28 Mai 2012




San Antonio gewinnt Spiel eins im heimischen AT&T Center 101-98 und geht in der Best of Seven Serie mit 1-0 in Führung. Ein paar lose Gedankengänge live vom und nach dem Spiel:

Manu Ginobili war fantastisch und der MVP in dieser Partie. Der Gaucho hatte alle drei Begegnungen mit OKC während der regulären Saison verpasst, meldete sich aber eindrucksvoll im kollektiven Thunder-Gedächtnis zurück. Ginobili erzielte insgesamt 26 Punkte bei extrem effizienten 9 von 14 aus dem Feld, davon 11 im letzten Spielabschnitt, als er einen letzten, vorentscheidenden Spurs-Run verankerte. Seine Qualitäten als Slasher, Schütze und Vorbereiter machten den Unterschied an einem Abend, an dem weder Tony Parker (6-15 FG) noch Tim Duncan (6-15 FG) ihre besten Performances ablieferten.

Oklahoma City liess sich eins klauen, das es eigentlich schon sicher hatte. Die Gäste führten nach drei Viertel bereits komfortabel mit neun (71-62) und schienen auf bestem Wege, für eine völlig neue Ausgangssituation zu sorgen gegen die hoch favorisierten Spurs. Die drehten aber mit einem zwischenzeitlichen 30-11 Lauf das Spiel, auch weil sie im letzten Abschnitt 75% aus dem Feld trafen und für insgesamt 18 Freiwurfversuche an die Linie durften.

Die Thunder Big Three erwischten nicht ihren besten Tag. Zwar erzielten Kevin Durant (27), James Harden (19) und Russell Westbrook (17) insgesamt 63 Punkte, trafen aber nur 22 ihrer 57 aus dem Feld. Westbrook und Harden schossen gerade mal zwei Freiwürfe. Durant war zwar über weite Strecken und vor allem im dritten Abschnitt im Biestmodus, traf aber im letzten Spielabschnitt keinen einzigen Wurf aus dem Feld. Da muss in Spiel zwei mehr kommen, vor allem von Westbrook.

Stephen Jackson, Kawhi Leonard und Gary Neal waren wichtige Faktoren bei den Spurs. Jackson übernahm vor allem im Schlussviertel ganz viel Verantwortung in der Defensive und checkte Durant, den er häufig ins Double-Team oder zu schwierigen Würfen/Drives gegen Help-Verteidigung zwang. Dazu gesellte sich ein riesiger Dreier zum vorentscheidenden 91-84. Leonard verteidigte Durant über drei Viertel und griff sich neben seinen sieben Punkten auch noch sieben Rebounds. Und Neal kam furchtlos von der Bank und überzeugte seinen Coach mit zwei Dreiern und zwölf Punkten - und trotz eines völlig verwirrten, langen Pullup Dreiers bei 20 Sekunden auf der Shotclock, der Popovich zur Weissglut brachte.

Die potenteste Spurs-Lineup im Spiel war Duncan-Jackson-Ginobili-Neal-Parker. Captain Jack wich auf Power Forward aus und konterte so die small ball Aufstellung der Thunder. Diese Formation traf 8-11 aus dem Spiel und erzielte explosive 27 Punkte in gerade mal acht Minuten auf dem Feld.

In dieser Phase machte sich die mangelnde Erfahrung eines Scott Brooks bemerkbar, der früh von Serge Ibaka weg gegangen war, um seine Scorer auf's Parkett zu bringen und auch den heissen Derek Fisher einsetzen wollte, der insgesamt 13 Punkte erzielte und seine ersten sechs Würfe traf. Dadurch büssten die Thunder aber im Rebounding zuviel ein (50-43 San Antonio) und gestatteten den Gastgebern ohne die Gefahr ihres besten Shotblockers unglaubliche 50 Punkte in der Zone. Mein Vorschlag für Spiel zwei: wenn schon small ball, dann mit Ibaka auf der Fünf.

Auf der Gegenseite: der Meister bei seiner Arbeit. Dank einer perfekt eingefangenen Mic'd Up Sequenz konnte man den Wendepunkt im Spiel an der Seitenlinie bestens mitverfolgen. Gregg Popovich war zwar stinksauer auf seine Mannschaft, aber er blieb cool, liess sie in der Auszeit wissen, dass es nicht einfach sein könnte im Conference Finale, dass der Weg natürlich immer schwerer wird, und dass sie ihre Hässlichkeit wieder finden müssten. Gesagt, getan. Die Spurs leisteten sich nur drei Ballverluste in Halbzeit zwei und drängten die zuvor selbstbewussten Thunder Stück für Stück zurück an die Wand. Die liefen kaum noch einen vollen Angriffsspielzug zu Ende, als es spät eng wurde. Hier liegt die grösste Stärke der Spurs: sie vertrauen ihrem Anführer an der Linie, geraten nie in Panik und spielen über 48 Minuten ihren Stiefel herunter. Und führen jetzt...

Mit ihrem 19. Sieg in Folge bleiben die Spurs auf Rekordkurs. Noch einen mehr, und sie werden als eine von nur vier Mannschaften mit mindestens 20 Siegen in Folge in die Annalen eingehen. Und: seit den Los Angeles Lakers 2001 (11 Ws in Folge) hat kein anderes Team mehrere Playoff-Partien zum Auftakt gewonnen als diese Spurs, die in der Postseason 2012 immer noch ungeschlagen sind. Spiel zwei steigt am Dienstag. Ich bin gespannt, ob die Thunder die nötigen Anpassungen vornehmen können, oder ob San Antonio bis dahin schon wieder viel zu eingespielt ist.