04 Januar 2012


Der wöchentliche, kompakte Blick auf die Rookie Tops und Flops des Draft-Jahrgangs 2011 (Stand: 3. Januar 2012)


1. Kyrie Irving (Cleveland Cavaliers): 13.3 Pts, 4 Reb, 5.5 Ast, 1 Stl
Der Nummer 1 Pick konnte bisher alle Erwartungen erfüllen. Heimlich, still und leise etabliert sich Irving als primärer Cavs-Spielmacher und melkt die Spielzeit-Kuh immer mehr - zum Leidwesen von Ramon Sessions, dem etatmässigen Starter. Irving zeigte am Freitag in Indiana sein bisher bestes Profispiel mit 20 Punkten, 5 Rebounds, 4 Assists. Die Trefferquote wird zwar hässlich bleiben (40%), aber Irving hat von allen Rookies die sicherste Position, höchste Gebrauchsrate auf dem Court (höher als Rose, Ellis oder Wade) und wird bis zum Jahresende einer der grössten ROY-Favoriten bleiben.

2. Ricky Rubio (Minnesota Timberwolves): 8.8 Pts, 6.4 Ast, 52% FG
El Rubio Grande setzt seinen heissen Preseason-Start ins nordamerikanische Profigeschehen fort und lässt seine vielen Kritiker bisher alt aussehen. Am meisten beeindruckt seine Effizienz und seine Fähigkeit, alle Mitspieler besser zu machen: Minnesota erzielt 10 Punkte per 100 Angriffe mehr, wenn der Spanier die Pille managt. Seine P&R Skills sind jetzt schon über dem durchschnittlichem NBA-Niveau, genauso wie sein Assist-Game (6.4 pro Spiel) und die Treffsicherheit (52% FG, 50% Dreier, 83% FT). Obwohl man abwarten muss, wie Rubio mit der extra Aufmerksamkeit umgehen wird, die ihm gegnerische Defensiven mehr und mehr widmen werden, scheint sich das Warten für Minnesota gelohnt zu haben.

3. MarShon Brooks (New Jersey Nets): 13.7 Pts, 3.7 Reb, 46% FG
Der einzige Lichtblick bei den anemischen New Jersey Nets ist Rookie-Guard MarShon Brooks. Der 22-jährige wurde erst an 25. Stelle gedraftet. Befürchtungen, dass seine Spielweise nicht mit dem Isolationsspiel bei den Profis vereinbar sei, drückten den Aktienkurs. Nach 10 Tagen NBA-Action ist Brooks aber nicht nur unter den Top 7% aller Isolationsscorer zu finden, sondern mit 13.7 PPG (in nur 22 Minuten) auch der beste Punktesammler unter allen Rookies. Dank seiner Länge (1,95m mit 2,15m Spannweite) und seinem Faible fürs Scoren (schon vier mal 17+) winkt Brooks eine lange und erfolgreiche Karriere.

4. Norris Cole (Miami Heat): 11.7 Pts, 3.2 Ast, 1.5 Stl, 51% FG
Der Heat-Rookie startete seine Pro-Laufbahn mit einem lauten Knall und 20 Punkten in seiner zweiten Partie (gegen Boston). Mit drei All-Stars in der Lineup und dem ständigen Druck der medialen Dauerpräsenz scheint der 28. Pick ebenso wenig Probleme zu haben wie damit, von der Bank zu kommen. Qualitativ hat der Rookie schon jetzt den etatmässigen Starter Mario Chalmers übertrumpft. Dank seiner Duracell-Defensive und seiner Treffsicherheit könnte Cole zu einer weitaus verlässlicheren vierten/fünften Option bei einem Championship-Aspiranten werden, als es Chalmers je könnte. Und das als Rookie, den nur die wenigsten Kenner auf dem Radarschirm hatten.

5. Brandon Knight (Detroit Pistons): 11.2 Pts, 3 Ast, 1.6 Dreier
Die Personalsituation in Detroit ist zwar angespannt, aber trotz vieler Guards, die sich um Minuten streiten, beginnt der Nummer 8 Pick nach und nach, sich in den Vordergrund und auf Coach Frank's Notizzettel zu spielen. Knight's Auftritt gegen den Nummer 1 Pick Kyrie Irving war sensationell gut (23 Pts, 6 Ast), und wenngleich seine Statistiken einem nicht gleich die Augenbälle aus dem Schädel springen lassen, fällt sein Talent schnell auf, wenn man ihn spielen sieht. Vor allem defensiv, wo Knight schon jetzt der beste Backcourt-Verteidiger der Pistons ist.

6. Markieff Morris (Phoenix Suns): 9.4 Pts, 5.4 Reb, 58% FG
Obwohl es kein Spass machen kann, in diesen Tagen Suns-Fan zu sein, gibt wenigstens der Rookie-Forward Grund zum Optimismus auf. Morris präsentierte sich in den bisherigen Partien als Phoenix' verlässlichste Frontcourt-Option (bester PER-Wert im gesamten Team). Zwar bleibt sein Rebounding für einen Big Man suspekt, aber seine effizienten Offensivskills und offensichtliche Scorer-Mentalität sind vielversprechend. Morris kann sowohl im Post seinen eigenen Wurf kreiieren, als auch von weit draussen den freien Jumper setzen (1.2 Dreier pro Spiel). Die Suns könnten hier etwas Gutes gefunden haben.

7. Tristan Thompson (Cleveland Cavs): 8.3 Pts, 1.8 Blk, 64% FG
Der Nummer 4 Pick, der während der Preseason noch grosse Schwierigkeiten mit dem Spieltempo in der NBA hatte, scheint sich recht schnell akklimatisiert zu haben. Im Schatte seines berühmten Rookie- und Teamkollegen Kyrie Irving hat sich Thompson als dezente Center-Option etabliert. Was ihm an Offensivfähigkeiten fehlt, macht der lange Frischling durch Aktivität unter den Körben und gutes Defensivspiel (knapp 2 Blocks pro Spiel) wett. Thompson wird nie ein Star, aber vielleicht der difference-maker in der D, den man in Cleveland erwartet.

8. Kemba Walker (Charlotte Bobcats): 11.5 Pts, 3.5 Ast, 0.8 Stl
Walker hat mit den erwarteten Problemen eines Rookie-Guards zu kämpfen: Unkonstanz, Ballverluste, mickrige Trefferquote. Die Tatsache, dass der winzige Nummer 9 Pick trotz seiner Fehlerquote und Ersatzrolle trotzdem zweistellig punktet, belegt seinen lupenreinen Scorer-Instinkt und sein grosses Herz. Trotz aller Probleme bleibt Walker ein Point Guard im Geiste, der im Laufe der Saison immer besser werden sollte. Er kann wenig dafür, dass die talentlosen Bobcats ein absoluter Misthaufen sind. Charlotte geht ohne ihn nirgendwo hin.

9. Derrick Williams (Minnesota T'wolves): 7.4 Pts, 4.6 Reb, 52% FG
Das Biest scheint gezähmt. Vorerst zumindest. Man sollte sich von Williams' mangelnden Einsatzmöglichkeiten in Minnesota (nur 18 Min. pro Abend) aber nicht abschrecken lassen. Die Skills sind echt, auch wenn davon bisher nur ansatzweise etwas durchblitzte. Auf 36 Minuten hochgerechnet kommt der Nummer 2 Pick auf knapp 15 Punkte, 9.2 Rebounds, 2 Steals und 1.2 Dreier im Schnitt. Dumm für ihn, dass Love und Beasley derzeit alle Frontcourt Minuten bunkern. Solange für Williams nur die PT-Krumen übrig bleiben, wird er aus sich dem 'Rookie Check' Keller nicht heraus spielen können.

10. Greg Stiemsma (Boston Celtics): 5.3 Pts, 4.3 Reb, 3 Blk
Wer? Stiesma? Stiemsa? Noch nie gehört. Kein Wunder. Der Riese wirkt nicht mal wie ein Rookie. Ob das an seinen 2,12m liegt oder an der Tatsache, dass ein weisser, 26-jähriger Basketballer bei einem Grossvater-Team wie den Celtics nicht sonderlich auffällt, sei dahin gestellt. Fakt ist aber, dass der ungedraftete Center im letzten Jahr Verteidigungsspieler des Jahres in der NBDL war. Seine 4.3 Rebounds und 3 Blocks in nur 17 Minuten pro Spiel kommen für Boston wie gerufen, genau wie seine Lumberjack-Härte unterm Brett. Stiemsma lief am Montag von Beginn an auf und legte 13/7 mit 2 Blocks auf. Allemal effektiver als die Mumie Jermaine O'Neal.


Zum Vergessen:
Enes Kanter (Utah Jazz, 3. Pick): 4.8 Pts, 36% FG
Jan Vesely (Washington Wizards, 6. Pick): verletztBismack Biyombo (Charlotte Bobcats, 7. Pick): 2.5 Pts, 3.5 Reb
Klay Thompson (Golden State Warriors, 11. Pick): 3.6 Pts, 1.2 Ast, 30% FGAlec Burks (Utah Jazz, 12. Pick): 6.0 Pts, 1.0 Reb
Marcus Morris (Houston Rockets, 14. Pick): 1.7 Pts, 0.7 Reb, 20% FG