07 März 2012


Genau einen Monat ist es her, dass sich Clippers Guard Chauncey Billups im Spiel gegen die Orlando Magic die Achillessehne riss. Diagnose: Saisonende. Ein Desaster für Los Angeles. Das Team hatte zu jenem Zeitpunkt 15 von 22 Partien gewonnen und bereits Dallas, Miami, Oklahoma City und die Lakers geschlagen. Es sah so aus, als würde die einstige Lachnummer der Liga mit dem Pacific Division Titel davon laufen und sich mühelos ins Western Conference Finale spielen können. Die Backcourt-Rotation mit Billups und Chris Paul, plus Mo Williams und Randy Foye von der Bank, war die nominell beste und vielseitigste der gesamten Liga.

Dann verletzte sich der 35-jährige ehemalige Finals-MVP ohne Gegnereinwirkung und riss die Titelhoffnungen der Clippers mit sich in den Abgrund. Billups hatte weder überragende Statistik-Werte noch All-Star würdige Performances auf's Parkett gezaubert. Seine Trefferquoten aus dem Feld (36%) und von jenseits der Dreierlinie (38%) lagen unter seinem Karriereschnitt, die Field Goal Prozentzahl sogar auf dem tiefsten Stand seit 12 Jahren. Gleichzeitig nahm er mit 6.3 pro Spiel die meisten Dreierversuche seiner Profilaufbahn. Hohes Volumen, schlechte Quoten - nicht gerade effizient, und weit abgezogen vom 'Mr. Big Shot' Beinamen, den man ihm vor Jahren verpasst hatte.

Aber die Vorteile mit Billups in der Lineup waren nicht von der Hand zu weisen (und ein weiteres Beispiel dafür, dass blinde Statistikvergleiche in einem dynamischen Mannschaftssport wie Basketball, in der unzählige Elemente des Spiels nicht quantifizierbar sind, oft ihren Sinn und Zweck verfehlen - im Gegensatz zum Baseball beispielsweise, einem reinen Mann gegen Mann Duell). Er war nicht nur der beste Perimeter-Verteidiger des Teams, sondern fungierte als de facto zweiter Point Guard auf dem Platz. Ob an der Seite von Starter Chris Paul, oder zusammen mit Backup Mo Williams, Billups machte das Spiel und half aus, wenn der Angriffsfluss ins Stocken geriet. Seine aggressiven Drives zum Korb - er zählt seit Jahren zu den NBA-Spielern mit den meisten Freiwurfversuchen - war aus zweierlei Gründen für den Erfolg elementar: er eröffnete dadurch unzählige freie Würfe auf der Weakside, wovon Spieler wie Williams oder Caron Butler unheimlich profitierten. Und er brachte die gegnerische Defensive in Bedrängnis, die dadurch früh im Viertel in Foulprobleme geriet und damit automatisch geschwächt wurde. Die vielen einfachen Punkte an der Linie waren Gold wert.

Es ist kein Zufall, dass Williams und Butler seit Billups' unfreiwilligem Abgang stark nachgelassen haben. Williams konnte sich vorher exklusiv auf's Scoren konzentrieren und war im Januar on fire. 53% aus dem Feld und 48% von der Dreierlinie für insgesamt 15.4 Punkte von der Bank war so mit das effektivste, was Reservespieler in der NBA seit langem zu bieten hatten. Im Februar fiel Mo auf 12 PPG bei 35% respektive 31% ab. Ein Beweis dafür, dass er als Spielmacher einen grossen Teil seiner Effektivität einbüsst. Butler's Game hat es sogar noch schlimmer erwischt. Nach 16 PPG im Januar und tonnenweise freien Würfen von der anderen Seite des Parketts waren es in den letzten zwei Wochen nur noch 8 pro Spiel - bei unterirdischen 29% aus dem Feld.

LA's Bilanz seit der Verletzung kommt mit 7-7 Siegen recht schwunglos daher. Mit jeder Niederlage macht sich das Fehlen von Billup's Erfahrung, Coolness und Führungsqualität mehr und mehr bemerkbar. Die Crunchtime war im Februar besonders unerbittlich, die Clippers gaben gleich vier Partien (San Antonio, Dallas, Phoenix, Minnesota) nach hohen Führungen in den letzten Minuten noch aus der Hand. Der frühe Zauber ist verflogen, der Spielplan im März wird brutal (20 Spielen in 31 Tagen post-ASG) und Vinny del Negro ist als Head Coach einfach zu schlecht, um kreative Lineup-Alternativen gestalten zu können. GM Neil Olshey wäre gut beraten, seine nach dem New Orleans Deal wenigen verbliebenen Tradechips (Eric Bledsoe, Randy Foye, zwei Trade Exceptions) allesamt zu mobilisieren, um einen der auf dem Markt verfügbaren Guards (Jamal Crawford, OJ Mayo, Ramon Sessions, Stephen Jackson) zu verpflichten. Nur wenn Los Angeles es irgendwie schafft, Billups' leise, aber effektive Starter-Produktivität der ersten fünf Wochen wieder zu erlangen, ist bei den Schiffchen mehr als die erste Playoff-Runde drin.