05 Januar 2012



Die Memphis Grizzlies wickelten am Mittwoch zwei separate Tauschgeschäfte ab, die als einzelner Drei-Team-Trade über die Bühne gingen. Memphis erhält Mareese Speights von den Philadelphia 76ers und schickt Xavier Henry zu den New Orleans Hornets. Im Gegenzug wechselt je ein Zweitrundenpick (einer aus Memphis, einer aus New Orleans) zu den Sixers.

Memphis versucht schon seit Wochen, einen Tausch für Speights einzufädeln. Der 2,08m grosse Forward/Center war den Verantwortlichen der Grizzlies ins Auge gerückt, die damit ihre eklatanten Ersatzschwächen im Frontcourt beheben wollten. Nach dem Ausfall von Ersatzmann Darrell Arthur (Riss der Achillessehne) intensivierte das Team seine Bemühungen um Speights, und brachte den Deal über die Bühne, als bekannt wurde, dass Zach Randolph's Knieverletzung, die er vor drei Tagen erlitt, potentiell schwerwiegend sein könnte. Die stellte sich heute in der Tat als Teilanriss des Kreuzbandes heraus, was Randolph für knapp 6-8 Wochen ausser Gefecht setzen wird (und Memphis definitiv knapp 5 Plätze im West-Ranking nach unten befördert). Die Akquisition des erst 24-jährigen Speights stellt sich also im Nachhinein als no-brainer heraus.

Speights ist ein höchstens durchschnittlicher NBA-Big, dem es an allen defensiven Instinkten und dem nötigen Basketball-IQ fehlt. Seine prototypischen Power Forward Maße, Rebound- und Offensivskills, gepaart mit dem jungen Alter, machen ihn bei den Grizzlies aber auf Anhieb zum zweitbesten Frontcourt-Spieler nach Marc Gasol. Speights wird über kurz oder lang auf der Vier starten (Cunningham und Davis sind keine Alternativen), und - so die Idealvorstellungen der Grizz - einen Grossteil von Randolph's Statistiken duplizieren. Obwohl Speights in Philadelphia immer hinter den hohen Erwartungen zurück blieb (7.2 Pts, 3.7 Reb in drei NBA-Saisons), sehen seine durchschnittlichen PER36 Werte durchaus vielversprechend aus: 17.7 Punkte, 9 Rebounds, 1.3 Blocks pro Partie. Mit diesen Zahlen könnte man in Memphis sehr gut leben, bis Randolph Ende Februar zurück kehrt.

Um Speights an Land ziehen zu können, schickten die Grizzlies den letztjährigen Nummer 12 Pick, Xavier Henry, nach New Orleans. Die Hornets erhalten einen bisher enttäuschenden Off-Guard, der in seiner Rookie-Saison nie ins Rollen kam. Knieprobleme und unkonstante Einsatzzeit verlangsamten seinen Lernprozess, was sich in miserablen Trefferquoten niederschlug (41% aus dem Feld, 12% von Drei). Für einen Shooter wie Henry katastrophal, Rookie hin oder her. Der ideal gebaute NBA-Zweier (1,98m/100kg) ist aber erst 20 Jahre alt und beeindruckte in seiner einzigen College-Saison mit mehreren Scoring-Rekorden. In der richtigen Situation steht ihm also eine respektable Profikarriere bevor. Im überfüllten Grizzlies-Backcourt waren die Türen für ihn verschlossen. Für ein Team im Neuaufbau, wie es die Hornets sind, ist Henry eine günstige, spekulative Investition, falls der fragile Eric Gordon öfters ausfällt oder nicht im Traum daran denkt, nach der Saison in NO zu verlängern. Wenn Henry, der Ende Januar von einer Fussverletzung genesen sein wird, seine alte Wurfsicherheit wieder erlangen kann, haben die Hornets einen Steal gemacht.

Philadelphia investiert mit den erhaltenen Zweitrundenpicks in die Chance, zukünftig in europäische Talente zu investieren oder vor/während des Drafts ein bischen Handel zu treiben. Für Speights war in der Stadt der brüderlichen Liebe keine mehr übrig geblieben, nachdem er komplett aus der Rotation gefallen war (und in dieser Saison keine Spielminute absolvieren durfte). Es gehört zum professionellen Ton, einem solchen Spieler woanders eine Chance zu geben, wenn man für ihn keine Verwendung mehr hat.


nbachef meint: Vorteil Memphis