19 April 2012



Nur noch neun Tage sind in dieser regulären Saison zu absolvieren. Eine, die erst gar nicht stattfinden sollte und im Endeffekt dann doch wie ein Wirbelwind an uns vorbei gezogen ist. Nur selten in den letzten 20 Jahren war der Kampf um die Playoff-Plätze spannender. Sowohl im Osten als auch im Westen wird gekratzt, gerangelt und verschoben, was die müden Beine noch hergeben nach fünf Spielen die Woche und einem unmenschlichen Mammutprogramm, dass in der modernen NBA-Historie seinesgleichen sucht.


In der Western Conference kann man im Prinzip drei Leistungsniveaus ausfindig machen. Ganz oben liefern sich die San Antonio Spurs (44-16) mit den jungen Oklahoma City Thunder (44-17) schon seit Monaten einen heissen Zweikampf um die beste Bilanz im wilden Westen. Die Spurs sind eindeutig das heissere Team (15 der letzten 17 gewonnen) und harmonieren perfekt. Dennoch ist Platz 1 nicht das erklärte Ziel von Greg Popovich & co. Der COY-Kandidat schont lieber seine Topstars, verlässt sich auf eine tiefe Bank und liebäugelt mit der vollständigen Fitness seiner Leistungsträger in zwei Wochen, wenn die Playoffs losgehen. Gut möglich, dass der ausgebuffte Coach in den letzten Partien der Saison seinen Stars ein paar extra Pausen gönnt: "Platz eins ist nicht unser erklärtes Ziel", gab Pop erst kürzlich wieder bekannt. OKC hingegen wird in seinen verbleibenden fünf Partien alles daran setzen, die erfolgreichste Saison der Franchise-Geschichte (Thunder) zu krönen und mit Heimvorteil in die Postseason zu brausen. Es wäre für die kollektive Psyche der Youngster immens wichtig, vor allem angesichts eines bisher enttäuschenden April (5-5) und einem anspruchsvollen Restprogramm (Phoenix, Sacramento 2x, Lakers und Denver). Hinter den Spurs/Thunder kämpft Los Angeles um den Pazifik. Gemeint sind die Lakers (39-23) und Clippers (38-23), die sich in einem klassischen "grosser Bruder vs. kleiner Bruder Duell" um den Platz an der Division-Sonne streiten. Die Lakers haben die weitaus besseren Karten. Nicht nur, dass auf Lila-Gold das leichtere Restprogramm wartet und zwei leichte Siege gegen Golden State und Sacramento. Sie haben auch noch den Tiebreaker gegen die Clippers, die gegen LAL zwei von drei verloren haben und noch gegen Denver, Phoenix, Atlanta, New Orleans und New York ran müssen. Auf Platz fünf lauern die Memphis Grizzlies (36-25), die nicht mehr viel tiefer fallen können und noch auf Heimvorteil in Runde 1 spekulieren, falls die Clippers implodieren. Die Bärchen haben im April 8 von 11 gewonnen und nutzen, wie schon vor einem Jahr, die letzten Partien der Saison, um die rekonvaleszenten Zach Randolph und Tony Allen in die Lineup zu integrieren. Das Inside-Outside Game der Grizzlies sah zuletzt fantastisch aus. Kein Gegner ist besonders scharf darauf, in den Playoffs auf die Raubtiere zu treffen.

Hinter Memphis fängt der Wahnsinn erst richtig an. Denver (34-27), Dallas (34-28), Phoenix (32-29), Houston (32-29) und Utah (32-30) kämpfen um drei verbliebene Spots bei vier bzw. fünf verbleibenden Spielen in dieser Saison. Viel dramatischer hätte sich der Endspurt nicht scripten lassen. Die Nuggets haben von ihren letzten neun gleich sechs gewonnen und zum richtigen Zeitpunkt ein Hoch erwischt. Das exzellente Coaching von George Karl trägt Früchte und zeigte sich erst kürzlich wieder in voller Pracht, als man die Houston Rockets im Home/Away back to back gleich zweimal bezwingen konnte. Damit hält man Tiebreaker gegen Houston und Phoenix in der Hand. Die Suns muss man in wenigen Tagen noch einmal besuchen. Dallas um Dirk Nowitzki hat in letzter Zeit mehr verloren als gewonnen (4-5 im April) und muss noch gegen Houston, Golden State, Chicago und Atlanta antreten. Die Mavericks haben Glück, dass sie gegen alle direkten Konkurrenten im Laufe der Saison mehr Siege als Niederlagen eingefahren haben. Mit dem Tiebreaker im Rücken sollten die Fohlen den Sprung in die Playoffs sicher schaffen. Wie man dort aber an den Spurs, Thunder oder Lakers vorbei kommen will, erschliesst sich mir beim besten Willen nicht. Dies sind nicht die 2011er Mavs. In die andere Richtung zeigte zuletzt die Formkurve bei Dirk's gutem Kumpel Steve Nash und seinen Suns. Gewinner von 7 aus 10 im April, hat sich Phoenix auf den achten Platz und ein Erstrundenduell mit den Spurs vor gearbeitet. Obwohl man die vor zwei Jahren aus den Playoffs bugsierte, sah man in den drei Partien 2012 kein Land gegen Duncan, Parker & co. Eventuell kommt es auch erst gar nicht zur Neuauflage, denn das Restprogramm (Thunder, Clippers, Nuggets, Jazz, Spurs) ist höllisch schwer. So schafft es vielleicht tatsächlich noch der Jazz, an Phoenix vorbei zu ziehen. Utah spielt zuletzt (3-2) besser als Houston (0-4), hat nur noch die Trail Blazers (2x), Suns und Magic auf dem Spielplan und ist nach dem Triple-Overtime Erfolg vor zwei Tagen aphrodisiert. Die Rockets haben vier Spiele in Folge verloren und sich nach guten Wochen den ungünstigsten Zeitpunkt für eine künstlerische Schaffenspause ausgesucht.