11 Januar 2012




- Wizards empfangen die Raptors. Eigentlich so interessant wie schimmelnder Käse, wenn da nur nicht Washington's Jagd nach dem Negativ-Rekord wäre. Der Power Rankings Eintrag lautete: "Wann holen die Wizards ihren ersten Saisonsieg? Die günstigste Januar-Chance bietet sich heute gegen Toronto." Ich habe das Gefühl, dass es heute hinhaut für die Zauberer.

- Die Quoten für einen Wizards-Sieg sind gerade in den Himmel geschossen, nachdem die Starting Lineups bekannt wurden: Andray Blatche sitzt auf der Bank, Trevor Booker startet auf der Vier.

- Interessante Frage für Wizards-Fans: ist es langfristig besser, Youngstern wie Booker und Vesely so viel Einsatzzeit wie möglich einzuräumen, oder lieber fette, faule Veteranen auf dem Platz vor sich hin vegetieren zu lassen, um die eigenen Chancen auf den 1. Pick im Draft zu erhöhen?

- Die Philadelphia 76ers etablieren sich immer mehr als ernst zu nehmendes Basketballteam. Nicht im 'Championship-Contender' Sinn, eher einem puristischen Verständnis von Basketball folgend. Kein Herumstehen, alle Spieler sind ständig in Bewegung, es wird gecuttet und gepasst, was die Pille hergibt. Schwarm-Bildung und Helpside-Defense hinten sind eine Augenweide. Die Top-Rankings in Offense und Defense (jeweils NBA-Platz 1) sind definitiv kein Zufallsprodukt.

- Dallas darf heute Detroit auseinander nehmen, quasi als Belohung dafür, dass die NBA es während der hektischen Preseason verpasst hatte, für die Mavs ein Spiel in Washington anzusetzen. Der Besuch beim Präsidenten Barack Obama war dennoch ein Highlight für Nowitzki & co.

- Joakim Noah ist irre, und ein irre guter Verteidiger obendrein. Locke scheint bis in die Spitzen seines gelockten Haares motiviert, es dem selbst ernannten "besten Power Forward der Liga" zu zeigen. Kevin Love startet, offensichtlich beeindruckt, mit 0-5 aus dem Feld.

- Jan Vesely schon mit seinem 5. Steal in nur 11 Spielminuten. Die Vergleiche (nicht nur optisch) mit einem jüngeren Andrei Kirilenko machen Sinn. Vesely wirkt zwar oft noch planlos, aber hat einen Nonstop-Antrieb und gute Defensiv-Instinkte. Damit kann man arbeiten.

- John Wall hat im Vergleich zu 2010/11 ungefähr drei Entwicklungsstufen übersprungen - rückwärts. Off-balance Sprungwürfe, Offensivfouls bei 3-1 Fastbreaks, Ballverluste beim Dribbling? #wtf

- Schrittfehler...

- Washington und Toronto liefern sich ein Korbleger-Verleg-Duell. Toronto führt.

- Elton Brand führt Demarcus Cousins hier im Dritten nach allen Regeln der Kunst vor. Der Kings-Big kassiert gerade sein 5. Foul. Brand versenkt wie beim morgendlichen Shootaround einen Jumpshot nach dem anderen.

- Ein Andray Blatche Pass. Die Hölle friert zu.

- James Harden's Fähigkeit, sich ganz eng um Screens und stehende Spieler herumzuwinden, ist atemberaubend gut. Erinnert stark an Manu Ginobili's Drives zum Korb. Mit dem zufälligen Euro-Step garniert ein nach wie vor unaufhaltsamer Move.

- Ricky Rubio, viel besser als angepriesen. Irgendwann, irgendwo wartet auch auf ihn die Rookie-Mauer, aber bisher zeigt sich der Spanier absolut unbeeindruckt von dem ganzen Hype und den athletischeren Guards wie Westbrook und Rose. Seine angeblichen Schwächen sind nicht wirklich welche. Und Minnesota ist mit ihm auf der Eins ein völlig anderes, besseres Team.

- Washington gewinnt in der Tat sein 1. Saisonspiel, 93-78. Alle 250 Zuschauer im Verizon Center spendieren stehende Ovationen für eine inspirierende Leistung. Im Ernst: phasenweise im zweiten und dritten Viertel spielten die Wizards sogar wie ein richtiges Team. Man soll den Tag nicht vor dem Ende der Saison loben, aber mit solchen Leistungen (und Blatche auf der Bank) sind 7 weitere Siege durchaus drin. Der ganze Smacktalk der letzten Tage hat offensichtlich gewirkt.

- 57-Wolves Punkte in den letzten 24 Minuten. Rubio war an 45 davon entweder direkt oder indirekt als Assistgeber beteiligt #impact

- Charlotte und Houston quälen Beobachter der Partie (alle 10 davon) mit kombinierter 36% Trefferquote. Highlight aus Bobcats-Sicht mal wieder: Byron 'Bad Porn' Mullens, der schon sein 7. zweistelliges Scoring-Spiel abliefert (bei mageren 19 Min. pro Abend). Ein Keeper-Typ für die Bobcats, der eindeutig mehr PT verdient hat

- Russell Westbrook, der im letzten Spiel gegen Memphis noch alle 13 Wurfversuche versemmelte, steht bei 7 von 8 aus dem Feld und 18 Punkten. OKC führt zur Halbzeit 54-52.

- Philly schlachtet die Kings, 112-85. Schon der 6. in Folge für die Sixers, die in der Atlantic Division unangetastet führen. Must-see TV morgen aus dem MSG: Philadelphia @ New York.

- Derrick Rose malträtiert Luke Ridnour wie einen alten Boxsack. Timberwolves-Formation zu Beginn der 2. HZ: Ridnour-Rubio-Randolph-Love-Tolliver.

- Tim Duncan verfehlt einen Bank-Shot und beweist: er ist kein Roboter. Nicht von der mangelnden Mimik verwirren lassen.

- Schrittfehler...

- Andrew Bogut's Präsenz und Bedeutung für Milwaukee macht sich hier im Q2 eindeutig bemerkbar, vor allem nach den verpassten letzten Partien. Der Australier verankert die Zone, pflückt einen Rebound nach dem anderen, das gesamte Bucks-Spiel wirkt viel geordneter und effizienter. Definitiv Playoff-Material.

- Noch eine Rubio-Statistik zum Schluss: beim 111-100 Sieg der Bulls sammelt der Spanier 12 Stocktons ein. Es war bereits sein viertes 10+ Assist-Spiel von der Bank.

- Spiel des Tages: LA Clippers bei den Portland Trail Blazers. Der Rose Garden bleibt nach wie vor eine der energischsten Arenen der NBA. Heimvorteil pur. Letzter Clippers-Sieg in Oregon: Dezember 2008 (mit Zach Randolph und Baron Davis).

- Der Blazers-Express rollt nach nur 2 Minuten. Der open court Speed von Raymond Felton ist faszinierend, ebenso wie sein Zusammenspiel mit ex-Bobcats Teamkollege Gerald Wallace.

- Thunder gewinnen in Memphis 100-95 dank eines brillant aufgelegten Russell Westbrook (30 Pts, 12-20 FG). Zweiter OKC-Sieg im zweiten Spiel gegen die Grizz und 9. insgesamt für das Donnergrollen aus der Prärie.

- Stephen Jackson, unstoppable. Der NBA-Champion ('03) führt sein altes Team San Antonio mit 34 Punkten und 8 Assists vor und Milwaukee zum 106-103 Comeback Sieg gegen die Spurs. So ähnlich hatte man sich das mit S-Jax in der Bierstadt wohl vorgestellt.

- Mo Williams drillt seinen dritten Jumpshot in knapp 90 Sekunden, LA übernimmt nach 13-4 Run zum Ende des ersten Viertels eine 26-24 Führung. Ich werde das Gefühl nicht los, dass man Mo für eventuelle Tradepartner zur Schau stellen will. Vielleicht ist's aber auch nur Wunschdenken.

- Schrittfehler...

- Dwyane Wade steht nach drei verpassten Begegnungen wieder in der Heat-Anfangsformation. Miese Nachricht für Golden State. Nicht, dass es ohne Wade einen grossen Unterschied gemacht hätte.

- Da blinkt man kurz, und Kobe Bryant erzielt 13 von 15 Lakers-Punkten in ca. 3 Minuten. Aus einem 10-19 Rückstand im Alleingang eine 25-19 Führung gemacht. Keine Bänder im Wurfhand-Gelenk, kein grosses Problem.

- Teuerster NBA-Sophomore aller Zeiten: Wesley Matthews in 2010/11 (9 Mio $).

- Wade mit neuem Guiness Buch Weltrekord für die meisten Standfuss-Veränderungen bei Sternschritt-Ausführung (15) in der Geschichte des Spiels.

- Hätte nie gedacht, dass ich das je wieder so aufschreiben würde, aber: Luke Walton macht ein gutes Spiel für die Lakers. Lest das nochmal...

- Brechungsabweichung der Saison: ganz klar Utah's 6-3 Start. Der Fontcourt mit Paul Millsap und Al Jefferson (und Derrick Favors von der Bank) ist beeindruckend. Heute beim Heimsieg gegen Cleveland zusammen 63 Punkte bei 27-33 (!) aus dem Feld. Besser kann eine Big Man Rotation nicht spielen. Solange das Jazz-Spiel primär über Millsap läuft und Jefferson den Sidekick gibt (flüssigeres Ball-Movement, mehr Möglichkeiten für die Offensive), sehe ich keinen Grund, warum die Jazzer nicht im Playoff-Rennen bleiben können.

- Seltsame Angelegenheit in Portland: obwohl die Blazers das gesamte Spiel dominieren (52% FG, nur 6 TO), bleiben die Clippers immer in direkter Schlagweite. Caron Butler verkürzt gerade auf 76-71 kurz vor Ende des Q3.

- Wenn ich einen Spieler in mein Team wählen könnte, der keinen einzigen Ball bekommt, und mir trotzdem auf so viele Arten und Weisen Sieg-Chancen beschert, dann würde ich Reggie Evans wählen. Die Definition des harten, uneigennützigen Arbeiters, ohne Rücksicht auf Verluste. Er will den Ball nicht mal, er geht ihn sich einfach holen.

- Die Zebras sind so unendlich überfordert in diesen ersten NBA-Wochen. Schon mal ein Offensiv-Foul beim Sprungwurf gesehen? Ich gerade schon...

- Beweis Nr. 1238 für Vinny Del Negro's Inkompetenz (und dafür, dass mit dem miesesten Strategen aller Zeiten spätestens in der 2. Playoff-Runde Schluss ist): Billups verkürzt 26 Sekunden vor dem Ende auf 100-97. Genug Zeit, um hinten nicht foulen zu müssen und vorne mit der Chance auf den Ausgleich einzunetzen. Wichtigste Grundregel als Coach: vertraue deinen Spielern! Was macht Del Negro? Lässt sofort foulen. Matthews trifft beide Freiwürfe. Game over! Ich wiederhole es gern wie ein buddhistisches Mantra: Del Negro. Del Negro. Del Negro...

- "Hate Phoenix?" - Wer glaubt, dass Kobe Bryant kein nachtragender Mensch ist, der sollte sich vor Augen führen, was die schwarze Mamba in den letzten Jahren mit den Suns angestellt hat, die ihn '06 und '07 hochkant aus den Playoffs fegten. Der Lakers-Guard erzielt beim 99-83 Heimsieg der Lakers 48 Punkte (18-31 FG). Es war bereits das 108. Karriere-Spiel, in dem Bryant mindestens 40 einnetzte. Noch erstaunlicher: nur wenige Basketballer haben uns jemals beim Anblick solcher Zahlen so gleichgültig mit den Schultern zucken lassen wie Kobe. Es ist fast so, als würde man das von ihm erwarten - auch ohne funktionstüchtige Bänder in der Wurfhand und Gelenken dick wie Zuckermelonen.

- Die Legende lebt: Lebron James ohne eigenen Wurfversuch im letzten Viertel. Miami verspielt in Golden State eigene 17-Punkte Führung. Overtime.

- Lebron James mit nur zwei Wurfversuchen in der Verlängerung. Golden State gewinnt 111-106 dank Dorrell Wright's Hass auf die Heat (16 Dreier in seinen drei Karriere-Spielen gegen Miami, davon 6 heute Abend nach bisher mickrigen 5 in der gesamten Saison) und Nate Robinson's energiegeladenem Monsterspiel (24 Punkte, 14-14 FT, 5 Assists, 4 Steals).

- Späte Spiele in der Bay Area, wenn die Partien eng umkämpft sind und GSW Chancen auf den Sieg hat (also etwa 4-5 pro Saison) gehören seit Menschengedenken zu den grössten Highlights, die die NBA zu bieten hat. Schade, dass das Qualitäts-Kontingent für die Warriors schon fast wieder aufgebraucht ist. Ein perfekter Abschluss für einen perfekten NBA-Abend!

- Schrittfehler Del Negro...