07 Mai 2012




Die Playoff-Serie zwischen den Denver Nuggets und den favorisierten LA Lakers hat sich seit dem überzeugenden Sieg des Serienmeisters in Spiel eins langsam, aber sicher gewandelt. In Los Angeles dominierte erst Andrew Bynum mit einem Triple Double der seltenen Art (10 Blocks) und führte seine Farben so zum deutlichen 103-88 Auftaktsieg, ehe in Partie zwei Kobe Bryant mit 38 Zählern den Gästen die Grenzen aufzeigte. LA gewann auch Spiel zwei.

Denver hatte aber schon da, am vergangenen Dienstag, die Nervosität abgelegt und den Lakers eine hart umkämpfte, knappe Partie abgetrotzt (104-100). Die Nuggets hatten sich angepasst nach den Schmetterlingen im Bauch ob der ersten Playoff-Minuten für viele junge Akteure im Team. Das neu gewonnene Selbstvertrauen, es hob das kollektive Niveau der Klumpen in Spiel drei auf ein völlig anderes Produktivitätslevel. Angeführt von Ty Lawson (25 Punkte, 7 Assists), der von Beginn an sein Speedy Gonzalez Tempospiel durchzog und ein ums andere Mal auf den Turboboost drückte, gingen die Nuggets schnell in Führung. Lawson legte den Grundstein für einen unfassbaren 28-2 Lauf mit seinen flinken Drives zum Korb. Es war prototypischer Nuggets Basketball, hochoktanig, immer am Tempolimit. Die Lakers kamen nicht hinterher.

Erst als Andrew Bynum nach der Pause aus seiner Anfangslethargie erwachte ("Ich hatte den Start komplett verpennt"), begann die Spielgeschwindigkeit drastisch zu sinken, begannen die Lakers, sich in die Partie zurück zu punkten. Bynum traf fünf seiner acht Wurfversuche im dritten Spielabschnitt und brachte Lila-Gold bis auf 70-65 heran. Erstaunlicherweise hörten die Gäste danach schlagartig auf, ihre erfolgreiche Strategie (Ball nach innen) weiter zu implementieren und verliessen sich fortan lieben auf lange Sprungwürfe - eine Taktik, die den laufwütigen Nuggets perfekt in die Karten spielte.

Das junge, überathletische Big Man Tandem der Nuggets, Javale McGee und Rookie Kenneth Faried, machte seine beste Partie bisher und veränderte dank seines unermüdlichen Einsatzes unter den Brettern die Komplexität des Spiels, just als es für Denver eng wurde. Die beiden erzielten zusammen 28 Punkte und krallten sich 30 Rebounds - davon zwölf offensiv - womit sie Bynum und Gasol nicht nur in den Schatten stellten. Ihre Kontrolle am defensiven Brett war auch ausschlaggebend dafür, dass Denver im Schlussviertel wieder ins Laufen kam und den Lakers so in der Höhenluft von Colorado schlicht und ergreifend die Luft abschnürte. "Wir müssen härter arbeiten als sie, wir müssen viel mehr laufen als sie", hat Rookie Faried schon in seinem ersten Jahr begriffen, wie Denver seine athletischen Vorteile zu seinen Gunsten nutzen kann.

Los Angeles wird in Spiel vier am heutigen Sonntag sicherlich früh und häufig versuchen, Bynum und Gasol im Low Post zu etablieren und seine offensichtlichen körperlichen Vorteile konsequenter auszunutzen. Das Malochen innen am Brett hat für die Kalifornier zwei entscheidende Vorteile: leichtere Punkte in der Zone. Und weniger lange Rebounds für Denver, wie sie bei Sprungwürfen oft passieren und damit ideale Transition-Möglichkeiten für das beste Fastbreak Team der Liga eröffnen. Gelingt das den Lakers, steigen die Chancen auf einen potentiell vorentscheidenden Auswärtssieg gewaltig. Man würde mit einer 3-1 Führung zurück nach Los Angeles reisen, wo man am Dienstag die Serie im heimischen Staples Center beenden könnte.

Die Nuggets sind aber in dieser Verfassung alles andere als ein leichter Gegner für LA, erst recht nicht im heimischen Pepsi Center. Zieht man nämlich noch das bisher eher enttäuschende Spiel von Danilo Gallinari in Betracht (nur 15 PPG bei 35% FG), der sicherlich auch noch seinen Coming Out Abend erleben wird, sowie die Tatsache, dass die Nuggets Spiel drei trotz einer Team-Trefferquote von unter 40% ganz souverän 99-84 nach Hause schaukelten, wird schnell klar, warum eine eng umkämpfte Serie über sieben Spiele keinen überraschen sollte.