24 Januar 2012




- Und schon wieder beginnt ein NBA-Abend mit den Washington Wizards, die sich in Philadelphia ihre nächste Niederlage abholen werden. Die Wiz sind wie drei Flaschen billiger Fusel, mit dem man sich kurz vor dem Selbstmord in der Badewanne zu betäuben versucht. 48 Minuten Andray Blatche. Sollte man auf jeden Fall mal als Narkosemittel verwenden. Wirkt garantiert.

- Elton Brand, der alte Chevy, tuckert gemütlichen 11 Punkten in den ersten 8 Spielminuten entgegen. Andre Iguodala währenddessen schon mit 8 Assists - mitten im ersten Viertel. Ist ja nicht so, als könnte man seine Defensive adäquat umstellen wenn man Washington ist. Immer schön Platz machen.

- Der Unterschied zwischen den Wizards und jedem anderen Team von Nordamerika bis Tuvalu (mit Ausnahme der Sacramento Kings): Zusammenspiel. Philly hat zur Halbzeit schon mehr als doppelt so viele Assists. Der Ball geht bei den Sixers immer zum Mann mit dem heissesten Händchen. Mehrmals hintereinander. Vorhin Brand, dann Meeks, jetzt Holiday. Perfekter Teamball. Zum Glück läuft Boston-Orlando jetzt an. Danke Wizards, es war mal wieder sehr erbaulich.

- Pig Baby kehrt heute zum ersten Mal als Orlando Magic in den TD Garden zurück. Haben die das vorhin wirklich ernst gemeint mit dem extra Tributvideo für Davis? Tribut wofür?

- Wäre schön, wenn Kevin Garnett die rotunde Diva heute wieder zum Weinen bringt wie damals zu gemeinsamen Celtics-Zeiten. Vielleicht zieht Davis aber auch einfach wieder seine Hosen herunter, so ganz spontan. Apropos Garnett: nach 10 Spielen in Folge ohne einen einzigen Assist verbucht der ehemalige MVP endlich mal wieder eine Vorlage.
- Verdammt, ist KG alt geworden. Die Zeiten in dem Video hier sind längst vorbei. Aber macht keinen Fehler: das grosse Ticket hat den Basketball revolutioniert und für immer mitverändert. Der Boston-Garnett war immer nur ein Schatten seines Timberwolves-Selbst. Angesichts seiner phasenweisen Dominanz in Grün kann jeder, der ihn nie in Minnesota erlebte, nur erahnen, mit was für einem Biest es die Gegner früher zu tun hatten. Am Brett wohlgemerkt, nicht wie heute mit dem J aus 5,80m.




- Und um gleich beim Throwback-Thema zu bleiben: San Antonio hat beschlossen, die Nummer 12 von Bruce Lee Bowen unter die Hallendecke zu hängen. Ein extrem dreckiger Typ, der Verletzungen seiner Gegner nicht nur in Kauf nahm, sondern sein gesamtes Spiel darauf auslegte. Hinten austeilen, vorne in der Ecke stehen und auf den Dreier spekulieren. Mehr hatte der Verteidiger nie drauf. Mit nur einem erkennbaren Basketball-Skill und jeder Menge (unfairer) Härte zu drei Meisterschaften. Tim Duncan sei's gedankt. Ohne 'Mr. Bankshot' würde Bowen heute fragen: "Die Pommes mit Mayo oder Ketchup?"

- Boston kämpft vorne wie hinten viel mehr als der Gast - ein klares Indiz dafür, dass die Magic heute nicht ernsthaft bei der Sache sind. Boston ohne Rajon Rondo, Ray Allen und Mickael Pietrus wohlgemerkt. Eigentlich unentschuldbar, zumal die Celtics unter den Körben leicht verwundbar wären. Aber man merkt auch, dass sich die Veteranen bei den Kobolden nicht einfach damit abfinden wollen, täglich neue Tradegeschichten über sich ergehen lassen zu müssen.

- Ja, Boston liebäugelt mit dem Rebuild. Danny Ainge hat das offen zugegeben, und Teambesitzer Wyc Grousbeck hat seinen Segen bereits erteilt. Aber das heisst nicht, dass die Saison für die Grünen jetzt schon zu Ende ist. Der Start war mies, aber das Team wird sich schon finden und mindestens einen Run hinlegen. Es braucht nicht viel, um im Osten in die Playoffs zu kommen. Ob das allerdings den GM überzeugt, nicht vor dem 15. März die Reissleine zu ziehen, ist eine andere Geschichte.

- Avery Bradley löst als Spielmacher bei mir Juckekzeme aus. Als Verteidiger allerdings ist der Junge höchst beeindruckend. Ich würde sogar bezahlen, um mir ein One-on-One zwischen Bradley und einem Point Guard Eurer Wahl anzusehen - solang der Celtic nur verteidigen darf.

- Vielleicht wirkt er aber auch nur so kompetent, weil sein Gegenüber Jameer Nelson sich anstellt wie ein Kreisliga-Aufbauspieler. Ein Turnover nach dem anderen für Jameer, und schlimmer noch: bis er sich Bradley mal halbwegs entledigt hat, sind nur noch knapp 12 Sekunden auf der Angriffsuhr übrig. Kein Wunder, dass die Magic keinen offenen Wurf finden und genügend Backsteine für ein neues Disney World hier einsammeln.

- Washington liegt im Dritten mit 35 Punkten hinten. Solide Arbeit.

- Ein kurzes Statement zum Gerücht des Tages: New York soll angeblich Amare Stoudemire und Tyson Chandler für Dwight Howard bieten. Erstens: der Trade ist unter Salary-Cap Aspekten nicht realisierbar. Zweitens: die Meldung wurde von ESPN-Sensationsreporter Stephen A. Smith in die Welt gesetzt. Jeder kann mit den im Äther frei herum schwirrenden News natürlich verfahren, wie er möchte. Beim Konsum von Stephen A. Nachrichten rate ich allerdings zu grösster Vorsicht. Es sei denn, ihr lest auch die Bild. Dann findet der Trade natürlich statt. Inklusive Patrick Ewing.

- Wie wichtig war eigentlich Rick Adelman für die schnelle Entwicklung von Ricky Rubio in Minnesota? Der Coaching-Genius gilt nicht umsonst als perfekter Mentor für junge Point Guards, ohne unnötig patriarchalisch zu erziehen, wie etwa Larry Brown. Rubio glänzt weiterhin durch sein Gefühl für's Spiel und die meist richtigen Entscheidungen im Spielaufbau.

- Die Los Angeles Clippers haben nicht vor, Mo Williams zu traden, es sei denn, das Gegenangebot ist verlockend. LAC ist ganz glücklich, mit Paul/Billups/Williams über soviel Erfahrung und Vielseitigkeit auf der Eins zu verfügen. Die Lakers sind zwar an Mo interessiert, haben aber keine interessanten Tradechips anzubieten.

- Da fällt mir ein: wenn Rubio es irgendwie schafft, an Kyrie Irving vorbei zu ziehen und Rookie des Jahres zu werden, dann wäre er bereits der dritte Spieler aus dem Draftjahrgang 2009, dem diese Ehre zuteil würde (Tyreke Evans 2010, Blake Griffin 2011). Gruselbaum!

- Dinge, die ich nicht verstehe: Quantenphysik. Chinesisch. Den 'Glen Davis vs. Brandon Bass' Trade. Als hätte Danny Ainge seinem Magic-Pendant Otis Smith während eines gemeinsamen Abendessens Roofies ins Glas gekippt, ihn danach bis auf die Unterhosen ausgezogen und ihn später dann mit kompromittierenden Fotos aus jener Nacht erpresst. Anders kann ich mir den Trade nicht erklären - zumal Bass sogar billiger als Davis war/ist.

- Und eindeutig besser, ohne jede Frage. Bass mit +22 in 29 Minuten Einsatzzeit gegen sein ehemaliges Team. Motiviert?

- Verletzungen und mehr Verletzungen. Eine Epidemie in dieser Saison. Oh Mann!

- Russell Westbrook mit dem Monsterdunk nach 2 Minuten und 15 Sekunden. Thunder 6, Detroit 2. Habe irgendwie das Gefühl, das Spiel ist damit bereits entschieden.

- Oha, Westbrook während des OKC-Fastbreaks gerade mit einen Magic Johnson Moment. Assist mit links hinter dem Rücken aus vollem Lauf auf einen reinschneidenden Durant. Ein Augenblick, selten wie ein lila Einhorn auf dem Lidl-Parkplatz. Ich bin perplex.




- Milwaukee braucht unbedingt einen Dreier, knapp 20 Sekunden vor Schluss. Scott Skiles beim Designen eines Offensivplays zuzusehen ist ungefähr so, als würde man einen daumenlosen Metzger bei einer offenen Gehirnoperation beobachten. Faszinierend schauderhaft.

- Orlando ist heute so dermassen schlecht drauf, dass sich Magic-Coach Stan van Gundy sogar mit Larry Hughes erniedrigen muss. Nächster van Gundy Move: Selbsteinwechslung als Spielertrainer. Sein Ballhandling wäre auf jeden Fall besser als das von Jameer & co.

- Zur Erinnerung: das ist derselbe Larry Hughes, der 1998 an 8. Stelle direkt vor Dirk Nowitzki und Paul Pierce gezogen wurde und in mehr als 13 NBA-Jahren nur ein einziges mal 82 Partien absolviert hat. Pierce und Dirk haben ihre Meisterschaftsringe. Hughes hatte dafür einen Auftritt in einem Nelly-Musikvideo. Fairer Tausch!

- Ein völlig frustrierter van Gundy nach peinlichen 56 Punkten und der viertschlechtesten Trefferquote (25%) eines Teams seit 1985: "Wir hatten heute nicht einen einzigen Spieler, der gut gespielt hat. Nicht einen einzigen. Da kann man nicht einmal mit dem Finger auf andere zeigen. So etwas habe ich in meiner Karriere noch nie erlebt!"

- Chicago (16-3) und Oklahoma City (14-3) powern weiter von Sieg zu Sieg. Mögliche Finalpaarung 2012?

- Als Krönung des Abends gibt's die kalifornischen Goldkrieger, die es in der Bay jetzt mit den Memphis Grizzlies zu tun bekommen. Memphis hat sich mit zuletzt 6 Siegen in Folge an die Spitze der Southwest Division gespielt. Golden State zeigt in der heimischen Oracle Arena inspirierten und guten Ball mit echtem Heimteamfaktor. Wird 'ne spannende Partie!

- David Lee mit der Todsünde jedes Big Man: schaut die ganze Zeit auf den Ball, weiss genau, er bekommt ihn von Steph Curry auf dem Silbertablett serviert, aber vergisst die Hände zu heben und den Ball zu fangen. Turnover direkt am Brett.

- Das Marc Gasol/Mareese Speights Tandem unter dem Korb sieht für die Grizz durchaus vielversprechend aus. Trotzdem scheint Coach Hollins in den entscheidenden Phasen des Spiels lieber auf seine Small-Ball Lineup zu setzen (Conley-Mayo-Allen-Gay-Gasol). Die Grizzlies sind nach 20-Punkte Rückstand im Dritten wieder in Führung gegangen. Noch 83 Sekunden zu spielen.

- Die Warriors werden mal wieder verpfiffen - in eigener Halle wohlgemerkt. Unglaublich, wie häufig die Dubs in dieser Saison schon knapp verloren haben. Ob durch eigenes Unvermögen oder das Zutun der Refs - irgendwann musst du diese Dinger halt auch mal nach Hause holen. Sonst wird's eine zermürbende Saison in der Bay. Ich bin raus wie Ray Allen in Boston!