15 Februar 2012




1. Chicago Bulls (24-7)
Wer denkt, dass ich die Bulls von ihrem Thron stossen kann, wenn das Team von COY-Spitzenkandidat und All-Star Coach Tom Thibodeau bisher 20 seiner 31 Partien auswärts bestreiten musste (14 Siege) und sich trotz mehrerer Wehwehchen von MVP Derrick Rose an der Spitze der Tabelle hält, ist schief gewickelt. Die Disziplin, Defensivstärke und mentale Beschaffenheit der Kühe sucht ihresgleichen. Nur wenn Rose's Rücken nicht schnell wieder gesund wird, fallen die Bulls (eventuell) etwas ab.

2. Miami Heat (23-7)
Ja, die Bank ist nach wie vor unterirdisch, und die Center-Position im Prinzip nicht besetzt. Aber wer braucht diese Dinge in der regulären Saison, wenn Dwyane Wade erfrischt von seiner Verletzungspause zurück kehrt und Lebron James Abend für Abend MVP-Werte auflegt? Solange Chris Bosh in der Offensive aggressiv bleibt und nicht in den "5. Rad am Wagen Modus" zurück fällt, brillieren die grossen Drei mit ihrem Zusammenspiel und sind für den Rest der Liga nicht in den Griff zu kriegen.

3. Oklahoma City Thunder (22-7)
Vielleicht muss Russell Westbrook nicht den etatmässigen Aufbauspieler geben, damit OKC während der regulären Saison weiterhin Siege einsammelt wie Kevin Durant 30-Punkt Spiele. Aber in den Playoffs, wenn das Tempo langsamer wird und jeder Ballbesitz wichtig, kann sich der Thunder die bisherige Assists/Turnover Quote von Westbrook (weniger als 1.0 im Februar) nicht mehr leisten. Auf die Gefahr, mich zu wiederholen: RW bleibt das Zünglein an der Waage. Halbfinal-Exit oder NBA-Titel, es liegt alles in seiner Hand.

4. San Antonio Spurs (21-9)
Nicht nur, dass San Antonio ganz plötzlich 9 Partien in Folge gewonnen hat (die längste Siegesserie der NBA-Saison bisher). Die Defensive - bisher die Achillesferse der Spurs - zeigte sich während des 'Rodeo Trips' stark verbessert und nährt Gedankenspiele, die Greg Popovich's Team einen langen und erfolgreichen Playoff-Run prophezeien. Mit Manu Ginobili zurück in der Lineup und einem besinnungslosen Tony Parker hat der Westen definitiv ein Problem mehr.

5. Los Angeles Clippers (18-9)
Sieht ganz so aus, als könnten die Clippers den Ausfall von Chauncey Billups doch ganz gut kompensieren. Chris Paul würde sogar die Charlotte Bobcats konkurrenzfähig halten, und Kenyon Martin's Impact auf die Ersatzformation darf nicht unterschätzt werden. Schaffen es die Clips, auch noch Free Agent JR Smith nach Los Angeles zu lotsen, geht der Western Conference Titel auf jeden Fall durch LAC. Bis dahin muss sich aber die Defensive, vor allem auf SG und SF, massiv verbessern.

6. Philadelphia 76ers (20-10)
Die meisten Schönwetter-"Fans" glauben noch immer an die Mär vom Starbasketball und vernachlässigen dabei ein echtes Team wie die 76ers. Philly hat immer noch die beste Defensive der Liga, gewann in einem brutalen Spielplan-Abschnitt gegen die besten Teams der Liga 4 von 7 und hält sich trotz eines happigen Februar-Plans hartnäckig unter den besten 5-6 Mannschaften der NBA. Die Sixers sind jung, tief und hoch talentiert. Zeit, sie ernst zu nehmen.

7. Dallas Mavericks (19-11)
Die Mavericks sind back, dank Dirk Nowitzki, dem die Konditionspause sichtlich gut getan hat (23 PPG in den letzten zwei Wochen). Dallas macht's ein bisschen wie letztes Jahr: sie hängen so im Verfolgerfeld herum, ohne sich wirklich aufzudrängen, aber wenn alles klickt, ist das erfahrene und exzellent gecoachte Team von Rick Carlisle ein Monstrum, das in einer Playoff-Serie nur schwer auszuschalten ist. Der Ausfall von Delonte West (Fingerfraktur) tut aber weh.

8. Orlando Magic (19-11)
Das ultimative Auf und Ab Team, die Orlando Magic. Sehen an manchen Abenden wie das dominanteste Team der Liga aus, was (wie gegen Miami) schon mal passieren kann, wenn Dwight innen dominiert und die Dreierschützen von aussen eintüten. Dann sind da noch die anderen Abende, mit 30-Punkt Niederlagen gegen die Hornets und einem unzufriedenen, traurigen D12. Der Besitzer schätzt die Chancen für einen Howard-Trade zur Zeit 50/50 ein. Ich glaube eher an die anderen 50.

9. Los Angeles Lakers (17-12)
Kobe Bryant's direkte Beteiligung an den letzten 7 Lakers-Punkten beim Sieg in Toronto verdeutlicht Fluch und Segen dieser Lakers-Edition. Kobe hält das Team im oberen Mittelmaß, während die Probleme, nicht nur auf Point Guard, sondern auch auf Small Forward (Metta World Peace und Matt Barnes haben ihre Medikamente-Ration abgesetzt) dem Trainerstab über den Kopf wachsen. Das Team ist langsam, offensivschwach und braucht dringend eine Generalüberholung - sofort!

10. Atlanta Hawks (19-11)
Wie die Hawks sich auch ohne den langzeitverletzten Al Horford da oben halten? Sie verstehen gegen die Fussmatten der Liga kein Spass und machen kurzen Prozess (14-1 gegen Sub-.500 Teams). Das Problem: der Spielplan wird in den nächsten Wochen ungleich schwerer als bisher. Jeff Teague muss wieder an seine Frühform anknüpfen, damit die Falken wieder hoch fliegen. Dass Josh Smith bei der All-Star Nominierung wieder übergangen wurde, ist eine Farce.

11. Boston Celtics (15-13)
What a difference a Rondo makes! Nachdem All-Star Paul Pierce die Kobolde in den ersten Wochen fast im Alleingang in Schlagweite hielt, spielen sich die 08er Champs langsam in Form. Rondo Triple Doubles so wie am Sonntag helfen natürlich ungemein. Weitaus verlässlicher aber ist die Celtics-Defensive (Platz 2), die seit Spieltag 2 keine 100 Punkte mehr kassiert hat. Niederlagen gegen Detroit dürfen natürlich nicht passieren.

12. Indiana Pacers (17-12)
Die Pacers wirkten 6 Wochen lang wie ein Aussenseiter-Tip für's Conference Finale. Nach 6 Niederlagen aus den letzten 7 Partien wird es Zeit, die eigenen Ambitionen etwas herunter zu schrauben. Offense (17) und Defense (10) sind nur Mittelmaß, Danny Granger (38% Quote) hat noch immer keinen Wurf gefunden, den er nicht mag, und Roy Hibbert ist im Post auf sich allein gestellt. Platz 5 bis 8 im Osten scheint eher realistisch zu sein.

13. Denver Nuggets (17-13)
Das Leben ohne den verletzten Danilo Gallinari hat die Denver Nuggets auf den harten Boden der Western Conference Realität zurück geholt. Ohne den Gockel sind die Klumpen nur ein gewöhnliches .500 Team, auch weil Arron Afflalo seiner Leistung von letztem Jahr weiter hinterher läuft und die Ersatzbank in letzter Zeit erstaunlich ruhig geblieben ist. Denver muss wohl noch ein paar Wochen warten, um dann mit Wilson Chandler und einem gesunden Gallinari wieder anzugreifen.

14. Houston Rockets (17-13)
Vor den Niederlagen gegen Memphis und Golden State (im offiziellen "Jeremy Lin Loser-Cup") hatten die Rockets 13 von 18 gewonnen. Erstaunlicherweise erhält Kevin Martin kaum noch Spielzeit (nur 20 MPG in den letzten sieben Tagen), dafür spielt sich Abend für Abend ein anderer der vielen Bank-Protagonisten in den Vordergrund. Obwohl Kevin McHale's Rotationen keinem bestimmten Muster folgen, hat er damit Erfolg und muss in der Coach des Jahres Konversation Erwähnung finden.

15. New York Knicks (15-15)
Die Mannschaft der Stunde sind natürlich die New York Knicks. Wachgeküsst von der sensationellen Jeremy Lin Story haben die 'Bockers sieben Spiele in Folge gewonnen und können diese Serie in den nächsten Tagen (Hornets, Nets) sogar noch ausbauen. Dank Lin's Playmaking (9 Assists im Schnitt während des Runs) schnurrt die D'Antoni Offense wie ein Kätzchen. Bleibt nur noch die Frage, ob der Erfolg anhält, wenn Carmelo Anthony nächste Woche in die Lineup zurück kehrt.

16. Portland Trail Blazers (16-14)
Portland braucht nach 4 Niederlagen aus den letzten 6 ein kleines Erfolgserlebnis. Die grössten Probleme der Trail Blazers? Trotz exzellenter Punktedifferenz nur Platz 8 im Westen. Eine katastrophale Bilanz in der Crunchtime (nur 2-9 in Spielen, die mit 5 Punkten oder weniger entschieden werden). Und die Verletzung von All-Star Lamarcus Aldridge, dem einzigen konstanten Scorer in Portland.

17. Memphis Grizzlies (16-14)
Glückwunsch an Marc Gasol für die erste All-Star Teilnahme seiner Karriere. Mit 15 Punkten und 10 Rebounds pro Abend hat sich "der kleine Marc" die Nominierung redlich verdient. Die Probleme der Grizzlies in den letzten Wochen sind aber hausgemacht. Seitdem Zach Randolph (der in einigen Wochen wieder in die Lineup zurück kehrt) ausfiel, sind die Bärchen vermehrt auf das Scoring von OJ Mayo angewiesen, um in Partien drin zu bleiben. Folge: die Bank-Produktivität ist non-existent und kostet Memphis in den Standings.

18. Utah Jazz (14-14)
Der Absturz kam ebenso schnell wie der Erfolg zu Saisonbeginn. Utah hat 8 seiner letzten 12 Partien verloren. Das Guard-Spiel ist das grosse Problem im Mormonenstaat: gegnerische Einser quälen den Jazz Abend für Abend, weil Devin Harris nur noch ein Schatten seiner Selbst ist und Earl Watson nicht länger als 20 Minuten bestehen kann. Vielleicht kann GM Kevin O'Connor einen der gefühlt zwei Hundert Flügelspieler gegen einen potenten Aufbauspieler traden. Nur dann sind die Playoffs drin.

19. Minnesota Timberwolves (14-16)
All die eifrigen 'Ricky Rubio for ROY' Anhänger vernachlässigen einen entscheidenden Aspekt: der Spanier, so spektakulär er auch daher kommen mag mit seinen No-Look Pässen und Steals, hat ganz massive Probleme, den Korb zu treffen. Je besser sich NBA-Defensiven auf ihn einstellen, desto schneller geht seine Quote in den Keller (miese 32% in den letzten 4 Wochen). Dank Nikola Pekovic's Aufstieg zum Double-Double Center bleiben die Wölfe aber zwischendurch in Playoff-Nähe.

20. Golden State Warriors (11-15)
Seitdem Stephen Curry wieder in die Starting Lineup zurück gekehrt ist, haben die Warriors einen kleinen Lauf und 6 von 12 Spielen gewonnen. Curry legt seit der Verletzungspause 17 und 8 bei 51% FG auf und macht das Spiel in Golden State. Die Dubs haben dank Curry, Brandon Rush und Rookie Klay Thompson die beste Dreierquote der Liga (40%) und scheinen so langsam sogar das Defensivmantra von Coach Marc Jackson zu verinnerlichen. "Hands up, Siege up!"

21. Phoenix Suns (12-18)
Was wäre Phoenix nur ohne Steve Nash? Der 38-jährige bleibt Herz, Seele, Körper und Geist des gesamten Suns-Spiels und wurde letzte Woche zurecht zum 9. Mal ins All-Star Team berufen. Der alte Mann trifft in den letzten zwei Wochen astronomische 65% seiner Würfe aus dem Feld und hält das völlig talentlose Team von Alvin Gentry im Alleingang irgendwo knapp unter .500. Free Steve Nash!

22. Milwaukee Bucks (12-17)
Nach zwischenzeitlichem Hoch und einem Brandon Jennings, der sich stark verbessert zeigte, sind sowohl die Bucks (5 von 8 verloren) als auch ihr Point Guard (nur noch 13 PPG, 30% FG) wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt. Mike Dunleavy und Drew Gooden halten die Hirsche zwar im Rennen, aber wenn es Milwaukee nicht schafft, auch gegen die schwächeren Teams der Liga konstant zu gewinnen, ist der Playoff-Zug schneller weg als erwartet.

23. Sacramento Kings (10-19)
Die Kings spielen unter dem neuen Coach Keith Smart respektablen Basketball (8-13) und verblüfften letzten Donnerstag mit dem Heimsieg gegen Oklahoma City. DeMarcus Cousins biestet unter den Körben und hat schon sechs Partien mit 19 Rebounds oder mehr. Die Defensive und das Teamspiel bleiben zwar mies, das reine Talentlevel ist aber ungleich höher als bei den Mannschaften weiter unten.

24. Cleveland Cavaliers (11-16)
Gerade, als die Cavaliers sich als respektabler Playoff-Underdog im Osten etabliert hatten (zuletzt Siege gegen Boston, Dallas und New York), fiel Kyrie Irving mit einer Gehirnerschütterung aus und - viel schlimmer noch - verabschiedete sich Anderson Varejao mit Fraktur des Handgelenks für mehrere Monate. Ohne das Nonstop-Hustle-Spiel von Tingeltangel-Bob haben sich die Playoff-Träume endgültig ausgeträumt.

25. Toronto Raptors (9-22)
Ein paar Lebenszeichen aus T-Dot. Zuerst der Heimsieg gegen die Celtics, dann die Herzensbrecher gegen Los Angeles und New York. Die Tatsache, dass die Dinos ohne den verletzten Andrea Bargnani im Spiel bleiben und kämpfen ist ein direktes on-court Produkt von Coach Dwane Casey. Jose Calderon (20 PPG/11 APG in der letzten Woche) zeigt derzeit perfektes Aufbauspiel, könnte aber demnächst getradet werden.

26. Washington Wizards (7-23)
Ohne das Krebsgeschwür Andray Blatche agieren die Wizards wenigstens ansatzweise wie eine NBA-Mannschaft. Javale McGee entpuppt sich als Scorer (18 PPG in den letzten fünf) und John Wall zeigt unter Randy Wittman, dass er das Spielen nicht verlernt hat (46% Quote seit dem Trainerwechsel). Washington hat 3 seiner letzten 6 Partien gewonnen und klettert in den Rankings langsam nach oben.

27. New Jersey Nets (8-22)
Die Defensive der Nets ist so schlecht, dagegen wirkte sogar die Pistons-O zwei Mal in Folge wie eine All-Star Lineup. Keine andere Mannschaft war in den letzten 20 Jahren im Vergleich zum Liga-Durchschnitt löchriger aufgestellt. Dafür haben die Nets mit All-Star Deron Williams und dem kürzlich genesenen Marshon Brooks wenigstens ein bisschen Scoring-Punch im Team (Platz 15). Und Center Brook Lopez trainiert auch wieder mit...

28. Detroit Pistons (9-22)
Mal was Positives zu den Pistons: vor Kurzem gab's vier Siege in Folge. Davon allerdings keinen gegen Mannschaften mit einer positiven Bilanz. In Detroit läuft nur ganz wenig richtig. Drittschlechteste Offensive der Liga. Drittschlechteste Verteidigung der Liga. Und trotzdem weit über dem Salary-Cap, was zukünftige Moves fast unmöglich macht. Greg Monroe, nächste Saison All-Star, bleibt der einzige Lichtblick in einem Team, das Suizid-Gedanken bestärkt.

29. New Orleans Hornets (6-23)
Vom 7. Playoff-Seed letzte Saison hinab auf die 29. Nur die qualvollen Bobcats verhindern eine noch miesere Platzierung. Es sieht mehr und mehr so aus, als hätte sich die NBA mit dem Chris Paul Trade ein gigantisches Eigentor geschossen. Eric Gordon mutiert zusehends zu Brandon Roy 2.0 und fällt weitere 6 Wochen aus. Eine Rückkehr in dieser Saison ist so gut wie ausgeschlossen. Chris Kaman wurde zurück ins Team bestellt und wird gerade für Tradepartner zur Schau gestellt.

30. Charlotte Bobcats (3-26)
Der letzte Bobcats-Sieg war am 14. Januar. Seither haben die Rotluchse 16 Partien in Folge verloren und dabei nicht ein einziges Mal 100 Punkte erzielt. Der NBA-Rekord für die meisten konsekutiven Niederlagen ohne die 100 zu riechen liegt bei 18. Die längste Niederlagenserie überhaupt liegt bei 26 (Cleveland Cavaliers). Wann schnürt Michael Jordan (48) wieder seine Sneakers?