15 März 2012



Nene: Washington Wizards
Ramon Sessions: Los Angeles Lakers
Gerald Wallace: New Jersey Nets
Marcus Camby: Houston Rockets
Javale McGee: Denver Nuggets
Nick Young: Los Angeles Clippers
Stephen Jackson: San Antonio Spurs
Richard Jefferson: Golden State Warriors
Leandro Barbosa: Indiana Pacers
Derek Fisher: Houston Rockets


Dwight Howard hat freiwillig auf sein Opt-Out Recht verzichtet und verlängert damit seinen Vertrag in Orlando automatisch um ein weiteres Jahr. Diesmal hoch offiziell, mit Unterschrift und allem. Er wird also nicht, wie unzählige Male vermutet, im Sommer als Free Agent nach Brooklyn oder zu den Dallas Mavericks wechseln, sondern den eingeschlagenen Weg in Orlando fortsetzen. "Mein Herz, meine Seele und alles was ich habe ist in Orlando. Ich kann das nicht einfach aufgeben. Ich entschuldige mich für den ganzen Zirkus bei den Fans. Es tut mir von Herzen leid." Ich glaube ihm. Das heisst zwar nicht, dass wir in einem Jahr nicht alle wieder Gäste der gleichen Zirkusshow sein werden. Aber angesichts seiner offensichtlichen Loyalität der Franchise gegenüber und dem Plan, eine eigene Geschichte zu schreiben, sollte man sich über einen langfristigen Verbleib von D12 in der 407 Region nicht wundern. Übrigens: Orlando wird im Sommer 2013 erstmals wieder über massenweise Cap Space verfügen. Chris Paul und Josh Smith sind dann ganz zufällig Unrestricted Free Agents. Verbindet die Punkte selbst!

New Jersey muss also Plan B angehen, jetzt da es vorerst im Poker um Dwight Howard einen Rückschlag einstecken musste. Mit Blick auf den bevorstehenden Umzug nach Brooklyn wird eben um Deron Williams herum aufgebaut. Dazu holen die Nets zunächst Small Forward Gerald Wallace, der im Tausch für Mehmet Okur (auslaufender Deal), Shawne Williams und einen geschützten Erstrundenpick aus Portland kommt. Wallace war im Dezember bereits in den geplatzten Nets/Magic D12 Trade involviert und kommt den Tradeplänen der Nets in der Offseason oder im nächsten Februar zugute. Der D12 Traum ist noch nicht ausgeträumt. Bis dahin aber hoffen die Verantwortlichen, D-Will eine zwischenzeitliche Williams/Brooks/Wallace/Humphries/B.Lopez Startformation einigermaßen schmackhaft machen zu können. Seine Bereitschaft, auch ohne Howard nach Brooklyn überzusiedeln, ist zwar dokumentiert. Die Gefahr, ihn im Sommer an Dallas zu verlieren, ist aber real. Der potentielle Verlust des Draft-Picks (nur Top-3 geschützt) wiegt schwer und stellt für die Nets ein weiteres Problem dar.

Für Portland hingegen war ein Wallace-Trade nur eine Frage der Zeit und kein bisschen überraschend. Die Blazers ziehen aus dem Debakel der bisherigen Saison mit immer schlimmeren Niederlagen klare Konsequenzen und misten fleissig aus. Head Coach Nate McMillan wurde heute gefeuert. McMillan hatte jede Glaubwürdigkeit im Team eingebüßt und konnte keinen Spieler mehr erreichen. Das Traineramt übernimmt auf Interimsbasis sein bisheriger Assistent, Kaleb Canales. Der arbeitete als Videokoordinator (wie Heat-Coach Erik Spoelstra) und verfügt über keinerlei Trainererfahrung.

Es ist klar, dass die Blazers die Saison vollständig herschenken und in die Zukunft blicken. Mit zwei hohen Picks (dem eigenen und dem aus New Jersey) ist die Rebuild-Tür weit aufgestossen. Apropos schenken: auch Marcus Camby ist raus in PDX. Der 37-jährige Reboundsspezialist wird für Jonny Flynn, Hasheem Thabeet und einen zukünftigen 2nd Rd. Pick nach Houston abgeschoben. Die Trail Blazers sammeln Anlagegüter in Form von auslaufenden Verträgen und Draftpicks und liebäugeln mit massenweise Cap Space im Sommer - auch, nachdem man Nicolas Batum eine fette Vetragsverlängerung angeboten hat. Flynn und Thabeet sind zwei ehemalige hohe Drafthoffnungen, die bisher völlig enttäuscht und ihre NBA-Chancen wohl schon verspielt haben. Es ging in erster Linie darum, den vergraulten Veteranen Camby aus der Umkleide zu entfernen. Warum man den Hausputz aber nicht konsequent zu Ende gebracht und auch noch Raymond Felton/Jamal Crawford abgestossen hat, bleibt mir ein Rätsel. Beide sind ab dem Sommer wertlos. Houston freut sich über das Geschenk, denn mit 20 Minuten Camby pro Spiel an der Seite von Samuel Dalembert steigen die Rockets-Chancen auf die Playoffs.

Zumal sie neben Camby einen weiteren NBA-Vet hinzu addieren konnten: Derek Fisher. Dass ausgerechnet Fisher, neben Kobe Bryant die aktive Lakers-Institution schlechthin, an einem eher bedächtigen Deadline-Tag das Trikot wechseln muss, war zumindest verblüffend. Sportlich macht der Deal für Houston durchaus Sinn nach dem verletzungsbedingten Ausgall von Kyle Lowry. D-Fish könnte als Backup-PG im Kampf um Playoff-Plätze durchaus wertvoll sein. Vorausgesetzt, die Rox kaufen ihn nicht gleich aus seinem Vertrag (läuft bis 2013) heraus. Würde Fisher zum Free Agent, dürfte er übrigens nicht zu seinem alten Arbeitgeber zurück. Houston erhält zusätzlich einen Erstrundenpick (LA via Dallas) und schickt im Gegenzug Big Man Jordan Hill nach Los Angeles.

Der eigentliche Deal des gerissenen Lakers-GMs Mitch Kupchak findet währenddessen mit Cleveland statt: Ramon Sessions und Christian Eyenga kommen im Tausch für einen Erstrundenpick, Luke Walton und Jason Kapono. LA merzt mit einem Schlag - und ohne dafür einen Preis zu bezahlen - seine grösste Schwäche, das Point Guard Spiel, aus. Sessions ist zwar nicht Chris Paul, aber mit durchschnittlich 10 Punkten und 5 Assists in 24 MPG ein massives Upgrade gegenüber Fisher auf der Eins. Eyenga könnte auf der Forward-Position noch wichtig werden, nachdem er zunächst in die D-League wechseln dürfte. Nicht nur, dass die Lakers endlich ihren Wunsch-PG haben. Sie wurden in dem Deal auch noch ihren schädlichsten Vertrag los. Perfekter kann man einen Trade nicht einfädeln. Luke Walton (knapp 12 Millionen in den nächsten drei Jahren) war zwar teuer, hat aber nie gespielt. Der Preis, den Cleveland für die kurzzeitige Belastung des eigenen gesunden Salary Caps bezahlen musste, war ihnen ein weiterer Erstrundenpick aber wert.

Memphis dealt sich unter die Luxussteuer, tauscht mit den Philadelphia 76ers Ersatz-PF Sam Young gegen die Rechte an Ricky Sanchez (PF/C). Ein weiterer grosser Playoff-Körper für die Sixers, der unterm Strich umsonst zu haben war (Rechte an einem vor Jahren gedrafteten Spieler sind in 99.9% aller Fälle wertlos). Die Grizzlies liebäugeln nach dem Young-Trade mit Gilbert Arenas (Vet. Min., fällt nicht unter die Lux Tax Grenze)

Indiana setzt währenddessen einen Teil seines gigantischen (14 Mio $) zur Verfügung stehenden Cap Space ein und holt Shooting Guard Leandro Barbosa (SG) aus Toronto. Ein Luxusproblem, dass Pacers-Coach Frank Vogel demnächst im Backcourt haben wird, denn obwohl Barbosa kein allzu effizienter Scorer ist, sollte er auf mindestens 20 Minuten pro Spiel kommen und die ohnehin schon tiefe Rotation der Pacers weiter verstärken.

San Antonio haut mich komplett von den Socken und komplettiert einen Deadline-Deal mit den Golden State Warriors: Stephen Jackson kommt im Tausch für Richard Jefferson und einen Erstrundenpick. Jackson war der Preis, den die Warriors für die Verpflichtung von Andrew Bogut zahlen mussten. Es war abzusehen, dass er in ihren Plänen keine Rolle spielen wird. Nun kehrt er nach San Antonio zurück, wo er 2003 einen Titel gewinnen konnte und den ineffektiven Jefferson ersetzt. Man muss davon ausgehen, dass Popovich den eigenwilligen Shooting Guard unbedingt haben wollte. Seine Garstigkeit und absolute Teamdienlichkeit in einem professionellen Umfeld wird den Spurs in den Playoffs gut zu Gesicht stehen.

Den Schlusspunkt, weit nach 20 Uhr MEZ, setzt ein völlig überraschender 3-Team Trade zwischen Denver, Washington und den LA Clippers. Nene, Brian Cook und ein Draft-Pick gehen zu den Wizards, Javale McGee & Ronny Turiaf wechseln zu den Nuggets, die Los Angeles Clippers erhalten Nick Young. Dass LAC nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Chauncey Billups etwas für die geschwächte SG-Position tun musste, war ein offenes Geheimnis. Einen jungen Ego-Scorer wie Young zu präsentieren ist zwar nicht risikolos, aber angesichts des Personals im Team (CP3), seinem auslaufenden Vertrag und dem Spottpreis, den man für ihn bezahlen musste (Brian Cook würde man sogar gegen ein Käsebrot eintauschen), ein schlauer Move von GM Neil Olshey. Die Überraschung ist der de facto Tausch von Nene gegen Javale McGee. Der Brasilianer konnte nach einer starken letzten Saison inklusive lukrativer 65 Millionen Dollar Vertragsverlängerung die hohen Erwartungen als Franchise-Center nicht mehr erfüllen und wurde, spätestens seit seinen ständigen Wehwehchen und der Genese von Rookie-Forward Kenneth Faried, in der Mile High City entbehrlich. McGee ist zwar zum Running Gag für planloses und gehirnbefreites Basketball mutiert, verfügt aber nach wie vor über Tonnen an unerforschtem Potential (nur körperlich), das bisher bei den funktionsgestörten Wizards vor sich hin vegetierte. Und er spielt hart, das muss man ihm zugute halten. Vielleicht können George Karl und die vielen Veteranen in der Nuggets-Umkleide ihn ein wenig umpolen und einen Profi aus ihm machen. Der eigentliche Coup ist für Denver die Fähigkeit, in der nächsten Woche noch Free Agent Wilson Chandler für die Playoffs unter Vertrag zu nehmen, weil wieder Geld unter dem Salary Cap frei wurde.

Mehr Details zu diesem Trade, den Salary Cap Implikationen und anderen Auswirkungen der wichtigen Deals gibt es hier im Laufe des Tages. Bleibt in Verbindung!


Gewinner: Los Angeles Lakers, Orlando Magic, San Antonio Spurs
Verlierer: New Jersey Nets, Portland Trail Blazers, Nene, Dwight Howard