26 Mai 2012



Boston und Philadelphia treffen schon zum 18. mal in den Playoffs aufeinander. 13 dieser Duelle fanden in den Conference Finals statt. Für viele Beobachter gehört dieser Showdown zu den grössten Klassikern der NBA-Historie, die potentiell zweitbeste NBA-Rivalität aller Zeiten nach Lakers vs. Celtics. Wie trefflich, dass ausgerechnet die alten Kontrahenten heute in einem alles entscheidenden Spiel sieben clashen und den Eastern Conference Finalisten unter sich ausmachen.

Das neueste Playoff-Duell und erste zwischen beiden Traditions-Franchises seit 2002 wirkte bisher antiklimaktisch, insbesondere gemessen an den epischen Schlachten in den 1960ern und später in den 80ern, als Julius Erving und Moses Malone auf einer Seite und Larry Bird und Kevin McHale auf der anderen standen. Unvergessen auch die nonstop Keilerei in einem Vorbereitungsspiel 1983, als Malone, Bird, Cedric Maxwell, Marc Iavaroni, Gerald Henderson und Sedale Threatt aneinander gerieten und der damals 66-jährige Red Auerbach von der Tribüne herunter stürmte, um für Ordnung zu sorgen. 1985 war ebenso legendär und produzierte das unvergessene Würgescharmützel von Dr. J und Larry Legend.

In diesem Jahr ging es disziplinierter zur Sache, wenngleich bisher recht wenig hochkarätiger Basketball zu sehen war. Beide Mannschaften gehörten während der regulären Saison zu den besten Defensivteams der NBA (Boston 2., Philly 3.). Das merkt man in dieser Serie deutlich. Die Offensiven haben hüben wie drüben massive Probleme, den Ball in den Korb zu befördern. Bei ihren jeweils drei Niederlagen erzielten sowohl die Celtics als auch die 76ers gerade mal 89 Punkte pro Partie. Offene, freie Würfe sind ein ebenso seltenes Bild wie leichte Punkte oder längere Scoring-Exzesse.

Es ist ein altmodisches, hart umkämpftes Duell im Eastern Conference Fleischwolf. Kein Spieler führte seine Mannschaft zweimal in Folge als Scorer an, keiner schafft es, konstant Punkte auf die Anzeigetafel zu klatschen. Zwischenzeitlich sah es so aus, als würden die Celtics ins Laufen kommen, dachte man zumindest, nach dem 107-91 Sieg in Spiel drei. Nichts da, es folgte eine weitere Scoring-Dürre. Das Team, dass ein solche heute am Besten verhindern kann, zieht in die nächste Runde ein und darf sich im Conference Finale mit Miami messen.

Ein kurzer Blick auf die jeweiligen Splits offenbart: der Schlüssel zum Sieg liegt in der Zone. Boston traf bei seinen drei Siegen 49% aus dem Feld, gegenüber 39% bei seinen Niederlagen. Philadelphia ging bei seinen drei Siegen 28 mal pro Spiel an die Freiwurflinie, gegenüber 19 in den anderen Partien. Wer heute also aggressiver in Richtung Korb drängt und den Gegner unter den Brettern unter Druck setzt, erspielt sich nicht nur einfache, hochprozentige Würfe, sondern auch viele freie von der Linie. "Points in the paint" sind das Zünglein an der Waage. Für die Sixers ist es das erste Spiel sieben seit 2001. Boston hat in der Big Three Ära drei von fünf Game 7's gewonnen und ist mit Kevin Garnett in der Lineup im heimischen TD Garden in "closeout games" noch ungeschlagen.