22 März 2012


Wisconsin Badgers (4) vs. Syracuse Orangemen (1)

Das Zusammentreffen der Badgers und Orangemen ist allen voran das Duell zweier veschiedener Basketball-Philosophien. Badgers-Coach Bo Ryan hat es gern bedächtig...seeehr bedächtig. Wisconsin spielt eines der langsamsten Tempos im ganzen Land und schafft es, den Gegner dadurch zu zermürben. Der Ball wird meist volle 35 Sekunden lang gedribbelt oder gepasst, das Scoring gerne in den 50er-60er Bereich gedrückt. Hinten spielen die Dachse exklusiv Mann gegen Mann, und das knallhart. Mit 52.9 Gegenpunkten stellen sie die beste Defensive in der Division I. In starkem Kontrast dazu steht die pressende 2-3 Zone von Syracuse's Jim Boeheim, der seine Jungs nonstop zu Fastbreaks ermuntert, um möglichst viele leichte Punkte zu erzielen. Die Defensive ist ebenfalls stark und erlaubt nur 60 Punkte pro Partie, gut für Platz 5. Mit fast 10 Steals im Schnitt zeigen die Orangemen, dass sie den kompletten Court ausgezeichnet abdecken können. Ihre Länge und Athletik sowie das extrem tief besetzte Team kommt ihrem Spielstil zugute.

Die Badgers haben öfters Probleme bei der Ballbewegung und offensichtlich auch im Scoring. Die Spiele werden meist hässlich gewonnen, ganz so wie es Coach Ryan gerne sieht. Von Point Guard Jordan Taylor wird heute viel abhängen. Wenn er die chronischen Penetration-Probleme des Big Ten Teams lösen und selbst im 20 Punkte Bereich scoren kann, steigen die Siegchancen seiner Mannschaft. Zumal Syracuse in den letzten Wochen keinen allzu berauschenden Ball zeigt. Das Defensivrebounding leidet seit dem Ausfall von Star Big Man Fab Melo (aufgrund schlechter Noten nicht zum Turnier zugelassen) noch mehr als zuvor, was unter anderem der 2-3 Zonenaufstellung verschuldet ist. Dadurch kommt der Gegner immer wieder zu leichten Punkten im Nachsetzen. Das könnte den Orangenen heute das Genick brechen. Alles in allem verfügen die aber über weitaus mehr Waffen im Arsenal, um die Defensive der Badgers auszuhebeln. Dion Waiters gilt als sicherer Erstrundenpick, und Kris Joseph führt das Team im Scoring an (13.7 PPG). Obwohl die Gelegenheit für ein Upset günstig erscheint, habe ich in Syracuse's gesunde Mischung aus Half-Court und Uptempo Offense mehr Vertrauen.


Cincinnati Bearcats (6) vs. Ohio State Buckeyes (2)

Das letzte wirklich relevante Aufeinandertreffen zwischen den beiden Mannschaften aus Ohio liegt 50 Jahre zurück. Damals gewannen die Bearcats gegen den In-State Rivalen ihren zweite und bis heute letzte Meisterschaft. OSU hat sich in der letzten Dekade als stärkeres Programm etabliert und greift in diesem Jahr nach dem Titel. Das Team von Thad Matta ist in diesem Duell hoch favorisiert, weil es die stärkeren Einzelspieler hat und mannschaftlich geschlossenen Ball spielt. Der Star der Mannschaft ist Forward Jared Sullinger, ein 2,06m Sophomore, der zur Zeit als NBA-Lotteriepick gehandelt wird. Sullinger ist Topscorer, -rebounder und -shotblocker der Buckeyes und wird sich mit dem besten Verteidiger der 'Cats, Yancy Gates, ein spannendes Duell liefern.

Sullinger ist aber beileibe nicht die einzige Waffe im Arsenal. Auch William Buford gilt als Draft-Pick, und Deshaun Thomas drängt sich mit 24.5 Punkten und 9.5 Rebounds pro Spiel als MVP des bisherigen Turniers auf. Und dann ist da ja noch Aaron Craft, der mit Abstand beste Defensivguard im ganzen Land, der nicht nur nahezu perfekte D spielt (2.4 SPG), sondern auch noch den Angriff leitet und selber scoren kann. Cincinnati wird OSU's Grösse und Ausgeglichenheit nicht viel entgegen zu setzen haben. Zwar schaffte es die neu zusammengestellte 4-Guard Lineup von Coach Mick Cronin, die im Dezember schon verloren geglaubte Saison zu revitalisieren, aber jegliches Upset-Potential hängt zu sehr von einem perfekten Tag aus der Distanz ab. Spieler wie Cashmere Wright, Sean Kilpatrick oder Dion Dixon müssten schon mindestens 10 Dreier versenken, um Ohio State's Top-3 Defensive in Verlegenheit zu bringen. Alles in allem wohl eine klare Sache für einen der grössten Meisterschaftsanwärter 2012.


Louisville Cardinals (4) vs. Michigan State Spartans (1)

Louisville gegen Michigan State. Tom Izzo gegen Rick Pitino. Das Schachduell der beiden Trainerlegenden im Fokus des medialen Blitzlichtgewitters ist eines der Highlights des diesjährigen NCAA Turniers. Louisville hat sich nach einem massiven Durchhänger spät in der Saison gefunden und sich mit 6 Siegen in Folge, inklusive Big East Titel, ausgezeichnet für das Turnier positioniert. Dank Pitino's Markenzeichen - pressen und Tempo machen, so wie er das seinerzeit auch bei den Boston Celtics vergeblich zu lehren versucht hatte - stehen die Chancen auf's Viertelfinale recht gut. Guard Peyton Siva ist einer der schnellsten Aufbauspieler des Landes und für den Erfolg seines Teams hauptverantwortlich. Der gross gewachsene Senegalese Gorgui Deng räumt unter den Brettern auf (8.-bester Shotblocker der Nation) und bringt mit seinen Outletpässen oft die Fastbreaks ins Laufen.

Dem nonstop Speed der Cardinals setzen Izzo und seine Spartans schiere Grösse entgegen. Draymond Green gilt allgemein als vielseitigster Spieler im Turnier (bisher 20 Punkte, 12.5 Rebounds und 8 Assists im Schnitt) und potentieller All-American Kandidat. Sein Spiel sollte man unbedingt genauer verfolgen. Zusammen mit Derrick Nix und Adreian Payne, einem athletischen Forward/Center, kontrolliert Green die Bretter und damit oft das Spiel. Das Trio wird Louisville's Deng von Beginn an massiv unter Druck setzen und versuchen, ihm frühe Fouls anzuhängen. Sollte der dann vorzeitig auf die Bank müssen, ist das für die Krieger schon die halbe Miete. Sie verfügen über eine der besten Halfcourt-Offensiven der NCAA und beherrschen verschiedene Spielstile. Egal also, ob langsames Mühlsteinbasketball oder modernes Up & Down Spiel: dank ihrer Reboundüberlegenheit geben die Spartans meistens das Tempo vor. Wenn MSU die Ruhe bewahrt, steht einem erneuten Einzug ins Elite Eight nichts im Wege.


Florida Gators (7) vs. Marquette Golden Eagles (3)

Beide Teams machten vor dem Start des NCAA Turniers nicht den Eindruck, als würden sie in diesem Jahr allzu weit kommen. Vom Final Four in New Orleans träumten wohl nur die allergrössten Optimisten. Längere Niederlagenserien zum Ende der Saison offenbarten deutliche Schwächen. Sowohl Florida (Siege gegen Virginia und Norfolk State) als auch Marquette (gegen BYU und Murray State erfolgreich) rechnen sich jetzt aber wieder realistische Chancen aus. Die Golden Eagles dominierten über weite Strecken in der Big East Conference und stellten mit 76 Punkten pro Partie eine der potentesten Offensiven der Nation. Das Spiel steht und fällt mit dem explosiven Scoring-Duo Jae Crowder (17.4 PPG) und Darius Johnson-Odom (18.5 PPG). Beide sorgen in der Zone für viel Aufruhr, obwohl keiner von ihnen grösser als 1,98m ist. Auf Senior und Big East Spieler des Jahres Crowder ruhen alle Offensivhoffnungen der Raubvögel, während Johnson-Odom den Topstar der Gators in den Griff bekommen soll.

Bradley Beal gilt allgemein als sicherer Top-10 Pick im kommenden NBA-Draft und kann seine Aktienkurs mit einigen starken Leistungen im nationalen Rampenlicht sogar noch verbessern. Bisher kommt der explosive Freshman auf 14 Punkte und 10 Rebounds pro Tournament-Spiel. Bei den Krokos ist er damit nur zweitbester Scorer hinter Junior-Guard Kenny Boynton (16.1 PPG). Die grosse Stärke der Mannschaft ist der Distanzwurf. Kein anderes Team in der gesamten NCAA erzielte mehr Treffer von draussen (10 pro Abend) als die junge Truppe von Coaching-Legende Billy Donovan. Dank einer zuletzt wieder stark verbesserten Defensive und der Fähigkeit des Gators-Backcourts, durch aktive Hände viele Turnovers zu produzieren, sehe ich Florida am Ende einer wilden, schnellen und eng umkämpften Partie mit dem Überraschungssieg und unter den letzten acht Teams des Turniers. Steht zumindest so in meinem Bracket.