27 Mai 2012


San Antonio gegen Oklahoma City - die Monster-Serie, auf die wir alle schon seit Januar gewartet haben! Das Aufeinandertreffen der beiden besten Teams dieser Saison verspricht ebenso spektakulär wie spannend zu werden. Nicht nur, weil sich die mit Abstand besten Offensiven des Jahres die Ehre geben (Spurs Platz eins mit 108.5 Off. Eff., Thunder Platz zwei mit 107.1). Oder weil beide Teams in den Playoffs, wo das Scoring routinemässig sinkt, sogar noch ein paar Schippen drauf legten und den Rest der Western Conference pulverisierten (gemeinsame Bilanz bisher: 16-1 Siege). Sondern auch, weil die Parallelen zwischen beiden "small market Franchises" so vielfältig und offensichtlich sind. Beide verfügen über die wohl besten Chefetagen im Basketball und exzellente Programme, die grösser sind als die jeweiligen Individuen - so, wie es eben sein sollte. Die Männer hinter den Kulissen in Oklahoma (Besitzer Clay Bennett, GM Sam Presti, Assistant GM Troy Weaver) waren früher allesamt mit Gregg Popovich's Spurs assoziiert. Beide Mannschaften bestechen dank der entspanntesten Superstars im Game (Durant/Duncan), explosiven Point Guards (Westbrook/Parker) und den besten Ersatzspielern der Liga (Harden/Ginobili). Und beide spielen das Spiel so, wie es gespielt werden sollte - uneigennützig, hart und mit einer grossen Portion Leidenschaft. Für mich faszinierend ist die Tatsache, dass sich beide früher als Defensiv-Teams einen Namen machten, bevor sie 2012 mit High Speed Basketball die NBA-Landschaft auf den Kopf stellten. Die Spurs greifen unter Popovich nach ihrem fünften Titel, die jungen Thunder wollen ihren Gipfelsturm fortsetzen und die neue Ära im Westen zementieren. Was würde sich dazu besser eignen als ein Sieg gegen San Antonio, grosses Vorbild und neben Dallas und den LA Lakers dritter und einziger NBA-Champ aus der Western Conference während der letzten 17 Jahre. Die Spurs dominierten heuer gegen OKC, gewannen zwei von drei Partien deutlich und schonten bei der einzigen Niederlage ihre Topstars. Ohnehin sollten die massiven Schwierigkeiten (2-8) in den direkten Vergleichen seit '09 den Thunder zu denken geben.


Stärken/Schwächen

Das grösste Problem für die Thunder - und da können sie sich damit trösten, dass das allen anderen Teams genauso erging - ist San Antonio's perfekt geölte Offensivmaschinerie. Die Spurs haben ein geradezu lächerliches Effizienzlevel erreicht. Abgesehen davon, dass sie nur noch zwei Siege davon entfernt sind, eine von nur vier Mannschaften in der NBA-Geschichte mit 20 oder mehr Ws in Folge zu werden, ist ihre Off. Eff. im Zeitraum ihres aktuellen 29-2 Laufs mehr als 15 Punkte höher als die ihrer Gegner. Das schafften nicht einmal MJ's Chicago Bulls. Ist Oklahoma City stark genug, um den unheimlichen Spurs-Run endlich zu stoppen? Gewiss. Aber es dürfte schwer sein, die Texaner vier mal in sieben Partien zu schlagen. Die haben ein perfekt operierendes Offensivsystem etabliert, das auf Spacing, Passspiel und komplexen Laufwegen beruht und von All-Star Guard Tony Parker angetrieben wird. Gepaart mit tödlichen Schützen und der besten Dreipunktequote der Liga (39%) walzt der Spurs-Mähdrescher alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt. Die Spurs gewannen gegen OKC recht ungefährdet, obwohl Ginobili verletzt war und bevor sie den Kader via Trades verstärkten. Ihre Offensive agiert gegen die junge, hektische Thunder-Defensive, die sich vor allem auf die Zone und Mitte des Courts konzentriert, noch effizienter und punktet mit Leichtigkeit. Ich habe mir alle drei Partien im Schnelldurchlauf noch einmal angesehen: San Antonio scorte häufig aus den Ecken (eine Spezialität im Popovich'schen Spielsystem) oder durch Parker-Drives direkt zum Ring (42 Punkte für den Franzosen in Spiel zwei). Und das mit einer atemberaubenden Leichtigkeit.

Während das Defensivproblem gegen den schwarz-weissen Offensivexpress für Scott Brooks und seine junge Mannschaft nur schwer in den Griff zu bekommen sein wird, kann Oklahoma seine offensichtlichen Vorteile in anderen Aspekten des Spiels nutzen. Die Thunder sind jünger, athletischer und explosiver. Das fängt bei Russell Westbrook an, der gegen die Lakers 25.6 Punkte pro Spiel erzielte und gegen Parker ebenso aggressiv sein muss, um dem Franzosen Paroli zu bieten. Kevin Durant ist der beste Scorer der NBA und kann von niemandem auch nur ansatzweise neutralisiert werden. Die Art, wie er mittlerweile zwischen Agitator und Moderator mühelos hin und her wechselt, gehört zu den faszinierendsten in-game Beobachtungsaufgaben eines jeden League Pass Besitzers. Nimmt man noch James Harden hinzu, den besten Spielmacher im Team, der auf dem Weg zum Korb tun und lassen kann, was er will, wird schnell klar, warum 29 Teams das unausweichliche "Donnerblitzen" fürchten: man weiss, dass es kommt, man weiss nur nicht, wann. Die Rede ist von jenen unausweichlichen vier bis fünf Minuten pro Spiel, in denen das individuelle Talent der drei Topstars synergetische Effekte entfaltet und einen unaufhaltsamen Run erzeugt - so, wie das auch gegen Dallas und LA mehrfach der Fall war. Die Defensive ist alles andere als optimal, aber sie ist solide (Platz neun), forciert Turnovers und bekämpft den Gegner am Ring unerbittlich.


Matchup-Vorteile

PG: -
SG: -
SF: Thunder
PF: -
C: -
Bank: Spurs
Coach: Spurs


Prognose

Die beste Figur machte Oklahoma City gegen San Antonio immer mit einer kleinen Lineup. Heisst im Klartext: Kevin Durant auf die Vier, Perkins oder Ibaka auf die Bank. Nicht nur, dass man so noch schneller spielen kann, man schafft es auch, seine drei besten Offensivoptionen (Durant, Westbrook, Harden) auf den Platz zu stellen und gleichzeitig einen ineffektiven Big Man abzuziehen. San Antonio ist meisterhaft darin, sich auf die jeweiligen Offensivoptionen zu konzentrieren und vernachlässigt alles, was keine direkte Korbgefahr ausstrahlt. Eine weitere Möglichkeit für Brooks: einen extra Dreierschützen aufstellen, um die Spurs-D auseinander zu ziehen und Freiräume zu schaffen. Insgesamt wird OKC aber zu sehr von seinen Stars abhängen, um vier von sieben Partien gegen den grossen Championship-Favoriten zu gewinnen. San Antonio ballert nicht nur vorne die Lichter aus, sondern kontrolliert auch die defensiven Bretter besser als jedes andere NBA-Team (Platz 1 bei der Defensiv-Rebound-Rate mit 76.0). Dazu noch die zweitwenigsten Fouls und zweitwenigsten gestatteten Freiwürfe aller NBA-Teams, und es wird deutlich, warum Oklahoma City sich an den Spurs die Zähne ausbeissen wird. Die Spurs-Bank ist tiefer und besser und die Teamdynamik verlässlicher. Die Mannschaft von Coach of the Year Popovich hat im heimischen AT&T Center seit dem 12. März nur ein einziges mal verloren - und übrigens Heimvorteil in diesem Duell. Ich will die individuelle Brillanz der Oklahoma Big Three nicht kleinreden - man hat im Osten gesehen, wie schnell Superstars die Komplexität einer Serie verändern können. Und wer weiss, ob das Script ("Young Guns kämpfen sich durch alle West-Champs seit 1995 hindurch und erreichen wie vorgesehen den Gipfel gegen die alten Lehrmeister") nicht zu perfekt ist, um nicht genau so über die Bühne zu gehen. Aber ich habe die letzten 12 Spurs-Siege live gesehen. San Antonio ist ein 450 km/h Rasenmäher, den in dieser Saison niemand aufhält.

nbachef meint: Spurs in 7