02 Februar 2012




Philadelphia's erster richtiger Härtetest der Saison. Der mit Abstand schwerste Gegner war bisher Indiana. Dann Orlando. Chicago als bilanzstärkstes Team im Osten boxt definitiv in einer ganz anderen Gewichtskategorie.

Randy Wittman zieht in Washington ganz andere Seiten auf als Flip Saunders. Nick Young daddelt gerade mit dem Ball im Halfcourt herum, verliert ihn prompt. Wittman nickt kurz in Richtung Jordan Crawford auf der Bank. Spielerwechsel. Kein Bullsh*t!

Mieseste Bank der Liga? Orlando, mit Abstand. Die Fans werden zunehmend nervös und buhen ihr Team gnadenlos aus nach einem 20-5 Run der Wizards, die mit 34-30 in Führung gehen. Die Magischen wenig magisch, wie schon in den letzten 7 Partien.

Celtics Play by play Mann Tommy Heinsohn ist der mit Abstand schlechteste seines Fachs. Sportkommentatoren weltweit wenden sich beschämt ab. Seine Argumentation war gerade, dass Paul Pierce seinen Raptors-Gegenspieler unmöglich gefoult haben kann, weil der aus Kanada stammt. Das Traurige: Heinsohn meint so was todernst. Ein weiterer Grund, sich die Celtics immer nur dann anzusehen, wenn sie landesweit übertragen werden.

Lebron James 24. Milwaukee Bucks 23. Erstes Viertel Ende. Was hat Lebron eigentlich gegen Milwaukee? Scheint immer gegen die Hirsche besonders motiviert zu sein, hat sie schon in der Vergangenheit mehrfach erlegt (schon zwei 50+ Spiele in Milwaukee).

Oklahoma City kommt beim Spitzenspiel gegen die Dallas Mavericks (Season Series 1-1) bisher überhaupt nicht zurecht, trifft nur 33% aus dem Feld. Die Mavs dominieren unter den Brettern und versenken unglaubliche 68% ihrer Wurfversuche. Das werden die Pferdchen nicht aufrecht erhalten können. Und schlimmer noch: der Vorsprung beträgt trotz eklatanter Vorteile nur 6 Punkte.

Philadelphia liegt nach drei Vierteln gegen Chicago mit 20 (!) Punkten vorne. Die Sixers sind besser ausbalanciert als Hochseilartisten und nutzen mal wieder ihre starke Bank auf dem Weg zum Sieg. Übrigens: die zweite Garde der 76ers würde wohl mehr Spiele gewinnen als Washington, Charlotte und Detroit zusammen genommen. Wird Zeit, die Sixers ernst zu nehmen!

James, der auf dem besten Weg zu 96 Punkten war, übertreibt es jetzt mit den Alleingängen. Coach Erik Spoelstra wendet sich angewidert ab, nachdem das Riesenbaby beim 3-1 Fastbreak einen Stepback Dreier nimmt - und verfehlt. Milwaukee klettert langsam wieder ins Spiel zurück und freut sich, das Miami den Killerinstinkt eines Plüschhirschen hat.

Wan wird so einer wie Jason Terry eigentlich mal ins All-Star Team nominiert? Nie, schon klar. Aber der JET spielt sich seit jetzt 13 Jahren die Seele aus dem Leib, war immer der zweitbeste Spieler seiner Teams, die zum Teil 60+ Spiele pro Saison gewannen. Verpasste kaum eine Partie (nur 25 von insgesamt 1007 regular season games), und durfte trotzdem nie zum grossen Tanz mit. Es sollte so etwas wie einen Career Achievement All-Star Award geben, einen Reserveplatz, der jedes Jahr an verdiente NBA-Veteranen vergeben wird - wie greise Hollywood-Schauspieler, die auf ihre alten Tage einen Academy Award erhalten. Nur so, aus Respekt!

Um zu verstehen, wie dominant Dwight Howard eigentlich auf seiner Position spielt, muss man sich mal klar machen, was der Berserker Abend für Abend für Zahlen auflegt - und das, obwohl er mental schon vor Wochen ausgecheckt hat. 17 Double-Doubles in 22 Partien, 13 Spiele mit mindestens 15 Rebounds, vier 20/20 Outings. Ohne einen feuchten Dreck zu geben. Und ohne jeglichen Rückhalt durch die Refs, die unter den Körben weniger sehen als Stevie Wonder. Beeindruckend!

Diese Saison sorgt für massive Allergieausschläge am ganzen Körper. Diejenigen, deren NBA-Konsum aus dem zusammenhangslosen Verzehr von Top 10 Highlight Clips besteht, werden das nicht nachvollziehen können. Aber: soviel schlechten Basketball pro Abend gab's bisher noch nie. Nicht einmal in der verkürzten '98/99 Saison. 30-Punkte Blowouts. Teams, denen schon im dritten Viertel die Puste ausgeht. Coaches, die ihre Stars 20 Minuten pro Abend einsetzen. Die Liste ist endlos...

Aber Hey, die NBA liebt Euch! Im Ernst. Dass Ticket-Preise nie höher waren als in dieser Saison, und in keinerlei Relation zum schlechtesten On-Court Produkt aller Zeiten stehen, ist nur ein klitzekleiner Kollateralschaden. Im Schnitt kostet die durchschnittliche Eintrittskarte heuer 48.48 US-Dollar (Premium-Sitze und VIPs ausgeschlossen).

Den besten marketingstrategischen Schachzug leisteten sich die New York Knicks. Die Preise im Madison Square Garden stiegen um durchschnittlich 33%. Denn welcher 'Bockers-Fan zahlt nicht gerne 117 Dollar pro Sitzplatz, um sich deprimierende Heimniederlagen gegen Toronto und Charlotte reinzuziehen? Den Extrapott hat sich MSG-Mussolini James Dolan nach 0 (lies: null) Playoff-Siegen (lies: Partien) in den letzten 10 (lies: zehn) Jahren jedenfalls redlich verdient. Ein Toast auf den Haifisch-Kapitalismus!

Block Party von Serge Ibaka im American Airlines Center. Und alle Mavericks sind eingeladen. Der kongolesische Spanier/spanische Kongolese hat jetzt schon 7. Sein Karrierebestwert liegt bei 8.

Mavs-Coach Jim Carrey hat auf die Art von Party überhaupt keine Lust und will nicht mehr mitspielen. Kickt den Basketball aus Frustration in die Zuschauerränge (und einem Zuschauer direkt an den Kopf), was ein automatisches technisches Foul nach sich zieht. Da es bereits das zweite war, war's das für den Abend.

Steve Nash hat gerade Kevin Johnson (6518) als All-Time Assistleader bei den Phoenix Suns überholt. Hätte das jemand diesem ulkigen kanadischen Weissbrot damals 1996 zugetraut?

Die All-Star Starter 2012 werden am morgigen Donnerstag live bei TNT vor dem Knicks-Bulls Matchup in einer spannenden Zeremonie bekannt gegeben. Um die Anspannung ein wenig zu lösen (Achtung Spoiler Alert): Rose-Wade-Lebron-Anthony-Howard. Paul-Kobe-Durant-Griffin-Bynum. Wie bereits vor Wochen angekündigt...

Wer ist eigentlich dieser hässliche, alte Sack mit Geheimratsecken bis runter in den Nacken, der da für Miami auf dem Platz steht? Ach so, nur Lebron ohne Stirnband.

Dallas trifft nur 3 von 19 aus dem Feld und gerät im dritten Viertel ins Hintertreffen. 5-Punkte Rückstand nach Drei. Schlechte News für die Mavs: der Thunder versteht überhaupt kein Spass, wenn er nach drei Spielabschnitten vorne liegt. OKC's humorfreie Bilanz bisher: 15-1 Siege.

Ibaka macht grad den Standard Double-Double klar: 10 Rebounds, 10 Blocks. Simples, eh? Oklahoma City gewinnt in Dallas deutlich 95-86 und führt jetzt nach Siegen 2-1.

Noch ein letzter Beweis, warum Oklahoma das Team im Westen ist: trotz seiner Jugend steht OKC auswärts bei 9-3 Siegen. Das schwerste, was man in der NBA vollbringen kann, ist auswärts konstant zu gewinnen. Kein Team hat eine bessere Bilanz, weder auf fremdem Parkett, noch insgesamt (17-4).

Nachtrag zum OKC-DAL Game: seit sein Team bei der peinlichen Niederlage in Washington vor knapp zwei Wochen 19 Offensivrebounds verloren gab, krallt sich Kevin Durant 11.1 Rebounds im Schnitt. Der Franchise-Spieler nahm die Pleite damals auf seine Kappe und antwortet - wie immer, still und leise - auf dem Platz. Sein Wachstum in dieser Saison (Quoten, Assists, Defense) ist wieder immens. Ihr dürft KD aber weiterhin als reinen Scorer abtun...

Währenddessen demonstriert Milwaukee einmal mehr, wie man die Heat leichter knacken kann als der Typ hier: mit Dreiern. Keine Mannschaft fängt sich mehr lange Bälle ein als Miami (169, also fast 8 pro Spiel), und nur wenige gestatten eine höhere Trefferquote von draussen (.366, Platz 25).

Brandon Jennings hat den Scouting Report ganz offensichtlich gelesen. 7 Dreier, 31 Punkte. Und schon zum zweiten mal Mann des Spiels gegen Lebron & co. Bucks-Bilanz gegen Miami in dieser Saison: 2-0.

Die mangelnde mentale Stärke der Miami Heat wird immer verblüffender. Absolut verstörend, aber faszinierend zugleich. Ein Erstrundengegner, auf den die Heat sicherlich kein Bock haben: die Milwaukee Bucks. Wahrscheinlichkeit eines Aufeinandertreffens in den Playoffs: geschätzte 80 Prozent.

Erik Spoelstra wiederholt in der Pressenkonferenz nach der Heat-Niederlage mindestens 10 mal den sinngleichen Satz: "der Ball hat sich nicht genug bewegt" und "der Ball blieb stecken." Übersetzung: was willst Du als Coach auch gross machen, wenn die Megastars in Halbzeit zwei ihre Egos wieder auspacken und das Ding im Alleingang nach Hause fahren wollen? Zum Vergleich: die Bucks mit 30 Assists bei 39 Treffern aus dem Feld. Team-Basketball!

Der LA Clippers Wanderzirkus versucht auswärts, zum ersten mal in gefühlten 200 Jahren bei den Utah Jazz zu gewinnen. Bisher 5 Feldtreffer, 5 Dunks, 0 Würfe.

Apropos Alley-Oops, Dunks und dergleichen. Ich lese zunehmend Clippers-kritische Sprüche. Diejenigen, die sich jetzt über das zu spektakuläre Spiel der Clips echauffieren (zu spektakulär - was soll das überhaupt heissen?) sind die selben, die vor der Saison total aus dem Häuschen waren. #heuchler

Michael Jordan hat einmal 69 Punkte in einem Spiel gemacht. Sein Team, die Charlotte Bobcats, haben heute gegen die Portland Trail Blazers nur 68 geschafft. Die Bobcats-Streaks im Detail: 10 in Folge verloren. 16 von 17 verloren. 20 von 23 verloren. Ist die Saison endlich bald vorbei?

Kaum zu glauben: Gordon Hayward kassiert gegen die Clippers das 1. technische Foul seiner Karriere. Basketball überhaupt, also nicht nur NBA, sondern Kindergarten, Grundschule, High School, College und Freiplatz-Action mit eingeschlossen. Was ein Strahlemann!

Die Frustrationen der Gegner, wenn sie glauben, alle Chris Paul Optionen bedacht und defensiv gekontert zu haben, nur um sich dann den CP3-Dreier einzufangen, sind bezaubernd. Paul pflückt die Verteidigung der Jazz auseinander und führt die Clips in unnachahmlicher 4th Quarter Manier zum Auswärtstriumph.

Die letzten vier Siege gegen Memphis, Denver, OKC und Utah (plus frühere Siege gegen die Lakers, Trail Blazers und Heat) haben gezeigt, dass LAC mit CP3 jedes Team in der NBA schlagen kann. Die Playoffs können nicht früh genug anfangen... Ich bin raus wie Rick Carlisle!