01 Mai 2012


Last man standing: das Offensichtliche vorweg - Miami ist den Knicks in dieser Serie in allen Belangen überlegen. Dwyane Wade nutzte die Abwesenheit des einzigen fähigen Perimeter-Verteidigers Iman Shumpert, um früh zu attackieren und den Gästen 25 Punkte ins Nest zu legen. Der Rest des Teams zog nach und sorgte für einen entspannten 104-94 Sieg, der für Miami nie gefährdet war. Wie bereits in der Vorschau verdeutlicht: wenn 1-2 Heat-Spieler ausser den grossen Drei (gestern 65 Punkte) einen halbwegs passablen Tag erwischen, sind die Heat kaum zu schlagen, schon gar nicht in der AAA. Mike Miller, Mario Chalmers und Shane Battier trafen insgesamt 8 Dreier für 35 Punkte und liessen die Ersatzprobleme vergessen. New York hingegen geht auf dem Zahnfleisch. Nachdem Amare Stoudemire seine Frustrationen an einem eingeglasten Feuerlöscher ausliess und sich den kompletten Unterarm zerfetzte, verbleibt Carmelo Anthony der einzig fitte Knicks-Starter in der Lineup. Tyson Chandler ist krank und muss vor und während der Spiele intravenös aufgepeppelt werden. Baron Davis' Plastikwirbelsäule fällt auseinander. Jeremy Lin's Knie ist dicker als sein Bankkonto nach Linsanity. Und Shumpert ist seit Spiel 1 mit einem gerissenen Kreuzband weg vom Fenster. Die ganze Welt hatte gehofft, dass die 'Bockers hier ernsthaft Paroli bieten und die Serie spannend gestalten könnte. Völlig dezimiert und am Ende ihrer Kräfte können sie jetzt höchstens noch versuchen, einen Achtungserfolg im MSG zu erzielen. Es riecht nach Sweep!

One on One: das hoch antizipierte Eins gegen Eins Superstar-Duell zwischen LeBron James und Carmelo Anthony geht bisher klar an LBJ. Nach einer brillanten Auftaktpartie (10-14 FG, 32 Punkte) tat James in Spiel 2 nur das Nötigste (19 Punkte, 7 Rebounds, 9 Assists), während Melo sich mit 30 Zählern und 9 Rebounds für ein völlig verkorkstes erstes Spiel revanchierte. Der Unterschied: Bron hat die Unterstützung seiner Teamkollegen, Anthony kämpft allein gegen Windmühlen...und den hier:

Alles wieder normal: nach dem Schock in Spiel 1 schworen die Indiana Pacers auf Wiedergutmachung gegen eigentlich unterlege Orlando Magic. Gesagt, getan: Indy nutzte einen fulminanten Zwischenspurt nach der Pause klatschte im Dritten 30-13 Punkte auf die Anzeigetafel und machte so den Sack zum 1-1 zu. George Hill, der 12 seiner 18 Punkte im spielentscheidenden Abschnitt erzielte, wird als Starter auf der Eins von Mal zu Mal entspannter und merkt zunehmend, dass er Jameer Nelson nach Belieben übermannen kann. Mit ihm als Katalysator sollten die Tempomacher keine grossen Probleme haben, die Serie nach maximal 6 Spielen zu beenden. Der Patzer zum Auftakt war der Wachmacher für Hibbert, Granger & co.
.

What a difference: ...a year makes. Ein Jahr später, und alles hat sich umgekehrt. Schon letztes Jahr, in den Western Conference Finals, waren die Duelle zwischen Oklahoma City und Dallas eng und hart umkämpft. Während die Mavs und Dirk Nowitzki aber jeden Wurf und jedes wichtige Play in der Crunchtime machten, fiel bei OKC absolut nichts durch die Reuse. Dallas avancierte und gewann das NBA-Finale gegen Miami. 2012 hat sich das Blatt komplett gewendet. Zum zweiten Mal in Folge fiel in der Erstrundenserie die Entscheidung in der letzten Spielminute. Diesmal war es kein Kevin Durant Gamewinner, der den Unterschied machte, sondern mehrere verfehlte Würfe von Terry und Nowitzki. Die Thunder, bestes Freiwurfteam der Liga (für mich wie schon oft angedeutet ein wichtiges Indiz für kommenden Playoff-Erfolg), versenkten 37 von 39 Freiwürfen, darunter 6 von 6 in den letzten 50 Sekunden, und brachten den knappen 102-99 Sieg unter Dach und Fach. Oklahoma führt nun 2-0 und kann mit einem Sieg in Dallas bereits die Vorentscheidung herbei führen. Die Mavs sind das fünftschlechteste Heimteam aller 16 Playoff-Mannschaften.

Was soll der Lärm?: dass man hierzulande kein Spiel der Mavs mit der notwendigen Objektivität beurteilt, ist bekannt. Die Aufregung über das Mini-Scharmützel zwischen Dirk Nowitzki und Kendrick Perkins kann ich aber beim besten Willen nicht nachvollziehen. Es sind genau diese Szenen und das kollektive Gejammer im Nachhinein, die unser Spiel softer als Stephon Marbury's Gehirn gemacht haben und weiterhin kompromittieren. Das war nichts. Nicht einmal ein Double Technical, wie es die überempfindlichen Zebras sofort verhängten. Also packt die Tempos wieder weg. Empfiehlt euch sogar Dirk persönlich, der nach dem Spiel meinte: "Die Aktion war gar nichts. Er hat versucht, mich ein wenig zu schikanieren, und ich habe das selbe mit ihm gemacht. Wir haben ein paar Worte gewechselt und das war's dann. Ich finde nicht, dass die Aktion überhaupt erwähnenswert war. Das sind die Playoffs!"

Rajon Dummkopf: Noch einen Beweis dafür, dass das endlose "Rondo Best PG" Geschwätz nichts als verblendetes Wunschdenken einiger übereifriger Fans sein kann, lieferte der Celtics-Guard höchstpersönlich. Er rempelte in Spiel 1 gegen Atlanta den Schiedsrichter an und wurde prompt des Feldes verwiesen. Ein völlig unnötiges und egoistisches Verhalten, das nicht nur seine mentale Verfassung mal wieder in Frage stellt, sondern auch noch sein Team desavouiert. Rondo wurde (völlig nachvollziehbar weil jeglicher Körperkontakt mit den Refs explizit untersagt ist) von der Liga gesperrt und fehlt den Celtics heute Abend in Spiel 2. Die Kobolde, die ohnehin schon ohne den angeschlagenen Ray Allen auskommen müssen, laufen damit Gefahr, mit einem 0-2 Rückstand nach Boston zurück reisen zu müssen, vor allem wenn Josh Smith eine Encore Performance abliefert. In der Geschichte der NBA Playoffs haben Teams im 0-2 Loch knapp 94% aller Playoff-Serien verloren. Ganz smart, Rondo!

BRRRRRRRROOKLYN!: die ex New Jersey Nets mit dem geplanten Neuanfang. Und ab sofort "Straight from Brooklyn, better known as Crooklyn..."

Silas out: Paul Silas ist nicht mehr Head Coach der Charlotte Bobcats. Schockschwerenot. Kein Scheiss? Nach der miesesten Saison aller Zeiten und durch und durch ridikülen 7 zu 59 Siegen? Nachdem er lieber seinen talentlosen Sohn coachen liess, obwohl die negativen Geschichtsbücher ihre Rotluchs-Fallen aufgestellt hatten? Obwohl er lieber DeSagana Diop und Matt Carroll einsetzte, anstatt seinen Rookies Biyombo und Walker 35+ Minuten pro Spiel zuzuschaufeln - der einzig logische Schritt bei einem Team im Rebuild? Das war die mit Abstand uninspirierteste und gleichgültigste Trainerleistung, die ich in der NBA je gesehen habe. Die Hornets waren dezimierter, die Nets verletzungsgebeutelter, die Kings funktionsgestörter. Aber sie spielten wenigstens hart und hängten sich rein. Die Bobcats? Einfach nur Paul Silas...