19 März 2012



Der Trade zwischen Los Angeles und Cleveland, der Ramon Sessions und Christian Eyenga im Tausch für einen Erstrundenpick, Luke Walton und den auslaufenden Vertrag von Jason Kapono nach Los Angeles brachte, ist zwar schon knapp vier Tage alt. Die nachträgliche Bewertung des Deals, für die ich mir extra ein paar Spiele Zeit nehmen wollte, möchte ich dennoch kurz nachreichen.

Für Cleveland, um im Vorfeld ganz kurz auf die Situation der Cavaliers einzugehen, war nur der Draft-Pick von wirklichem Interesse. Die Verträge von Jason Kapono (der bereits entlassen wurde) und Christian Eyenga wurden lediglich aus finanziellen Gründen involviert. Luke Walton's massiver 11.5 Millionen Dollar Deal läuft erst im Sommer 2013 ab. Obwohl der Small Forward in den Planungen der Edelmänner absolut keine Rolle spielt, war seine Verpflichtung im Endeffekt der Preis, den sie für einen extra Erstrundenpick berappen mussten. Mit knapp 6 Millionen Dollar zwar nicht billig, aber da das Team von Dan Gilbert cap-mässig exzellent aufgestellt sein wird und ohnehin nicht vorhat, in den wilden Free Agent Jagdmodus zu verfallen, ein offensichtlich verschmerzbarer Gegenwert.

Das spielerische Talent haben ganz klar die Lakers akquiriert. Ramon Sessions ist 25 Jahre alt und spielt seit 2007 in der NBA. Obwohl er schon als Rookie 7.5 Assists pro Partie verteilte, verfiel der 1,91m Guard in den letzten Jahren zusehends in einen Scoring-Modus, der seinem Spiel aber nicht allzu gut tut. In Cleveland brachte es Sessions in dieser Saison als Backup von Kyrie Irving auf 10.5 Punkte und 5.2 Assists in durchschnittlich 24 Minuten Einsatzzeit. Er ist kein allzu sicherer Schütze und verlegt vor allem am Korb eine erschreckend hohe Anzahl von leichten Würfen. Er dominiert den Ball und braucht das Spielgerät in den Händen, um effektiv zu sein. Nichtsdestotrotz ist er bei den Lakers ein definitives Upgrade gegenüber Derek Fisher, der in einem separaten Deal nach Houston verschifft wurde (zusammen mit einem Erstrundenpick im Tausch für Jordan Hill), weil er solide verteidigt, im Pick & Roll seine Stärken hat und gerne den Ball nach vorne treibt. Nicht nur, dass Fisher mittlerweile zu den statistisch ineffizientesten Spielern der Liga zählt. Er hatte beim Ballvortrag oft seine liebe Mühe und verlangsamte die Fähigkeit der Lakers, in ihre offensiven Sets zu finden. Das wird mit Sessions nicht passieren.

Einer der Gründe, warum ich vor einer endgültigen Bewertung erst einige Lakers-Spiele scouten wollte, war Mike Brown. Obwohl viele davon ausgegangen waren, dass Sessions sofort in die Startaufstellung rückt, bremste der Coach die Euphorie und brachte ihn in den ersten beiden Partien von der Bank, hinter Steve Blake. Sessions zeigte in den Partien gegen Minnesota und Utah aber genug, um seinen Impact direkt beurteilen zu können: er kam nach knapp 8 bis 10 Minuten im ersten Viertel auf's Parkett, verankerte zusammen mit Matt Barnes die Ersatzrotation der Lila-Gelben und brachte es in 21 Minuten auf 8.5 Punkte und 5.5 Assists im Schnitt. Er zog das Tempo an und suchte aggressiv den Weg zum Korb (10 Freiwurfversuche gegen Utah. Zum Vergleich: Blake hat in dieser Saison erst 16 insgesamt), wo er entweder selbst abschloss oder für Barnes & co. auflegte. Sessions von der Bank zu bringen gibt den Lakers zwei Dinge: er ist am effektivsten weil er den Ball dominiert (was er in der Startformation aus nachvollziehbaren Gründen nicht kann) und er verleiht der bisher schwächsten Ersatzbank der Liga (nur 20 PPG vor dem Trade) dank seiner Spielmacher-Qualitäten dringend benötigten Scoring-Punch (30+ PPG seit dem Trade). In der Theorie profitieren athletische Spieler wie Matt Barnes und Josh McRoberts von gestiegenen Fastbreak-Möglichkeiten und kommen dank Sessions' Assistrate zu einfachen Punkten. Es ist möglich, dass der Neuzugang in ein paar Wochen in die Startformation rückt oder zumindest in der Crunch-Time Blake auf die Bank verbannt (bisher wurde Sessions knapp 6 Minuten vor dem Ende ausgewechselt). Sein offensichtlicher Einfluss auf Los Angeles' Spiel ist aber schon jetzt erkennbar.

Noch ein kleines Mitch Kupchak Schmankerl zum Schluss: der Lakers-Manager verpflichtete nicht nur den besten Spieler in diesem Deal. Er sparte seinem Verein zusätzlich einen zweistelligen Millionen-Betrag ein. Verbindet man die beiden separaten Trades mit Houston und Cleveland, hat sich Kupchak seiner drei nutzlosesten, weil in Relation zu ihrer Leistung teuersten Spieler entledigt (Fisher, Walton, Kapono). Die Deals sparen den Lakers allein in dieser Saison knapp 2 Millionen Dollar ein, nächstes Jahr sogar 8. Die automatischen Kosten für die zwei getauschten Erstrundenpicks fallen ebenfalls weg. Und weil man in LA schon aus Prinzip Luxussteuern bezahlt, kommt der gleiche Betrag noch mal obendrauf. Sich spielerisch zu verbessern und dabei noch Geld einzusparen - eindeutig die NBA-Manager Königsdisziplin.


nbachef meint: Vorteil Los Angeles