18 März 2012


Einer der überraschendsten Deadline-Deals war zweifelsohne der zwischen San Antonio und Golden State. Ich hatte Anfang der Woche noch geschrieben, dass die Spurs traditionell nie während der Saison dealen, sondern ihre Personalangelegenheiten immer im Sommer regeln. Nicht so dieses Jahr. In einer perfekten Mischung aus finanziell und sportlich motiviertem Trade zeigte das Front Office der Texaner wieder einmal, warum diese Franchise zum Standard für erfolgreiche NBA-Unternehmen geworden ist.

Stephen Jackson kommt von den Golden State Warriors. Im Gegenzug verschicken die Spurs Richard Jefferson, einen Erstrundenpick sowie den auslaufenden Vertrag von TJ Ford. Sportlich gesehen gewinnen die Spurs nicht allzu viel hinzu. Jefferson versuchte zwar immer sein Bestes, konnte aber die in ihn gesteckten Erwartungen in San Antonio nie ganz erfüllen. Er veränderte in den letzten Jahren sein Spiel und fand eine neue Nische als verlässlicher Dreipunktewerfer (42%), der vor allem aus den Ecken vorzüglich traf, ohne dabei je zu glänzen (nur 9.2 PPG). Der antizipiert vielseitige und offensiv gefährliche Small Forward im Popovich-System wurde er nach seinem Wechsel aus New Jersey aber nie. Jackson hingegen spielte in Milwaukee die bisher schlechteste Saison seiner NBA-Karriere (10.5 PPG) und stellte in allen statistischen Kategorien neue Negativ-Rekorde auf. Das war noch vor seinem offenen Konflikt mit Scott Skiles, der ihm gegen Ende ein DNP-CD nach dem anderen einbrachte. Er wurde als Cap-Futter in den Warriors-Bucks Blockbuster-Trade um Andrew Bogut und Monta Ellis mit hinein geschmissen. Golden State wollte ihn aber nicht und nutzte die erstbeste Gelegenheit, ihn gleich wieder abzustossen. Die Spurs hoffen, dass der alte Trainer-Fuchs Greg Popovich das Beste aus seinem ehemaligen Lieblingsspieler (lief bereits von 2001-2003 für San Antonio auf und gewann dort eine Meisterschaft) herausholen kann.

Jackson ist natürlich vielseitiger als Jefferson. Seine Fähigkeiten als Wurfgestalter für sich und Teamkollegen (Karriere 3.2 Assists pro Spiel) sind viel ausgeprägter. Seine Defensivarbeit ebenfalls. Und dass er arglistiger und kaltschnäuziger ist, kommt einem Team in den Playoffs nur zugute. Seine Vorliebe für wichtige Plays ist wohl dokumentiert, und so hofft Popovich, dass Captain Jack das vorletzte Stückchen in einem erneuten Meisterschafts-Puzzle werden kann (als letztes hätte 'Pop' noch gerne einen Buyout Big Man á la Chris Kaman oder Boris Diaw). Das dürfte aber mehr Wunschdenken sein, denn Jackson wird in knapp drei Wochen 34 Jahre alt und hat seine besten Tage schon längst hinter sich. Er verliert gerne den Ball und ist Vorsitzender des "miese Würfe zu noch mieserem Zeitpunkt" Vereins. Seine Fehlerquote wird er schnell abstellen müssen, wenn er in San Antonio mehr als nur Wischmop-Minuten erhalten möchte. Ein angenehmer Nebeneffekt - und da kommen wir schon zu den wirklich relevanten Pluspunkten des Deals - ist die Tatsache, dass Rookie Kawhi Leonard nun mehr Spielzeit erhält. Leonard gehört zu den effizientesten Freshmen des Jahrgangs und hat realistische Chancen, den frei gewordenen Startplatz für den Rest der Saison zu behaupten.

Den grössten Nutzen ziehen die Spurs aber finanziell. Der monetäre Hinzugewinn dürfte dann auch der Hauptantrieb für General Manager R.C. Buford gewesen sein, den Deal so durch zu ziehen. Jackson und Jefferson verdienen in diesem Jahr beide 9.3 Millionen Dollar. Im nächsten Jahr jeweils 10.1 Millionen. Der grosse Unterschied aber kommt danach. Während Jackson's Vertrag im Sommer 2013 ausläuft - zusammen mit allen anderen Spurs-Verbindlichkeiten ausser Tony Parker - kassiert Jefferson in '13/14 mehr als 11 Millionen Dollar. Eine horrende Summe, eine, die San Antonio nur ungern gezahlt hätte für einen höchstens marginalen Faktor des vergangenen und aktuellen Teamerfolgs. Zusätzlich packte man noch den Vertrag des letzte Woche zurück getretenen TJ Ford mit in den Trade und manövriert sich so geschickt unter die Luxussteuer-Grenze. Zwar musste man seinen eigenen Erstrundenpick an die Warriors abtreten, was angesichts Einsparungen von mehr als 12 Millionen Dollar aber mehr als verschmerzbar ist.

Wieso sich Golden State zu diesem Trade hat hinreissen lassen, bleibt mir ein gigantisches Rätsel. Selbst wenn Jackson in den Zukunftsplänen des Teams absolut keine Rolle spielte, und man ihn angesichts seines hässlichen Abgangs vor zwei Jahren nirgendwo in der Nähe des Clubhauses haben wollte, verfügte er dennoch über einen hoch dotierten Vertrag, der nach der nächsten Saison abläuft. Zwischen dem Draft im Sommer und der nächsten Deadline im Februar hätten sich sicherlich bessere Tradepartner gefunden. Der Preis für einen Erstrundenpick im unteren 20er Bereich ist mit 11 Millionen Dollar horrend hoch, und man paralysiert seine eigene Cap-Situation bis mindestens 2014, weil man dann von einem Curry-Jefferson-Lee-Bogut-Biedrins Lineup-Moloch in den unwirschen Luxury-Tax Abgrund gesogen wird. Für einen Titelkandidaten okay, für einen Halbwegs-Playoff-Anwärter aber katastrophal. Ihre Almosen-Klausel haben die Dubs übrigens schon verprasst. Ein weder sportlich, noch finanziell nachvollziehbarer Trade.


nbachef meint: Vorteil San Antonio