17 Mai 2012




Wenn irgend einer von euch bei der gestrigen Celtics-Sixers Playoff-Partie den Eindruck bekam, dass da erwachsene Männer gegen Kids spielten, dann hatte er vollkommen Recht mit dieser Einschätzung. Auch TNT-Gastkommentator Chris Webber kam nicht umhin, eine alteingesessene Tracht Prügel zu erkennen. Das 107-91 Endergebnis verdeutlichte nicht einmal im Ansatz, wie sehr Boston die dritte Halbfinalpartie dominierte.

Kevin Garnett setzte seine verheerend effektive Postseason fort und drückte der Partie mit 27 Punkten (12-17 FG), 13 Rebounds und vier Assists in nur 30 Minuten seinen Stempel auf. Das grosse Ticket bellte, schüchterte ein und kontrollierte die Zone unter dem Korb wie der angsteinflössende Wachhund, der er nun mal ist. Ein Paradebeispiel für Playoff-Intensität und eine absolute Augenweide für echte Basketball-Fans. Ich hatte KG vor Kurzem in meinem bisherigen Playoff-MVPs Ranking auf Rang zwei geführt. Die gestrige Leistung schien mich anzubrüllen: wieso nicht die Eins?

Paul Pierce, der Typ mit dem lädierten Knie, stieg währenddessen (mal wieder) in sein berühmtes grünes Throwback-Kostüm und zeigte sich wenig beeindruckt von den Schmerzen, die sein verstauchtes linkes Gelenk ihm in Spiel zwei bereitet hatte. Pierce scorte 24 Punkte, griff sich 12 Rebounds, attackierte unerbittlich den Ring (11-14 Freiwürfe) und hatte später auf der Bank gut lachen.

Rajon Rondo machte sein übliches Spielmacher-Ding (14 Assists) und half diesmal auch beim Scoring aus (23). Der All-Star Guard war mit 13 Punkten zum Auftakt und noch vor seinem ersten Assist der Katalysator für die lahmende Celtics-Offensive. Die hatte in den ersten zwei Partien noch massive Probleme gehabt, Punkte auf die Anzeige zu klatschen, feuerte gestern aber aus allen Rohren. Boston erzielte 28 Punkte im ersten Viertel und 28 im offenen Transition-Spiel, fast soviele wie in den ersten beiden Partien zusammen genommen (33).

Die Ballbewegung war beeindruckend, die Defensive nach schwachem Auftaktviertel feinjustiert. Die 76ers machten ihr effizientestes Spiel bisher und verloren trotzdem mit 16. Celtics-Coach Doc Rivers zauberte ein Schmankerl auf sein Taktiktablett und liess das Tempo anziehen - eine an sich unorthodoxe und wenig Celtics'sche Methode, die aber das gewünchste Resultat einbrachte. Boston gewann auf fremdem Parkett und holte sich den Heimvorteil wieder zurück. Auch wenn die grünen Kobolde so schnell nicht wieder die 100-er Marker knacken und lieber wieder den Fleischwolf heraus holen werden - die gestrige Offensiv-Explosion dürfte das vorzeitige Ticket ins Eastern Conference Finale gewesen sein.