30 April 2012



Vor vier Jahren wäre Boston auf dem Weg zum NBA-Titel fast an den Atlanta Hawks gescheitert. Die trotzten dem späteren Champion in der ersten Runde sieben beinharte Spiele ab und brachten ihn an den Rand einer Niederlage. Die Hawks starten die Neuauflage in den Playoffs 2012 mit Heimvorteil dank der besseren Gesamtbilanz und obwohl sich die Celtics Platz 4 sichern konnten. Reicht das für Atlanta, um sich für die Niederlage damals zu revanchieren? Man würde nur zu gerne den Kreis schliessen und die Big Three Ära in Beantown ein für allemal in die Geschichtsbücher schiessen. Boston, das zwei völlig unterschiedliche Saisonhälften spielte, kam nach der All-Star Pause mächtig ins Rollen und stürmte mit 24-10 Siegen zum Titel in der Atlantic Division. Können die grünen Kobolde die Zeichen der Zeit ein letztes Mal (schon wieder) zurück drehen und beweisen, dass Danny Ainge mit seinem Stillhalten vor der Trade Deadline alles richtig gemacht hat? Die nächsten Wochen werden es beweisen.


Stärken/Schwächen

Wer ist Atlanta eigentlich? Viele Mannschaften lassen sich ohne Problem charakterisieren oder in bestimmte Schubladen einordnen. Nicht so die Hawks. Manche sehen in ihnen ein athletisches Run & Gun Team, andere wiederum halten sie für ein hart kämpfendes Halfcourt-Team, und wieder andere sehen in ihnen ein potentiell dominantes Defensivteam - ein taktisches Überbleibsel aus der Mike Woodson Ära, das von Larry Drew nur modifiziert wurde. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Drew drosselte das Spieltempo und legte grossen Wert darauf, dass man Schnelligkeit und Athletik in ein gutes Defensivkonzept presste. Mit Erfolg: Atlanta hat die sechstbeste Defensive der Liga. Mit Joe Johnson und Josh Smith verfügt man immer noch über zwei der besten Spieler in der Eastern Conference. Johnson wird wieder alle wichtigen Plays machen, eine Rolle, die er gegen Boston besonders gerne einnimmt. Josh Smith wird sich wohl mit Kevin Garnett ein hartes Duell liefern - diesmal auf der Center-Position. Das muss sein, denn Al Horford scheint doch noch nicht von seiner Schulterverletzung genesen und ist, entgegen widersprüchlicher Meldungen zu Wochenbeginn, nicht einsatzbereit. So wird sich das Hawks-Scoring wieder auf die Schultern von JJ, Smoove und Jeff Teague verteilen. Die Falken werfen und treffen häufiger lange Zweier werfen als jedes andere Team in der NBA. Wenn die aber nicht fallen, wird es gegen Boston hundeelend.

Die Celtics sind offensiv zwar noch erbärmlicher und könnten nicht einmal punkten, wenn ihr Leben davon abhinge (91.3 PPG, Platz 26), aber dafür gehört die Defensive nach wie vor zur Creme de la Creme. Der auf die Center-Position gerückte Kevin Garnett fungiert nach wie vor als Anker der zweitbesten Verteidigung überhaupt (95.5 Def. Eff.), während Paul Pierce, Rajon Rondo und der neu in die Startformation gerückte Avery Bradley auf den Flügeln den Gegnern die Luft abschnüren. Rondo beendete die Saison als bester Assistgeber der Liga und wird als Motor der Celtics-Offensive fungieren, während Pierce alle wichtigen Würfe nehmen wird. Die offensichtliche Parallelen zwischen Pierce/Garnett und Johnson/Smith machen Rondo zum Schlüsselspieler, der vermutlich den Unterschied in dieser Serie ausmacht. Boston konnte beide regulären Spiele gewinnen, in denen Rondo partizipierte (und 33 Assists verteilte). Die grüne Ersatzbank ist schwach, und die Fussprobleme von Ray Allen, der nicht weiss, wie viel und wie effektiv er spielen kann, machen den Kobolden das Leben nicht leichter. Berücksichtigt man noch deren Unvermögen, einfache Punkte zu erzielen, in die Zone zu gelangen (Platz 29 bei den Punkten im Orthogon), zu rebounden (Platz 28) und auswärts zu gewinnen (nur 15-18), leuchtet es ein, warum Atlanta in dieser Serie nicht chancenlos ist.


Matchup-Vorteile

PG: Celtics
SG: Hawks
SF: Celtics
PF: Hawks
C: Celtics
Bank: -
Coach: Celtics


Prognose

Diese Serie wird kein Highlight, soviel steht fest. Zumindest nicht von einem basketballästhetischen Standpunkt aus. Die Spiele werden langsam, hässlich und hart umkämpft. In der regulären Saison erzielte der Sieger zwei von drei Mal weniger als 90 Punkte. Boston gewann die ersten beiden Partien mit insgesamt fünf Zählern Abstand, während Atlanta das letzte, jüngste Duell um Heimvorteil in Runde 1 für sich entschied. Was die Teams an Schönheit vermissen lassen, werden sie mit Kampfgeist und Einsatzwillen wieder wett machen. Es wird eine dieser Throwback Playoff-Serien, die in der heutigen "Highlight-reicher, substanzloser Basketball" Zeit viel zu kurz kommen. Atlanta würde nur zu gerne den Playoff-Fluch der letzten Jahre besiegen und endlich einmal über die zweite Runde hinaus kommen. Gegen die älteren, abgezockteren Boston Celtics wird dieser Traum ohne Al Horford aber nicht in Erfüllung gehen. Die Falken entscheiden dank Heimvorteil zwar mindestens zwei Spiele für sich. Am Ende setzen sich die Kobolde aber dank ihrer grösseren Erfahrung und Rondo durch und treffen im Conference Halbfinale auf die Chicago Bulls.

nbachef meint: Celtics in 7