29 Dezember 2011



Wer hier regelmässig nach frischen Blog-Brötchen Ausschau hält, weiss um meine Hassliebe zu Russell Westbrook mittlerweile Bescheid. Obwohl ich dem etatmässigen Point-Guard der Oklahoma City Thunder immenses Talent und athletische Höchstbegabung attestiere, rauben mir seine Fehlentscheidungen auf dem Platz in Kombination mit seinem niedrigen Basketball-IQ die Nerven. Genau die verlor auch der junge Guard, am Mittwoch beim Auswärtsspiel in Memphis.

Im mit Spannung erwarteten Rematch des Conference Halbfinals 2011 erwischte Westbrook einen rabenschwarzen Tag (0-13 aus dem Feld, 4 Turnovers). Seine Probleme waren aber wohl mehr als nur sportlicher Natur. Der 23-jährige liess seinen Frustrationen auf dem Platz freien Lauf und schnauzte zuerst Thabo Sefolosha an, der nach einem Westbrook-Pass einen Dreier ausgeschlagen hatte. Als seine Teamkollegen, allen voran Kendrick Perkins und Kevin Durant, versuchten, ihren Spielmacher zu beruhigen, geriet der erst richtig in Rage und mit Durant aneinander. Westbrook hatte sich auch Minuten später - die Spieler hatten mittlerweile während einer Auszeit auf der Bank Platz genommen - noch nicht abreagiert. Die zwei Thunder All-Stars schrien sich gegenseitig an und mussten voneinander von Teamkollegen getrennt werden.

Bevor man jetzt zuviel in eine simple, produktiv-sachliche Auseinandersetzung zwischen Freunden mitten in einem eng umkämpften Basketballspiel hinein interpretiert, sei darauf hingewiesen, dass Durant seinen Kumpel nach dem Spiel in Schutz nahm: "Wir haben manchmal Meinungsverschiedenheiten, aber ich stehe zu 110 Prozent hinter ihm." Durant hat bisher bei jeder Gelegenheit betont, dass Russ für ihn "der einzige Point Guard sei", und es recht häufig vorkommt, dass bei den beiden die Fetzen fliegen. Westbrook verliess die Umkleidekabine durch den Seitenausgang und stand für Fragen nicht zur Verfügung.

Das Scheinwerferlicht wird immer heller für Westbrook, nachdem er schon in den letztjährigen Playoffs mit der beanspruchten Führungsrolle im Team nicht so ganz umzugehen verstand. Das rief viele Kritiker auf den Plan, die einen Rift zwischen ihm und Durant erkannt haben wollten. Das kann man getrost ausschliessen. Aber obwohl sich der Guard lautstark vorgenommen hatte, in Zukunft seine Emotionen besser im Zaum halten zu wollen, wird er weiterhin schnell - zu schnell - von seiner Gefühlswelt übermannt. An diesem Aspekt seines Spiels muss der junge Hitzkopf unbedingt arbeiten, wenn er den Satz unter die NBA-PG-Elite machen will. Erst wenn Westbrook beherrschter wird und als Mannschaftskollege und Spielmacher in eine Führungsrolle schlüpft, erst dann hat Oklahoma City eine reelle Chance auf den Meistertitel. Alle anderen Puzzleteile sind bereits in Position. Jetzt muss nur noch Westbrook seinen Platz finden.