21 Februar 2012




Eure Fragen, wie sie letzte Woche in den Posteingängen hier (Email, Twitter, Facebook) landeten. Plus meine Antworten. Der Mailbox-Montag ist hiermit als eigenständige Rubrik etabliert. Konfetti!



J.R. Smith zu meinen Knickerbockers..??? Super Deal oder ist ein Ego-Shooter**hustmelohust* der keine D spielt schon genug???? (Jürgen)

Was wollen die Knicks mit J.R. Smith? Kannst du das mal erklären? Oder fehlen dir da auch die Worte? (Florian)


A: J.R. Smith ist einer der besten Dreierschützen der Liga. Bei seinem Gastspiel in China brach er gleich mehrere Ligarekorde, traf in einem Spiel sogar 14 von 18 langen Bomben. Tatsächlich haben in den letzten 5 Jahren nur Ray Allen, Rashard Lewis, Jason Richardson und Danny Granger mehr Dreier als der launisch-elektrische Tattoo-Sniper getroffen. Die Knicks rangieren "von draussen" weit abgeschlagen auf Platz 26, haben also dringenden Bedarf nach Outside Shooting. Je mehr Waffen einem Penetration-PG wie Jeremy Lin zur Verfügung stehen, desto gefährlicher wird im Prinzip der Knicks-Angriff. Bei dem Schnäppchenpreis (Smith kam für die 2.5 Mio. $ 'Room Exception') ein absoluter no-brainer Move des Managements.


Smith zu den Knicks. Werden sie jetzt das offensvispotenteste und defensiv schwächste Playoffteam der Liga? (Johnny)

A: Ist schon witzig, wie uns das Gehirn manchmal Streiche spielt. Im Allgemeinen werden die Knicks für ein Offensivmonstrum gehalten, das hinten nicht einmal eine kurzsichtige Oma am Korberfolg hindern könnte. Die Realität sieht ganz anders aus: New York hat die 8.-beste Defensive der Liga (Def. Eff. 97.5) - noch vor Teams wie den LA Lakers oder Oklahoma City. Das Problem lag bisher in der Offensive (Platz 24) - zu viele Ballverluste, schlechte Würfe, miese Quoten. Lin hat den Angriff in den letzten beiden Wochen revitalisiert. Es fehlte - wie bereits Anfang des Jahres erklärt - einfach ein Point Guard, der das Chaos in diesem System ordnet. Schaffen es die Knicks nach der All-Star Pause, die vielen neuen Puzzleteile zu einem Bild zusammen zu setzen, müssen sich die anderen Teams im Osten definitiv vorsehen.


Timberwolves! Dieses Jahr schon Playoffs wird sehr schwer - aber in paar Jahren? Wie schauts aus? (Philipp)

A: Vielleicht schon dieses Jahr, warum nicht? Der Westen ist weit offen. Es wird eines der wildesten Rennen um die Postseason-Plätze, das wir je erleben durften. Nur 5 Siege trennen im Moment den 3. vom 11. Platz - die Standings ändern sich täglich. Solange die Wolves also in der Nähe von .500 bleiben und im April einen guten Run hinlegen, ist alles möglich. Ich denke, die Playoffs kommen aber noch ein Jahr zu früh. Unabhängig davon, ob man es schafft, kann man die Saison in Minnesota aber schon jetzt als vollen Erfolg verbuchen. Adelman ist der perfekte Coach, und Love/Rubio ein Tandem für die Zukunft. Mit zunehmender Erfahrung steigen in den nächsten Jahren die Chancen auf einen Top-8 Platz. Sich zurück lehnen und geniessen ist aber nicht. Der Druck nimmt zu, denn Love hat in drei Jahren eine Out-Klausel in seinem Vertrag.


Was ist eigentlich an dem Trade-Gerücht zwischen den T-Wolves und den Lakers dran? Gasol gegen Derrick Williams und Draft Picks? (Chris)

A: Lakers-Gerüchte gibt's zur Zeit ja häufiger als Ron Artest Gehirnfürze. Kobe Bryant und Manager Mitch Kupchak lieferten sich über's Wochenende sogar ein kleines Techtelmechtel über die Presse. Kupchak betonte heute, dass er weiterhin alle Trade-Möglichkeiten durchforstet. Gasol für Derrick Williams ist aber eine dicke, faule Ente. Das funktioniert allein schon aus Kostengründen nicht (Pau verdient 18.7 Mio $, der Rookie 4.6 Mio $), geschweige denn aus spielerischer Sicht. Wo wir aber schon beim Lakers/Wolves Thema sind: Michael Beasley passt gemütlich in die Lamar Odom Trade Exception (8.9 Mio $) hinein - das wäre mal ein Deal, der für beide Seiten Sinn macht. Minnesota will 'Beas' unbedingt loswerden, egal wie. Und LA braucht dringend einen produktiven Flügelspieler.


Die Perspektive der Hornets in den nächsten 2 Jahren? (Felix)

A: Die Hornets sind ein Fall für sich. Einer, der mir gehörig auf den Magen schlägt, seitdem die Liga das operative Geschäft des Vereins übernommen hat. Die wirtschaftlichen Interessen haben Vorrang und stehen den sportlichen diametral gegenüber. Solange also nicht geklärt ist, wer den Verein kauft, wer da eigentlich das Sagen hat, und ob man den Standort New Orleans überhaupt halten kann, gibt es kein Vorwärtskommen. Über den langzeitverletzten Franchise-Spieler Eric Gordon sickern keine Infos nach draussen - vielleicht spielt er nie wieder für die Hornets. Es wird mit Sicherheit ein prominenter College-Spieler via NBA-Draft kommen. Der wird aber auch nicht verhindern können, dass NO weiterhin eine Niederlage nach der anderen kassiert - auch in den kommenden Jahren. Ich persönlich würde folgendes Szenario bevorzugen: die Hornets verkaufen ihren Namen, Logo und Historie wieder nach Charlotte zurück, wo sie 1988 erfunden wurden. Der Rest des Teams wird von einem Geschäftsmann aus Seattle aufgekauft, der damit in den Nordwesten umzieht und es in 'Sonics' umbenennt. Der Kreis wäre wieder geschlossen. Das wäre definitiv inspirierender als 15 Siege Saisons vor halb leeren Zuschauerrängen in Louisiana.


Sind wir mal ehrlich. Wer ist der beste PG-PG der Liga? Zur Erklärung. PG-PG schließt Scoring als Faktor aus und fokussiert sich auf Defence, Court-View und Ballverteilung. (Marco)

A: Auch wenn du gerne etwas anderes hören würdest: die einzig richtige Antwort ist Chris Paul. Mal ehrlich jetzt.


Will mehr über Boozers Friseur wissen. (Darijo)

A: Ich hab's wirklich probiert. Habe herum telefoniert, mich an Boozer's Fersen geheftet, auf der Suche nach der Antwort, die uns wohl alle brennend interessiert. Nachdem ich in den letzten Tagen aber erst knackende Geräusche in meinem Telefon hörte, ein Auto mit getönten Scheiben mich auf Schritt und Tritt verfolgte und man sogar einen schwarz besprühten Skalp vor meiner Haustür deponierte, wurde mir die ganze Frisur-Sache zu heikel. Ich bin doch nicht lebensmüde...


Nach der Nash/Hill-Ära, verfügt der Suns-Roster über Potential, um ein neues Team aufzubauen? Haben Gortat und Morris genügend Talent, um ein Topteam aufzubauen? (Christian)

A: Nein. Wie ich schon im Free Steve Nash Artikel erwähne, sehe ich die Suns ohne ihren Hall of Fame PG als Gurkentruppe auf Bobcats-Niveau. Gortat ist ein guter NBA-Center, und Morris ein solider Rookie Big Man. Aber keiner von beiden ist das, was man allgemein einen Franchise-Spieler nennt, also jemand, um den herum man ein Team aufbauen möchte. Das Talent-Level hinter Nash ist ganz schwach. Nach ihm kommt also zwangsweise der tiefe, harte Fall. Das ist unausweichlich und ein ungeschriebenes NBA-Gesetz. Warum man also den Rebuild-Zyklus nicht endlich progressiv angeht und in die Zukunft blickt, das wissen wohl nur die Wüstengötter.


Habe heute auf sport1.de gelesen, dass Lebron eine Rückkehr (nach Cleveland) nicht ausschliesst. Glaubst du, dass das möglich ist, also dass Cleveland ihn überhaupt haben will. Und wenn er wirklich unzufrieden ist und die Chemie nicht stimmen sollte glaubst du dass die Heat in Erwägung ziehen würden ihn zu traden? Ist da was dran oder einfach nur ein Artikel dem man keine große Beachtung schenken sollte?

A: Lebron hat einen neuen Image-Berater, der das Decision-Fiasko vergessen machen soll. Seine neuesten Statements sind reines Marketing. Konstruierte Aussagen, am Reisbrett fabriziert. Unecht und einem bestimmten Zweck unterworfen. Sie sollten vor dem Gastspiel der Heat in Cleveland die Fans dort beschwichtigen. Und Lebron wieder mehr in den medialen Fokus rücken. Denn nichts ist für seine Firma LRMR schlimmer, als andere Sportler die Schlagzeilen dominieren zu sehen (Lin-sanity zum Beispiel). Was Miami angeht: die Heat haben ihre letzten 6 Gegner mit Watschen im zweistelligen Bereich abgestraft. Ich habe jedes Spiel gesehen. Die Chemie zwischen Wade und James war nie besser. Kein Grund zur Sorge.


Was meinst du zur Sache mit der Erfahrung? Eigentlich könnte das Western-Conference-Final dieses Jahr doch wieder Mavs-Spurs sein. (Johnny)

Die Spurs mit 9 Siegen in Serie, ist die Altherrentruppe immer noch ein Kandidat für den Western Conference Titel? (Dominik)

A: Könnte, aber Oklahoma City wird da ein ernstes Wörtchen mitzureden haben. Die Spurs sind ein Phänomen, und nur weil sie letztes Jahr gegen besinnungslos gute Grizzlies aus den Playoffs flogen, sollte man sie auf keinen Fall unterschätzen. Ja, sie sind alt. Aber jung gewinnt nicht in den Playoffs, das sollte mittlerweile klar geworden sein. Im Gegensatz zu Boston hat Greg Popovich ein ungemein effektives Rollenspieler-System etabliert, ein Pool an Optionen, aus dem sich Abend für Abend ein anderer Akteur in den Vordergrund spielt. Mal ist es Richard Jefferson, mal Tiago Splitter, mal Kawhi Leonard, dann vielleicht wieder Danny Green. Die Hauptverantwortung lastet schon längst auf den Schultern von Tony Parker, einem All-Star PG, dem französischen Nonstop-Motor des Spurs-Vehikels. Auch ohne Manu Ginobili hat man jetzt 23 von 32 Spielen gewonnen, davon 13-1 im heimischen AT&T Center. Und ähnlich wie bei den Mavericks basiert das Spiel nicht auf Athletik und Individualismus, sondern auf Spielfluss und präziser Exekution minutiös gestalteter Plays. Die Spurs haben kaum Fans ausserhalb von San Antonio. Man sollte aber nicht den Fehler machen, sie als Contender nicht ernst zu nehmen.


Wird Orlando versuchen einen Deal mit Phoenix einzufädeln, um Nash nach Florida zu holen? Könnte Dwight zum Bleiben bewegen...Nash will seinen Vertrag zu Ende spielen, aber wenn er ausläuft stehen die Suns mit leeren Händen da, oder? (Burak)

A: Das Thema hatte ich zwar nur kurz angeschnitten, aber Orlando wäre prädestiniert für einen All-Star PG wie Nash. Zum einen, weil man damit eben Dwight Howard den Entscheidungsball zupasst: "Hey Dwight, wir tun wie gesagt weiterhin alles, um dich hier glücklich zu machen. Wie wär's mit dem besten Assistgeber der Liga? Wie wär's, wenn du bleibst?" Zum anderen, weil dadurch die eigenen Titelchancen steigen. Und alles andere zählt in Orlando nach dem verlorenen Finale 2009 nicht. Ein Nash-Howard-Anderson Nukleus wäre definitiv ein harter Playoff-Brocken. Otis Smith arbeitet hinter den Kulissen wahrscheinlich härter als alle anderen Manager an mindestens einem Deal. Wäre auf jeden Fall ratsam - sein GM-Job hängt davon ab.


Wie wahrscheinlich sind Dwight und D-Will bei den Mavs nächste Saison deiner Meinung nach? (Jann)

A: Hängt alles vom 15. März ab. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass Howard nach dem All-Star Wochenende getradet wird. Und ich glaube nach wie vor, dass New Jersey und die LA Lakers (in dieser Reihenfolge) die besten Karten in der Hand halten. Damit die Mavs im Sommer also zwei All-Star Free Agents auf dem freien Markt abstauben können, müsste (1.) Howard in Orlando bleiben, (2.) Deron Williams in New Jersey bleiben und (3.) in Dallas das komplette Team minus Dirk verkauft, getradet oder entlassen werden. Zu viele Variablen mit zu kleinen Wahrscheinlichkeiten.


Die frage muss ja ein Doofer stellen: Gibt's was neues zum Dwight-Thema? Wer liegt vorne? Vielleicht sogar die Magic wieder im Rennen? (Stefan N.)

A: Die Magic waren nie aus dem Rennen. Hört man sich die Aussagen vom Teambesitzer, dem Manager und sogar Dwight Howard an, dann besteht sogar eine 50/50 Chance, dass der Riese in Orlando langfristig verlängert. Das muss aber nicht viel heissen, denn hört man sich alle D12 Statements an, würde der wohl auch ein Engagement bei den Harlem Globetrotters in Betracht ziehen. Die Lakers, Mavericks, Bulls, Knicks, 76ers, Celtics und Nets hat er alle schon erwähnt. Wenn ich Orlando spielen sehe, wirkt Howard merkwürdig distanziert, obwohl er auf dem Platz immer alles gibt. Ich wäre also milde schockiert, wenn er nach dem 15. März noch in Florida spielt. Ich tippe auf Nets oder Lakers.


Laut Espn könnte Lopez morgen für die Nets sein Saisondebut geben...Was ist dann von ihm und NJ zu erwarten? (Phil)

A: Zunächst einmal nicht sehr viel. Lopez wird nur langsam wieder heran geführt werden, denn seine Bedeutung für die langfristigen Nets-Pläne ist essentiell. Im Endeffekt wird NJ wohl irgendwie versuchen, seinen Center in den nächsten drei Wochen von der besten Seite zu zeigen. Das Fernziel bleibt natürlich: Trade mit Orlando für Dwight Howard. Davon abgesehen - oder falls ein Trade mit den Magic ins Wasser fällt - kommt mit Lopez Inside Scoring, eine Post-Up Präsenz und ein Pick'n Roll Partner für Deron Williams auf den Platz. Die Nets sind nicht so schlecht, wie ihre derzeitige Bilanz impliziert.


Wie siehst du die Zukunft Boguts? Wenn er gesund ist kann er sicherlich als Defensivanker fungieren und ist kurz vor Allstarniveau... Auf der andern Seite ist er andauernd verletzt... Wie soll Milwaukee mit ihm verfahren? (Sebastian)

A: Du hast hier eigentlich schon alles gesagt. Bogut ist gesund definitiv ein Impact Center, nach Dwight Howard vielleicht der beste im Osten. Aber er hat seit seiner Rookie-Saison 2005-06 keine volle Saison mehr bestritten. Auch wenn einige seiner Verletzungen einfach nur Pech waren: der Australier ist kein Eisenmann. Da er von den Bucks in den nächsten drei Jahren aber 39 Millionen Dollarios überwiesen bekommt, gibt es an seinem Franchise-Spieler Status nichts zu rütteln. Milwaukee wird mit seinem Nummer 1 Pick in die Zukunft gehen - hoffentlich eine ohne Scott Skiles, der lebenden Bogut Voodoo-Puppe.


Wie viel haben die "Big Three" in Boston noch im Tank? Wann gibts den Trade von Ainge? (Max)

A: Ich denke, das Verfallsdatum dieser Celtics-Version ist abgelaufen. Wer die Kobolde in den letzten Wochen gesehen hat, erkennt sie kaum wieder. Boston hat bereits zum zweiten Mal in dieser Saison 6 von 7 verloren. Egal, wie man es also drehen und wenden will (und ja, die C's spielen in den Playoffs traditionell ihren besten Basketball): mit dem Titel wird diese grüne Edition nichts zu tun haben. Danny Ainge muss jetzt abschätzen, wie es um die Zukunftschancen eines Rondo-Pierce Nukleus bestellt ist. Die Verträge von Garnett (21), Jesus (10) und O'Neal (6.2) laufen zwar aus, scheinen aber nicht sonderlich viel Interesse zu generieren. Das Meisterschaftsfenster ist zu. Die C's haben ernste Probleme. Ich glaube nicht, dass die in zwei Monaten alle gelöst sind.


Was passiert mit den alternden Lakers ? Wann wird der Umbruch stattfinden? Und denkst du daß Kobe Kareem's Punkterekord brechen wird? (Chris)

A: Mitch Kupchak wird weiterhin alles versuchen, um entweder Dwight Howard, Deron Williams oder Steve Nash nach LA zu lotsen. Wenn Option A nicht funktioniert, kommt die Trade Exception - immerhin 8.9 Millionen Dollar - irgendwie ins Spiel. Upgrades auf der Eins oder Drei sind die grössten Prioritäten. Einen Umbruch wird es solange nicht geben, solange Nummer 24 immer noch professionellen Basketball spielt. Dass das nur in Los Angeles in Frage kommt, hat Bryant bereits klargestellt. Kareem's Rekord ist sicher - es sei denn, Kobe lässt sich bionische Knochenimplantate verpassen und spielt auch noch mit 44. (woher wissen wir eigentlich, dass er das nicht in Deutschland bereits hat machen lassen?)


Das leidige Thema Allen Iverson! Siehst du, falls er ein vorläufiges Downgrade in die D-League akzeptiert, noch ernsthafte Chancen auf ein NBA-Comeback? (Flo)

A: Nein. Iverson wird zwar aufgrund seiner Starpower immer mal wieder mit der NBA in Verbindung gebracht werden, aber er ist schon längst nicht mehr die Antwort in dieser neuen Basketball-Ära. Die 2000er sind vorbei. Seine letzten Stops in Denver, Detroit, Memphis und Istanbul haben das ziemlich klar verdeutlicht. Zeit los zu lassen, Allen.