30 Mai 2012




Oh, sagt mir bitte, dass das nicht wahr ist! Dass Donald T. Sterling gestern nicht seine Option zog und den miesesten Coach der Association für ein weiteres Jahr zurück brachte. Vinny Del Negro, weitere 12 Monate/82 Folgen lang an der Clippers-Seitenlinie auf und ab patrouillierend und aufstampfend, wenn gegnerische Point Guards vor seiner Bank Dreier werfen, während Sterling von seinem Courtside-Sitz visavis ein selbstgefälliges, falsches Grinsen in die Runde wirft und sich permanent zu denken scheint: "...und am siebten Tag erschuf ich die Clippers."

Technisch gesehen ist die Vertragsverlängerung schnell erklärt: Los Angeles entschliesst sich in Person von Entscheidungsträger Sterling für die einfachere, billigere und am nächsten liegende Alternative. Del Negro's Deal läuft einfach ein Jahr weiter, bis Juni 2013, obwohl zwischenzeitlich vieles nach dem Abgang des chronisch erfolg- und planlosen Head Coaches ausgesehen hatte. Noch im März wurden die Rufe nach seinem Kopf immer lauter, als sein Team im Fleischwolf Western Conference immer grössere Probleme bekam und nach dem All-Star Wochenende zehn von 16 Partien verlor. Dass del Negro über das dünnste Playbook und die schlechtesten in-game Anpassungen der Liga verfügt, hatte er schon in Chicago bewiesen, als er trotz eines Derrick Rose über 50% Siegesquote nie hinaus kam und nach körperlichen Auseinandersetzungen mit GM John Paxson gefeuert wurde.

Ja, ich verstehe die Richtung, aus der Sterling - mal wieder - kommt. Und sie hat - mal wieder - nur mit Geld zu tun. Onkel Dagobert hasst eines nämlich wie die Pest: Kohle ausgeben ohne die Sicherheit auf maximalen Gewinn. Und Fakt ist nunmal, dass del Negro und seine sub-500 Karriere-Quote billiger daher kommen als einer der verfügbaren Hochkaräter auf dem Coaching-Markt. Typen wie Stan van Gundy (nein, ich glaube nicht dass er ein Jahr aussetzen will), Nate McMillan, Jerry Sloan oder Mike D'Antoni. Oder begehrte Assistenten wie Mike Malone, Brian Shaw oder Mike Budenholzer. Und weil man denen ja einen langfristigen, höher bepreisten Deal anbieten müsste, macht Sterling - mal wieder - sein berühmtes Sterling-Ding. Hauptsache billig. Ein weiteres, durchaus valides, Argument, ist der Gedanke an die Zukunft. Was, so der zitierte Ansatz, wenn man jetzt einen der genannten Cheftrainer für vier Jahre engagieren würde und sich heraus stellte, dass Chris Paul und Blake Griffin mit dem Mann nicht zurecht kämen? Paul ist nächsten Sommer Free Agent, Griffin hat eine Option für 2013/14 vorliegen. Die Ängste beim Teambesitzer: er vergrault seine Superstars, jagt sie aus der Stadt und muss trotzdem einen teuren Coach bezahlen - und wir wissen alle, wie ungern Sterling überhaupt jemanden bezahlt.

Nein, dann schon lieber ein weiteres Jahr Mittelmässigkeit. Mit seinem Kumpel del Negro an den Kontrollhebeln. Sehen wir einmal davon ab, dass VDN ein lausiger Trainer und Mentor ist, dass ihm jegliches Gefühl für Spielminuten, Rotationen, Offensivplays oder Defense abgeht und er absolut keine Ahnung hat, wie er seine jungen Akteure ausbilden muss. Das wirklich Verheerende an dieser Entscheidung, in dieser Form und zu diesem Zeitpunkt, ist die ungeklärte Situation von General Manager Neil Olshey. Der Typ, den ich in meinen end-of-season Rankings als Executive of the Year ausgezeichnet hatte (und der übrigens in den finalen Abstimmungen Platz drei belegte, für alle, die sich nur ungern auf meine Einschätzungen verlassen), ist das Mastermind hinter der Transformation der Clippers auf dem Court und neben General CP3 der Hauptverantwortliche für den sportlichen Turnaround und die erfolgreichste Saison der Franchise-Geschichte (61% Siegesquote). Das, was del Negro an der Seitenlinie macht, kann euer Golden Retriever genauso gut.

Mein Punkt: Olshey arbeitet seit letzten Oktober ohne Vertrag. Er ist der Mann, der den Paul-Trade orchestrierte, der Chauncey Billups für zwei Millionen vom FA-Markt wegfischte, der Reggie Evans, Kenyon Martin und Nick Young verpflichtete und sich weigerte, Eric Bledsoe abzudrücken. Der Erfolg trägt seine Handschrift. Anstatt Olshey festzuhalten, ihm einen langjährigen Deal anzubieten und zu verhindern, dass Teams wie die superreichen Portland Trail Blazers von Paul Allen ihn in London zu Vertragsgesprächen treffen, ignoriert Sterling den Markt und verlängert lieber zuerst mit del Negro. Ein klares Indiz für die vereinsinternen Prioritäten und die Richtung, in die dieses Team weiter blind marschieren wird. Der Fluch des greisen Muffels, diese Franchise wird ihn nie los.

Warum nicht Olshey auf Jahre binden und sofort einen Coach verpflichten, den Paul und Griffin respektieren, sich vielleicht sogar wünschen? Warum nicht unmissverständlich klarstellen, dass die erfolglose Vergangenheit vergangen ist und man Grosses vorhat? Mit Selbstbewusstsein die Dinge anpackt und in Zukunft ändert. Ist del Negro die beste Option? Will man mit ihm an der Linie die Championship in Angriff nehmen? Was springt im besten Fall heraus - ein weiteres Zweitrundenaus? Soll das die beiden Superstars zum Bleiben überreden?

Ja, es ist durchaus möglich, dass Olshey verlängert wird, nächstes Jahr ein neuer Coach kommt, alle Leistungsträger im Team bleiben und man mit punktuellen Verstärkungen die nächsten fünf Jahre um den Western Conference Titel mitspielen kann. Aber diese im Prinzip risikolose, dafür aber widerwärtige Personalentscheidung birgt so unendlich viel Chaospotential in sich. Sie verdeutlicht einmal mehr eindrucksvoll, was die Clippers-Organisation von den wirklich erfolgreichen im Sport unterscheidet: der Prozess. Und so lange Donald T. in Clipper Nation das Sagen hat, wird sich daran nie etwas ändern.