18 März 2012


Der auffälligste Deal der Woche war zweifelsohne der 3-Team-Trade zwischen Denver, Washington und den Los Angeles Clippers. Die Nuggets schickten in einer überraschenden Wendung ihren hochbepreisten Big Man Nene Hilario zu den Wizards und erhielten im Gegenzug Javale McGee und Ronny Turiaf. Um den Deal finanziell stemmen zu können, entluden die Zauberer ausserdem Nick Young und kassierten dafür einen Zweitrundenpick und Brian Cook aus Los Angeles.

Was bewegt die Nuggets, ihren Starting Center nur wenige Monate nach einer äusserst lukrativen 65 Millionen Dollar Vertragsverlängerung zu traden? Wie wär's damit: das Team hatte nie ernsthaft vor, den Brasilianer zu behalten. Denver hatte ihn vor der Saison nur verlängert, weil man ein heiss begehrtes Anlagegut (zweitklassiger NBA-Center) nicht ohne Gegenwert ziehen lassen wollte. Weil Sign & Trades unter dem neuen Collective Bargaining Agreement faktisch nahezu unrealisierbar sind, entschied sich GM Masai Ujiri, ihn zu Marktkonditionen zu verlängern und erst später gewinnbringend abzustossen.

Gesagt, getan. Nene ist nun fast 30 Jahre alt und hat seine besten Tage bereits hinter sich. Sein extrem effizientes Spiel in der letzten Saison (14.5 PPG bei 62% FG) ist auf 13 PPG respektive 51% FG gefallen und verdeutlicht einmal mehr die extra Motivation eines 'contract year'. Sobald die dicken Geldbatzen dann eingefahren sind (bei Nene immerhin 13 Millionen Dollar pro Saison) bleibt der Einsatz und die Bereitschaft, auch durch kleine Wehwehchen hindurch zu powern, auf der Strecke. Denver hat den Brasilianer knapp zehn Jahre lang verfolgt, beobachtet und hautnah miterlebt. Dass der Verein nicht gewillt war, ihn sich fünf weitere Jahre ans Bein zu binden, spricht Bände über seinen Stellenwert innerhalb der Organisation.

Mit dem 24-jährigen Javale McGee erhalten die Nuggets nun einen ebenso talentierten wie mysteriös-schrulligen 2,13m Center. McGee hat sich nach wiederholten mentalen Aussetzern vor allem als athletischer Holzkopf auf Youtube-Dauerschleife einen Namen gemacht. Er galt in Washington stets als uncoachbar und absolut unfähig, elementarste Dinge wie Ausboxen oder Team-Verteidigung zu verstehen. Bei all seinen Defizienzen ist McGee aber trotzdem ein durchaus produktiver, junger Top-10 Center ohne jeglichen Feinschliff, der bei den Blocks (2.5 BPG, Platz 2), Field Goals (54%, Platz 9) und Rebounds (8.8 RPG, Platz 19) unter den Ligaführenden weilt. Wenn es jemand schafft, sein immenses ungenutztes Potential anzuzapfen, dann ist es George Karl. Man darf nicht vergessen, dass Karl aus einem unreifen Shawn Kemp seinerzeit den besten Power Forward der Liga modellierte und dank ihm 1996 nur zwei Siege von der Meisterschaft entfernt war. Der entscheidende Aspekt für Denver was aber der finanzielle. Turiaf kostet in dieser Saison nur 4.4 Millionen (wird aus dem Vertrag heraus gekauft), McGee sogar nur 2.5 Millionen Dollar. McGee wird im Sommer restricted Free Agent, und obwohl sein Gehalt dann in den zweistelligen Bereich klettern dürfte, kommt er zukünftig immer noch billiger daher als Nene. Obwohl ich bisher noch keine offizielle Bestätigung erhalten habe, gehe ich davon aus dass McGee und Turiaf (zusammen 6.8 Millionen) mit der 7 Millionen Dollar Trade Exception aus dem Raymond Felton Trade absorbiert werden und Denver dementsprechend eine gigantische 13 Millionen TPE für Nene erhält. Davon unabhängig bleibt jetzt nach dem Ausradieren von gut 6 Millionen unter dem Cap genug Geld übrig, um Wilson Chandler den gewünschten Mehrjahresvertrag anzubieten. Alles in allem tauschen die Nuggets einen alternden, überbezahlten Nicht All-Star, den sie gar nicht haben wollten gegen einen produktiven, überathletischen Center mit immensem Potential, finanziellen Spielraum für das Chandler-Signing und extra Einsatzzeit für Rookie-Offenbarung Kenneth Faried. Das war smart.

Die Wizards wollten dagegen unbedingt einen Veteranen verpflichten, um die desolate Kindergarten-Kultur beim Hauptstadtverein zu verändern. Nene ist ein alter Hase im Geschäft, ein Vollprofi, der auf Anhieb Seriosität und Glaubwürdigkeit in die Lineup bringt. Obwohl er seinen Zenit wohl schon überschritten hat, bleibt er ein mobiler Allrounder, der in Zukunft den Wizards-Angriff an der Seite von John Wall verankern wird. Nene bringt solide Defensive und exzellente Pick & Roll Skills und avanciert so direkt zum zweitwichtigsten Offensivspieler des Clubs. Den hohen Preis, den man auch für zweitklassige Big Men in der NBA zahlen muss, berappen die Wizards gerne. Die Hauptmotivation lag vor allem darin, die zwei grössten Sorgenkinder McGee und Young ganz schnell loszuwerden. Es überrascht ein wenig, dass Teambesitzer Ted Leonsis seine bei den Washington Capitals so erfolgreiche Langzeitstrategie hier so schnell über Bord geworfen hat und Manager Ernie Grunfeld mal wieder alle Narrenfreiheiten hatte, einem 30-Jährigen das grosse Geld hinterher zu schmeissen. Man scheint sich hier dennoch sicher zu sein, dass man im Sommer, wenn Rashard Lewis aus seinem Vertrag heraus gekauft und Andray Blatche per Almosen-Klausel entlassen wurde, den ein oder anderen Free Agent zu einem Wall-Nene Nukleus locken kann. Da würde ich nicht darauf wetten.

Die LA Clippers profitierten schliesslich von Washington's Ausverkauf und staubten den zumindest talentierten Shooting Guard Nick Young ab, weil die Wizards den Deal ansonsten finanziell nicht hätten stemmen können. Der Preis für Young, der in Los Angeles geboren und aufgewachsen ist, war mit Brian Cook und einem Zweitrundenpick aus dem New Orleans Trade im Prinzip nur symbolischer Natur. Young ist ein explosiver Scorer, der in der aktuellen Saison 16.6 Punkte pro Spiel erzielt, ohne dabei je zu glänzen. Er nimmt oft unmotivierte Würfe, was sich in horrenden Trefferquoten wieder spiegelt (nur 40% FG). Trotz seines offensichtlichen Unvermögens, gute von schlechten Würfen zu unterscheiden, wird er den Clippers dank seiner Reichweite und Athletik weiter helfen. An der Seite von Chris Paul könnte Young schnell zur drittbesten Scoringoption im Team avancieren, schon recht bald auf Shooting Guard starten und von Zeit zu Zeit auch auf die Drei ausweichen. Sein Rookie-Vertrag ist mit 3.7 Millionen Dollar noch sehr günstig, läuft aber im Sommer ohnehin aus. Da er beim Wechsel auf seine Bird-Rechte verzichtet hat, wird er zum unrestricted Free Agent. Für die Clippers bestand hier also keinerlei finanzielles oder sportliches Risiko. Ein opportunistischer kleiner Schachzug, der wieder einmal verdeutlicht, warum Neil Olshey zu den besten neuen Managern im Game gehört.


nbachef meint: Vorteil Denver, Los Angeles