10 Mai 2012




Heat-Pflicht, Teil 1: Man hatte sich im Erstrundenduell zwischen Miami und New York auf eine spannende, hart umkämpfte Serie einstellen wollen, eine, die an glanzvolle Heat-Knicks Schlachten in der Vergangenheit erinnerte. Statt dessen fiel ein Knickerbocker nach dem anderen um wie Dominosteine und ebnete Miami so den Weg zu einem einfachen, nie gefährdeten 4-1 Auftakterfolg in den Playoffs. Lin war raus, Shumpert fiel aus, Stoudemire rastete aus, und es kam für NY noch schlimmer. Davis verletzte sich so schwer, dass seine Karriere in Gefahr schwebt, Chandler war die ersten beiden Partien physisch krank und JR Smith machte seine schwächsten Spiele im Knicks-Trikot (nächster Donut, bitte). So war gegen weit überlegene Heat nicht mehr drin als ein beachtlicher Ehrensieg in Spiel vier, was mit dem Geist von Mike Bibby als Starting Point Guard schon einmal passieren kann. Die Miami Big Three dominierten in dieser Serie mit durchschnittlich 63.8 PPG bei 50% aus dem Feld und kombinierten 23 Trips an die Freiwurflinie pro Spiel. Zuletzt funktionierte sogar die so gefürchtete Fastbreak-Offensive wieder exzellent (20 Transition-Punkte gestern), die Heat rannten den müden Knicks-Beinen einfach davon. Ob Miami seine dominante Form vom Februar wieder gefunden hat oder einfach nur einen dezimierten Gegner schnell und resolut in die Sommerpause schickte, wird das Kräftemessen mit den tiefen, ausgeglichenen, ruppigen Indiana Pacers zeigen. Die Serie startet am kommenden Sonntag.

Baby-Smith: New York's Backsteinwerfer Scharfschütze JR Smith zeigte sich nach der Niederlage gegen Miami und der offenen Kritik vieler Knicks-Fans an seinen Leistungen persönlich beleidigt und drohte damit, sich im Sommer einen neuen Arbeitgeber zu suchen (Damn didn't know this man people didn't want me in #NY might just get what you asking for! #sorrykidz). Was die Fans eigentlich verlangten, waren gesündere Entscheidungen, eine halbwegs respektable Trefferquote und Verantwortungsbewusstsein angesichts der katastrophalen Personalsituation im Team. Statt dessen stellte Smith sein gesamtes Repertoire an 'Ef You Basketball' zur Schau, traf nur 31% seiner Feldwürfe, 17% von der Dreierlinie und foulte im Schnitt viermal pro Partie. Zurück nach China, wo Off. Eff. keinen interessiert, vielleicht?

Stilvolle PKs: Viel Lob von Mike Woodson und Erik Spoelstra für die Qualität der Miami Heat und auch das gebeutelte Knicks-Team, das - und das sollte man ihm bei aller Kritik zugestehen - hart spielte und bis zum Schluss fightete. Bleibt zu hoffen, dass die Knicks den Vertrag mit 'Woody' verlängern und den Defensivspezialisten auch zur neuen Saison zurück bringen. Gegen weitere Heat-Knicks Duelle in Zukunft (in Bestbesetzung) hätten wir nichts einzuwenden.




Grosse Grizzlies: So hatte ich mir das vor der Serie vorgestellt. Marc Gasol und Zach Randolph dominierten - aus Grizzlies-Sicht endlich - unter den Brettern und stellten die LA Clippers mit ihrer Grösse und Effizienz vor unlösbare Probleme. Insgesamt 42 Punkte und 27 Rebounds für Marc und Z-Bo, die im ersten Spielabschnitt den Grundstein legten für den deutlichen 92-80 Anschlusserfolg der Bären und das 2-3 in der unterhaltsamsten Erstrundenserie in diesem Jahr. Die zwei Wuchtbrummen in blau posteten immer wieder erfolgreich auf oder sorgten mit harten Cuts durch die Zone für mächtig Verwirrung bei den Gästen.

Schrecksekunde: Für die LA Clippers, bei denen sich sowohl Blake Griffin (Knie) als auch Chris Paul (Hüfte) verletzten und die Schlussphase angeschlagen absolvieren mussten. Für die Clips ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, zumal die Grizzlies nach dem so wichtigen Heimsieg auf einer emotionalen Erfolgswelle reiten und am Freitag im Staples Center sogar ausgleichen könnten, um die Serie für ein alles entscheidendes Spiel sieben am Sonntag zurück nach Memphis zu holen. Es muss nicht extra erwähnt werden, dass ein Clippers-Upset unmittelbar mit der Gesundheit seiner zwei besten Spieler zusammen hängt. Und mit guten Schuhen...




Oden's Absturz: exzellente Story von Mark Titus, der früher mit Greg Oden zusammen spielte und einen ganz persönlichen Einblick gibt in die Gefühlswelt des vom Pech verfolgten Nummer Eins Picks, der begann, seine Frustrationen mit Alkohol zu ertränken, die komplette nächste Saison aussetzen wird, sein College-Abschluss nachholt und sich anscheinend damit abgefunden hat, dass er vielleicht nie wieder professionell Basketball spielen kann. Bewegender Must-Read Exzerpt über einen Fast-Superstar am anderen Ende des NBA-Spektrums.

Neuer Magic-GM?: Orlando hat in diesem Sommer eine Reihe von Personalentscheidungen zu treffen. Dwight Howard, Stan van Gundy, Jameer Nelson, Ryan Anderson, sie stehen alle auf der to-do Liste. Auch Manager Otis Smith, dessen Vertrag noch ein Jahr läuft, kann sich nicht sicher sein, ab Juni noch auf seinem GM-Sessel zu sitzen, denn Magic-Präsident Alex Martins reevaluiert gerade seine gesamte Organisation, die sich in den vergangenen Monaten wenig professionell zeigte. Sollte Smith seinen Hut nehmen müssen, gilt ex-Magic Center Adonal Foyle als grosser Favorit auf den Posten des neuen Managers. Foyle, derzeit Direktor der Entwicklungsabteilung bei den Magiern, hatte bereits im März sein Vorstellungsgespräch und war in viele Tradegespräche in dieser Saison bereits fleissig involviert. Verbindet die Punkte selbst.

Game 6 Spannung: Heute gleich dreimal. Philadelphia, Boston und die LA Lakers bekommen ihre nächste Chance, die Bulls, Hawks und Nuggets in den verfrühten Angelurlaub zu schicken. Al Horford (Brust/Schulter) spielt und dominiert wieder für die Hawks, Joakim Noah (Sprunggelenk) wird für Chicago wohl auflaufen, und die Nuggets scheinen gegen LA's Länge das Wundermittel (McGee) gefunden zu haben. Verspricht ein aufregender Abend zu werden. Los geht's ab 1:00 Uhr MEZ.

Best PG on earth?: Eher nicht. Aber der impulsivste und am schlechtesten gekleidete möglicherweise schon...