott Brooks (127-106)

Memo an Dan Gilbert, Michael Jordan und alle Teambesitzer, die mangelnden Erfolg ausschliesslich auf Marktgrössen und unfaire Machtverhältnisse innerhalb der National Basketball Association schieben wollen: vor ziemlich genau 3 Jahren lautete die Bilanz der OKC Thunder 3-29. Letzte Saison stand Oklahoma City im WC Finale. Dank weitsichtiger Managerentscheidungen von intelligenten Leuten und kontinuierlicher, geduldiger Arbeit mit jungen Spielern haben es die Thunder unter die fünf besten Teams der Liga geschafft. Während die restlichen Spitzenteams eine tumultöse Offseason hatten oder bisweilen mehrere Neuzugänge integrieren müssen, blieb das gesamte Thunder-Team intakt. Die letztjährige 55-27 Bilanz war kein Ausrutscher, sondern ein Andeuten, was diese Mannschaft in den nächsten Jahren zu leisten imstande ist. Es wäre töricht, OKC auf absehbare Zeit nicht zu den grossen Meisterschaftsfavoriten zu zählen..

Best Case Szenario: Viel Getöse wurde in 2011 um das angeblich angespannte Verhältnis zwischen Kevin Durant und Russell Westbrook gemacht. Lasst Euch sagen, Russ und KD sind tight wie Spandex-Leggings. Je länger die beiden zusammen spielen, desto besser wird auch Westbrook's Verständnis davon werden, wie er zwischen Punktesammler- und Passgeber-Modus hin und her wechseln muss. Der 23-jährige lernt sozusagen 'on the fly' was es heisst, ein NBA-Team zu lenken. Solange er den besten natürlichen Scorer der Liga an seiner Seite hat, besteht einfach kein Bedarf für 20 eigene Wurfversuche. Zur Erinnerung noch mal: Durant ist auch erst 23 geworden. Der imposante Forward-Center Serge Ibaka ist erst 22. Und da ist ja dann noch der mächtigste Bart der Liga. James Harden (22) nähert sich langsam aber sicher dem für ihn reservierten All-Star Niveau. Obwohl er weiterhin von der Bank kommen wird (6th Man of the Year, btw) spielt der in Arizona State perfekt ausgebildete Guard nominell Starter-Minuten. Die vier angesprochenen Schlüsselspieler haben bereits jetzt jeweils 23 Playoff-Partien absolviert. In Kendrick Perkins, Thabo Sefolosha und Nick Collison haben die Thunder defensivstarke Rollenspieler, die eine extrem tiefe und vielseitige Rotation perfekt ausbalancieren. Junge Beine, ein eingespieltes Team, ein solider Coach, Playoff-Erfahrung und den besten Scorer der Liga. Klingt ziemlich stark nach Championship-Anspruch für den durch und durch gesündesten und organischsten Club der Liga.

Realistisch: wie geht das junge Team mit den plötzlich enormen Erwartungen um? Bisher operierten die Thunder immer unter dem Radar. Keiner hatte sie wirklich auf der Rechnung. Ist vor allem Westbrook mental bereit für 'Primetime-Basketball', wie er in den Conference Finals und später dann im Juni gespielt wird? Kann der Mann mit den meisten Ballverlusten der Liga in zwei der letzten drei Saisons endlich lernen, das Spiel zu machen, anstatt es selbst permanent übernehmen zu wollen? Und vor allem: ist die Verteidigung der Thunder stark genug, um gegen die Top-Teams der Liga zu bestehen? Eine für mich sehr überraschende Statistik war die unterdurchschnittliche D (letztes Jahr Platz 18 bei den kassierten Punkten, Platz 15 bei der Def Eff). So oder so: alles andere als das Erreichen des Conference Finals wäre eine herbe Enttäuschung.