10 Januar 2012




1. Miami Heat (8-1)
Spielen den bisher dominantesten Ball der Saison und gewinnen ein Spiel nach dem anderen - auch ohne den derzeit verletzten Dwyane Wade. Die Verteidigung ist noch besser als letztes Jahr, die Spielgeschwindigkeit superluminar, und Lebron James trifft fast jeden Wurf (60%). Die Heat sind das regular season Maß aller Dinge, das war absehbar. Was zählt, sind die Leistungen im Juni.

2. Chicago Bulls (8-2)
Der beste Saisonstart seit Jordan's 96/97 Bulls. Die Defensive der Kühe ist erstickend gut, erlaubt mickrige 84 Punkte pro Abend. Derrick Rose hat sein Assist-Spiel im Vergleich zu letzter Saison verbessert (8.4 APG). Bis zum Ende des Monats und dem hoch antizipierten Duell gegen Miami (29.1.) könnte Chicago weitere 11 Partien gewonnen haben - so schwach sind die kommenden Gegner im Vergleich zu diesem Titelkandidaten.

3. Oklahoma City Thunder (8-2)
Trotz Saisonende für Backup Eric Maynor, Westbrook's schmerzlicher Selbstfindungsreise nach seinen Spielmacher-Instinkten und einer der schlechtesten Defensiven der NBA (Platz 23) bleibt OKC zu Hause eine absolute Macht (5-1) und dank Jugend und Tiefe neben LAC die Mannschaft mit der meisten Luft nach oben für Verbesserungen aller Art.

4. Portland Trail Blazers (6-2)
Avancieren schnell zum Lieblingsteam vieler Basketballpuristen. Überraschen weiterhin mit einer faszinierenden Mischung aus Grösse und Speed. Raymond Felton lenkt das Spiel mit durchgedrücktem Gaspedal, Gerald Wallace ist hauptverantwortlich für die fünftbeste D der Liga, und Lamarcus Aldridge macht aus dieser extrem tiefen und überathletischen Lineup einen Alptraum-Gegner für jedes Team.

5. Philadelphia 76ers (6-2)
Die beste Offensive? Check. Die beste Defensive? Check. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die Sixers nach zwei Wochen das Effektivitäts-Nonplusultra sind? Balance ist Trumpf beim Team von Doug Collins (6 Spieler punkten zweistellig). Bis Spencer Hawes wieder auf den Boden der Tatsachen zurück kehrt, und der Spielplan für Philly ein wenig anspruchsvoller wird (15 der nächsten 19 zu Hause), bleibt das letztjährige Überraschungsteam oben mit dabei.

6. San Antonio Spurs (6-3)
Der Ausfall von Manu Ginobili wird sich früher oder später bemerkbar machen. Soweit, so gut aber für die Popovichs, die mit einer Mischung aus Gary Neal, Danny Green und einem geläuterten Richard Jefferson, der die Liga bei den Dreiern anführt (29), Ginobili's Produktivität bisher kompensiert bekommen. Die Altmeister bleiben zu Hause eine Macht (6-0) und im Westen Abend für Abend ein äusserst unangenehmer Gegner.

7. Los Angeles Lakers (6-4)
Nicht von den höchstens durchwachsenen Teamstatistiken blenden lassen, die aufgrund der ersten vier Spiele verzerrt wurden. Die neu formierte Lineup mit Matt Barnes auf Small Forward und einem biestigen Andrew Bynum (19 PPG/16 RPG) neben Bryant (27.6 PPG) und Gasol spielt einen ganz anderen, erfolgreichen Ball. LA liebäugelt mit drei weiteren Siegen vor dem ersten echten Reality Check: Clippers, Dallas, Miami und Orlando zwischen Freitag und nächstem Samstag.

8. Los Angeles Clippers (4-2)
Das absolute Enigma unter den Top-10 Teams. Zum einen, weil keine andere NBA-Mannschaft weniger Spiele absolviert hat. Zum anderen, weil es mit vier neuen Startern operiert und erst seit knapp drei Wochen zusammen ist. Die Defensive ist miserabel (Platz 21), der Coach ziemlich schwach. Und der Spitzname ('Lob City') geht sogar Paul und Griffin auf die Nerven. Aber sie finden immer besser zusammen, und man hat wie bei einem ihrer unzähligen Alley-Oops den Eindruck: 'Sky is the limit."

9. Atlanta Hawks (6-3)
Das Achterbahn-Team der vergangenen Saison macht seinem Namen mal wieder alle Ehre. Wer kann denn diese Talentansammlung verstehen, und wer kann sie in den Playoffs sonderlich ernst nehmen? Wie schlägt man die Bulls und die Heat innerhalb einer Woche, büsst aber in der gleichen Woche eine 19-Punkte Führung gegen Chicago ein und verliert gegen Miami ohne Lebron und Wade? Nichts an dieser Mannschaft macht besonders viel Sinn.

10. Denver Nuggets (6-4)
Die Knicks sollten sich an Denver ein Beispiel nehmen: es ist offensichtlich möglich, zu verteidigen (Platz 7) und vorne effektiv zu scoren (Platz 6). Das Geheimnis der Nuggets liegt in ihrer gesunden Mischung aus tiefem Team (gleich 6 Spieler mit mindestens 10 PPG) und uneigennützigem, erfolgreichen Karl-System. Nach phänomenalem Start sind die Klumpen mit 2 Niederlage in Folge wieder in der Realität gelandet, sonst wäre das Ranking noch höher ausgefallen.

11. Indiana Pacers (6-3)
Verfügen über genau die richtige Mischung aus soliden Veteranen (West, Granger) und jungen, aufstrebenden Spielern (George, Collison, Hibbert) sowie eine beneidenswerte Ausgeglichenheit auf allen Positionen, um weit mehr als die Hälfte ihrer Saisonspiele zu gewinnen und in der ersten Playoff-Runde ein unangenehmer Gegner zu werden. Für den Sprung in die Elite fehlen aber ganz einfach die Stars.

12. Orlando Magic (6-3)
Die Offensive ist recht gut (Platz 7) dank des bekannten Inside-Out Spiels. Die Team-D ist aber nur Durchschnitt. Was belegt: ohne Howard wären die Magic totaler Schrott. Orlando erledigt zwar seine Arbeit gegen die Fussabtreter der Liga gewissenhaft, kann aber den Titelkandidaten wie Chicago und Miami im Osten nicht ansatzweise das Wasser reichen.

13. Boston Celtics (4-4)
Die Woche der Wahrheit für Boston, das sich bisher nur gegen Kellerkinder wie Washington und New Jersey durchsetzen konnte. Nach Duellen gegen Dallas, Chicago und Indiana werden wir besser einszuschätzen wissen, ob Grün im Osten noch ein Wörtchen mitzureden hat oder ob wir die Kobolde endgültig zur Alteisen-Entsorgung schicken müssen.

14. New York Knicks (5-4)
Eigentlich hat ein Team, das konsekutive Spiele gegen Toronto und Charlotte verliert - in eigener Halle wohlgemerkt - einen Platz unter den Top 14 nicht verdient. Doch obwohl die Knickerbockers sowohl in der Offense (Platz 13) als auch in der Defense (16) weiter enttäuschen, scheint es nur in eine Richtung gehen zu können für Anthony, Stoudemire und den aufregenden Rookie Guard Iman Shumpert...nach oben!

15. Dallas Mavericks (4-5)
Der einzige überzeugende Sieg bisher war gegen OKC - ein Conference Finals Rematch, in dem Dallas mental auf der Höhe war. Ansonsten scheinen die Pferdchen im Kopf einfach nicht im Spiel zu sein, wie die bisherigen Niederlagen eindrucksvoll belegen (11, 22, 17, 21 Punkte Differenz). Die Mavs werden sich steigern, die freien Würfe werden irgendwann fallen, und die grottige Offensive (Platz 24) wird sich mit Sicherheit verbessern. Aber Dallas zeigt nicht einmal den Ansatz einer unbesiegbaren Championship-Aura. Das Team ist vollkommen durcheinander

16. Phoenix Suns (4-4)
Der miese 1-3 Start verschwindet im Rückspiegel. Angeführt von einem sich langsam in Form spielenden Steve Nash (47 Assists in den letzten vier Partien) kommt die Suns-Offense ins Rollen (48% Quote letzte Woche). Dankbare Hausaufgaben gegen Cleveland und New Jersey stehen an. Langfristig bleibt jedoch die Frage offen, wie lange man .500er Saisons von der Brillanz eines 37-jährigen Hall of Fame Point Guards abhängig machen will, und ob ein ehrlicher Rebuild nicht sinnvoller ist.

17. Utah Jazz (5-4)
Sieh an, sieh an: Utah war das einzige 4-0 Team in der vergangenen Woche. Die Frontcourt-Rotation mit Jefferson, Millsap und Derrick Favors entfaltet langsam ihr volles Potential, und obwohl Coach Ty Corbin weiterhin Probleme hat, seine effektivsten Lineups zu identifizieren und aufs Parkett zu schicken, gewinnt der Jazz, ohne zu brillieren. Zu Hause (4-0) bleibt das Team weiter ungeschlagen. 11 der nächsten 14 Partien finden in der heimischen Energy Solutions Arena statt.

18. Memphis Grizzlies (3-5)
Der Geheimtipp vieler Experten vor der Saison stolperte aus den Startlöchern und verlor zu allem Überfluss seinen besten Spieler (Zach Randolph) für mindestens zwei Monate an den Verletzungsteufel. Der Spielplan war bisher unerbittlich (SA, OKC, CHI, LAL) und ohne Z-Bo bleiben viele Fragen unbeantwortet. Die wichtigste: kann Rudy Gay die viert-schlechteste Offensive der Liga schultern und Verantwortung übernehmen? Eine weitere zermahlende Woche steht an (OKC, NYK, CHI), bevor sich der Spielplan dann etwas lichtet.

19. Houston Rockets (2-6)
Die bisher magere Ausbeute der Raketen lässt sich mit einer Statistik erklären: 66%. Das ist die Siegesquote der bisherigen Rockets-Gegner - die beste ligaweit. Die NBA-Spielplan-Macher sitzen also mit Sicherheit nicht in Houston. Die Defensive stinkt zwar gewaltig (Platz 29), aber dank einer recht geschmeidigen Offense und einem wirksamen Lowry-Martin-Scola Nukleus wird dieses Team bis zum Ende des Monats auf über .500 zurück geklettert sein.

20. Toronto Raptors (4-5)
Der Offensive fehlt jegliche Durchschlagskraft, aber dank einer stark verbesserten Verteidigung, die der neue Coach Dwane Casey etabliert hat, bleiben die Raptors öfters im Spiel als letzte Saison. Andrea Bargnani (24 PPG, 51% FG) spielt bisher wie ein Nummer 1 Pick. Mit Dates gegen Washington und Sacramento könnten die Dinos sogar über .500 klettern, bevor man sich auf zwei längeren Auswärtstrips die unvermeidbaren Niederlagenserien einfangen wird.

21. Cleveland Cavaliers (4-4)
Angeführt vom ROY-Favoriten Kyrie Irving (15 PPG/5 APG), der sich schneller als erwartet bei den Profis etabliert, und einer phasenweise starken Team-D (Platz 10) zeigen die Edelmänner bisher durchaus passable Ansätze. Coach Byron Scott leistet gewohnt gute Arbeit. Die Cavs können in den kommenden Tagen (in UTA, PHX, CHA) ein paar extra W's einsammeln, bevor ihnen der Spielplan zwischen dem 17. Januar und 17. Februar das Genick brechen wird.

22. Minnesota Timberwolves (3-6)
Nach einer guten 2-2 Woche inklusive Heimsieg gegen San Antonio haben wir folgendes gelernt: Ricky Rubio ist eine Mischung aus Jason 'White Chocolate' Williams und Steve Nash. Kevin Love's Inside-Outside Game macht ihn zum potentiell "besten Power Forward der Liga". Und Coaching-As Rick Adelman hat aus der Lachnummer der Liga eine zumindest respektable Profimannschaft geformt, deren Spiel auf dem Platz für mehr Schlagzeilen sorgt als King Kahn's Management-Versuche hinter den Kulissen. Die nächsten 10 Tage halten machbare Aufgaben gegen NO, Sacramento und Detroit bereit.

23. Milwaukee Bucks (2-6)
Die Bucks laufen Gefahr, die Erwartungen von uns allen und sich selbst zum zweiten Mal in Folge gehörig zu enttäuschen. Ja, die Spielansetzung bisher war schwierig (5 Auswärtspartien in den letzten 7 Tagen). Und Bogut's unerwartetes Fehlen letzte Woche aufgrund von familiären Problemen in Australien fiel zusätzlich ins Gewicht. Aber die miese Trefferquote (42%) hat tiefer sitzende Gründe. Die Bucks sind besser als Platz 22, werden das Schedule-bedingt aber frühestens ab Februar beweisen können.

24. Sacramento Kings (3-6)
Nur zwei Wochen in die neue Saison hinein, und Demarcus Cousins hat es bereits geschafft, seinen Nemesis Paul Westphal aus Sacramento zu vertreiben. Nun muss der grossspurige Center das Vertrauen des Clubs in ihn rechtfertigen. Die ersten Ergebnisse unter Neu-Coach Keith Smart (20 PPG, 9 RPG, 2.3 BLK) lassen sich sehen. Um aber den NBA-Keller zu verlassen, müssen die Kings lernen, wie man zusammen Basketball spielt (nur 14 Assists pro Partie, Platz 30).

25. Golden State Warriors (2-6)
Die anfängliche Euphorie in der Bay nach Siegen gegen Chicago und New York ist der Ernüchterung einer 5-Spiele-Niederlagenserie gewichen. Das Mismanagement des Vereins in Bezug auf Stephen Curry's anhaltende Sprunggelenksverletzung könnte die Dubs teuer zu stehen kommen. Die Defensive funktioniert noch nicht, und die Flügelspieler sind ein Totalausfall. Aber wenigstens kämpft das Team und bleibt bis zum Schluss im Spiel. Das war in den letzten Jahren selten der Fall.

26. Detroit Pistons (2-7)
Wie unkompetent die Pistons wirklich sind, beweist folgender Wert: Platz 26 bei der defensiven Effizienz, trotz eines Defensivexperten in Lawrence Frank an der Seitenlinie. Der Spielplan war bisher kein Zuckerschlecken, wird aber ab Mitte dieser Woche ertragbarer mit 5 realistischen Siegchancen in Folge. Die können nur kommen, wenn die Offensive aus ihrer Lethargie erwacht (Platz 29) und vermehrt über Greg Monroe (15 PPG/8 RPG) und Ben Gordon (15 PPG) läuft. Oder auch nicht.

27. Charlotte Bobcats (2-7)
Beeindruckend: gleich 7 Rotluchse punkten im zweistelligen Bereich. Nicht beeindruckend: kein Team verteidigt schlechter als Charlotte. Bei Defensiv-Allergikern wie DJ Augustin, Boris Diaw und Byron "Porno-Detektiv" Mullens auch kein grosses Wunder. Der Spielplan ist den Katzen gnädig gestimmt, mit vier machbaren Aufgaben bis nächsten Montag, um die Bilanz etwas zu schönigen. Langfristig kann es aber nur darum gehen, künftige Rotationsspieler wie Kemba Walker und DJ White auszubilden, und den höchstmöglichen Draft Pick abzustauben.

28. New Orleans Hornets (3-6)
Vor dem gestrigen Überraschungssieg in Denver hatten die Hornissen sechs Partien in Folge verloren. Der einzige Star des Teams, Eric Gordon, fällt wegen Knieproblemen (wieder einmal) mittelfristig aus. Jarrett Jack ist Topscorer mit mageren 15.8 PPG. Langsames Tempo, schlechte Trefferquoten (42%) und eine ganz dünne Spielerdecke bedeuten für New Orleans eimerweise Niederlagen. Bei dem Spielplan prophezeie ich bis zum Ende des Monats weitere 11 bis 12. Genau so hat sich die NBA das wohl auch vorgestellt!

29. New Jersey Nets (2-8)
Grösstes Problem für die Nets? Sieht man vom unterirdisch besetzten Kader und massivem Verletzungspech einmal ab, dann ist es die eigene Unfähigkeit, das Spiel von Beginn an ernst zu nehmen. New Jersey verliert so gut wie jedes Ql (im Schnitt 18-26) und schaufelt sich so sein eigenes Grab. Obwohl die restlichen drei Viertel ausgeglichen sind (23-24), ist das permanente Hinterhereilen für so ein talentloses Team zu viel des Guten. Einziger Lichtblick: Rookie Guard Marshon Brooks.

30. Washington Wizards (0-8)
Die unzähligen Probleme der Zauberer wurden hier, hier und hier schon zu Genüge eruiert. Die einzig verbliebenen Fragen im Moment: sind der schlechteste Saisonstart (0-18, New Jersey Nets '09/10) und die schlechteste Siegesquote (.123, Philadelphia 76ers '72/73) aller Zeiten in Gefahr? Wird der bemitleidenswerte Flip Saunders schon bald von diesem Elend erlöst? Und wann holen die Wizards ihren ersten Saisonsieg? Die günstigste Januar-Chance bietet sich heute gegen Toronto.