29 Januar 2012



Wie bereits gestern kurz mitgeteilt, sind Chris Kaman's Tage in New Orleans gezählt. Keine zwei Monate nach seinem unfreiwilligen Abgang von den Los Angeles Clippers, von wo aus er im kontroversen Chris Paul Blockbuster zusammen mit Eric Gordon, El-Farouq Aminu und einem Erstrundenpick kam, darf der deutsche Nationalspieler schon wieder seine Koffer packen. Die Hornets schickten ihn vor einigen Tagen nach Hause mit der Begründung, sich angesichts der sportlichen Misere voll und ganz auf den Wiederaufbau konzentrieren zu wollen. Kaman's Minuten im Frontcourt sollen fortan an Aminu, Jason Smith und Rookie Gustavo Ayón gehen.

Bis GM Dell Demps also einen geeigneten Tradepartner gefunden hat, wird Kaman seine Zeit in Zivilkleidung absitzen müssen. Der 29-jährige fehlte sowohl am Mittwoch als auch gestern gegen Orlando in der Hornets-Lineup und wird dort auch nicht mehr auftauchen. Ein Kaman-Deal wird frühestens am 15. Februar über die Bühne gehen - dann nämlich läuft die Einschränkung aus dem CP3-Trade ab, nach welcher Kaman 60 Tage lang nicht in einem Mehrspielertausch involviert sein darf. Mehrere Playoff-Teams haben bereits Interesse am 2,13m Riesen bekundet. Durchaus verständlich, denn mit Karrierewerten von 11.7 Punkten, 8.3 Rebounds und 1.4 Blocks pro Spiel hat 'Sasquatch' (dt: Bigfoot), wie er sich sogar selbst nennt, seine Skills in den letzten neun NBA-Jahren bereits unter Beweis gestellt.

Während selbstredend jede Playoff-Mannschaft eine Low-Post Präsenz wie Kaman gut gebrauchen kann, schrumpft der Markt schlagartig zusammen, wenn man sich die Forderungen der Hornets NBA einmal genauer ansieht. Geht es nach David Stern, bringt Kaman via Trade mindestens einen jungen Spieler, Cap Space plus mindestens einen Draft-Pick ein. Das Gehalt des bleichgesichtigen Riesen ist happig: 13.672 Millionen $, wovon dann 12.2 Mio $ in die Salary Cap Kalkulationen bei einem Trade einfliessen. Die neuen CBA-Regeln spezifizieren unterschiedliche Ober-/Untergrenzen für Trade-Teams die unter bzw. über der Luxussteuer liegen. Um's kurz zu machen: New Orleans müsste Gehälter im Wert von mindestens 8.3 Millionen $ zurück nehmen, um Kaman via Trade abstossen zu können. Unter keinen Umständen - und da hat die Liga ihren Standpunkt schon während der CP3-Saga deutlich gemacht - bindet man sich mehr Gehalt ans Bein. Finden die Hornissen bis zum 15. März (Ablauf der Trade-Deadline) keinen Abnehmer, werden sie Kaman aus seinem Vertrag (der im Sommer endet) heraus kaufen, was ihn dann zum Free Agent macht.

Ans Eingemachte: eliminiert man zunächst alle jungen Teams, die mitten im Rebuilding stecken, sowie all diejenigen, die im Frontcourt bereits gut besetzt sind, bleiben nur noch 10 Kandidaten übrig. Davon fallen wiederum Atlanta, Boston, Dallas, Miami, Milwaukee, Portland und San Antonio durch das Raster, weil all diesen Mannschaften die nötigen Puzzleteile fehlen, welche New Orleans und die NBA vor Entzücken sabbern lässt: junge Talente, die zusammen knapp 8 Millionen Dollar pro Saison verdienen. Jedes dieser sieben Teams würde erst zum Player, wenn Kaman freigekauft und auf den freien Markt entlassen wird. Soweit werden es die folgenden drei Teams aber nicht kommen lassen, wenn sie ihre personellen und sportlichen Schwachstellen ernsthaft ausmerzen wollen.

Die Golden State Warriors waren schon während der gesamten Offseason auf der Suche nach einem echten 'Impact Center', also jemandem, der das Spiel auf der Fünf entscheidend beeinflussen kann. Kaman ist kein Überathlet, Megastar oder Pop-Ikone (manche würden mir im letzten Punkt zurecht widersprechen), zählt aber definitiv zu den zehn besten Centern der Liga. Der ehemalige All-Star ist defensiv präsent, kann das Spiel im Low-Post verlangsamen und sich seine eigenen Würfe in der Zone erarbeiten. Damit wäre er das perfekte Gegenstück zu einem Face-up Forward wie David Lee. Die Free Agent Akquisition der Dubs, Kwame Brown, fällt nach seiner Schulterverletzung für den Rest der Saison aus. Man könnte also dessen auslaufenden 7 Mio $ Vertrag (ab dem 1. März) zusammen mit einem jungen Spieler wie Ekpe Udoh (3.3 Mio $) und/oder Jeremy Tyler bzw. Dominic McGuire nach New Orleans schicken. Draft-Pick natürlich inklusive. Golden State wäre mit einer Kaman-Lee-Wright-Ellis-Curry Lineup ein ernst zu nehmender Playoff-Anwärter im Westen.

Zweite realistische Möglichkeit: die Detroit Pistons. Kaman stammt aus Wyoming/Michigan, knapp 250km von Detroit entfernt. Neben dem Heimkehrer-Nostalgie-Faktor wäre der Deal auch aus sportlicher Sicht für die Kolben durchaus sinnvoll. Die schicken zur Zeit den fast 100-jährigen Ben Wallace (ja, er spielt immer noch) als Starting Center aufs Parkett. Müssig zu sagen, dass 'Big Ben' mit jetzt 37 Jahren kein ernst zu nehmender NBA-Spieler mehr ist. Kaman dürfte der Startformation neue Qualität verleihen und gleichzeitig die Entwicklung von Detroit's Franchise-Spieler Greg Monroe vorantreiben. Dem schlechtesten Rebounding Team der Liga (38.1 RPG) würde Kaman exzellent zu Gesicht stehen. Als Gegenleistung erhalten die Hornets einen Mix aus jungen Spielern, die von Coach Lawrence Frank bisher meist übergangen wurden (Austin Daye, Will Bynum) plus den auslaufenden Deal von Jason Maxiell, um ins Finanz-Soll zu gelangen.

Als einer der grössten Interessenten kristallisieren sich - bei genauerer Betrachtung - die Houston Rockets heraus. Die galten als einer der grossen Verlierer des Paul-Fiaskos, nachdem Imperator Stern ihre Gasol-Nene Monster-Frontcourt Vision damals wie eine Seifenblase platzen liess. Houston musste sich mit Samuel Dalembert begnügen, könnte aber in den nächsten Wochen eiskalt zurück schlagen und sich für einen tiefen Playoff-Run positionieren. Die Raketen spielen dank eines Lowry-Martin-Scola-Dalembert Nukleus einen derzeit erfolgreichen Ball und kämpfen unter dem neuen Coach Kevin McHale um den Division-Titel. Kaman wäre für Houston die perfekte Addition und würde die Kräfterverhältnisse im Südwesten kräftig durcheinander wirbeln. Was Tradechips anbelangt, ist keine Mannschaft besser positioniert, um mit den Hornets ins Geschäft zu kommen. Houston verfügt über eine Plethora an jungen, mässig bepreisten Profis, die genau ins Beuteschema der Hornissen fallen. Ein Center wie Hasheem Thabeet (5.1 Mio $) käme als Kernstück in Frage, ebenso wie der ehemalige Nummer 6 Pick Jonny Flynn (3.4 Mio $), Terrence Williams (2.4), Courtney Lee (2.2), Patrick Patterson (2.0) oder Rookie Marcus Morris (1.8). Allesamt Spieler, die in McHale's Rotation kaum oder überhaupt keine Rolle spielen. Auch Draft-Picks gibt es in Houston zu Genüge. Rockets-GM Daryl Morey sammelt schon seit Jahren genau diese Art von Anlagegütern, um einen solchen Blockbuster-Trade durchzuziehen. Kaman ist sicherlich kein Hauptgewinn, aber als kommender Free Agent für die Texaner auch nicht sonderlich riskant. Falls das Experiment scheitern sollte, geht man im Sommer einfach getrennte Wege. Kaman dürfte für Houston das einzig realisierbare Upgrade unter den Körben sein, wenn man schon in dieser Saison etwas reissen will.