28 April 2012



Endlich gehen die Playoffs los, dachte sich wohl auch Evan Turner und feuerte gleich mal eine dicke Trash Talk Granate in Richtung seiner Heimatstadt Chicago ab: "Wir gehen dem tougheren Team (Miami) definitiv aus dem Weg", sagte der Sixers-Ersatzguard vor wenigen Tagen. Ob das allzu smart war, spielt keine grosse Rolle, denn wenigstens ist so für Zündstoff gesorgt in einer Defensivschlacht der Superlative zwischen zwei der drei besten Verteidigungsformationen der NBA.


Stärken/Schwächen

Chicago hat in diesem Jahr nur 88.2 Gegenpunkte pro Partie zugelassen - Vereinsrekord. Der Stahlvorhang von Coaching-Genie Tom Thibodeau erstickt gegnerische Angriffsbemühungen schon im Ansatz und führte die Bulls zur besten Bilanz der Liga (50-16). Dass viele dieser Siege auch ohne die lange verletzten Leistungsträger Derrick Rose, Rip Hamilton und Luol Deng zustande kamen, liegt am bullenstarken Bench-Mob, aus dem die defensivstarken Taj Gibson und Omer Asik besonders hervor ragen. Mit ihren offensichtlichen Grössenvorteilen und Reboundüberlegenheit (Platz 1) haben sie den Sixers eindeutig das voraus, was in den Playoffs den Unterschied macht. Die brennende Frage bleibt aber, wie schnell sich Franchise-Spieler Rose von seinen vielen Wehwehchen erholen und ins Team re-integriert werden kann. Alle Titelhoffnungen stehen und fallen mit dem (noch) amtierenden MVP.

Die 76ers sind nicht von einem Mann abhängig, sondern bringen eine der tiefsten und ausgeglichensten Lineups der Liga mit zum Erstrundendate. Die Bank ist tief und beherbergt die Nummer 1 und 3 Scorer (Lou Williams, Thaddeus Young) sowie den wohl besten Playmaker (Evan Turner) des Teams. Die Vielseitigkeit seiner Mannschaft gibt Head Coach Doug Collins viele Optionen in der Offense. Die wird er auch brauchen, denn der Angriff der Sixers kam in den letzten Monaten vollständig zum Erliegen. Um das Feuer der ersten Saisonhälfte wieder zu entfachen, müssen Spieler wie Andre Iguodala und Jrue Holiday in Topform sein und ihre Nebenleute mitreissen. Nur dann kann Philly's Angriff gegen die starke Verteidigung der Bulls eine halbwegs konstante Punkteproduktion generieren.


Matchup-Vorteile

PG: Bulls
SG: Bulls
SF: -
PF: Bulls
C: Bulls
Bank: 76ers
Coach: Bulls


Prognose

Die 76ers haben nicht die Moves, um langfristig mit den Stieren zu tanzen. Dazu fehlt es einfach an offensiver Durchschlagskraft, was dem jungen Team ohne klaren Führungsspieler vor allem in der Cruchtime immer wieder drastische Probleme bereiten wird - wie schon in der regulären Saison. Ihre Defensive wird sie manchmal im Spiel halten, und mindestens einer der vielen talentierten Youngster wie Williams oder Young wird eine gute Serie abliefern. Aber mit der zu Saisonbeginn gepriesenen Illy Philly Funk Edition hat dieses Team schon seit zwei Monaten nichts mehr gemeinsam. Die Bulls sind härter, besser eingespielt, besser gecoacht und dursten nach dem Aus im letzten Jahr auf das Revanche-Matchup gegen Miami. Der Test gegen die 76ers ist ein guter erster Sparringskampf auf dem Weg dorthin.

nbachef meint: Chicago in 5