15 Mai 2012



Chris Paul und Tony Parker sind die Protagonisten in einer de facto Neuauflage des Western Conference Semifinals von 2008, damals noch zwischen San Antonio und den New Orleans Hornets. Die Texaner sind die hohen Favoriten, Paul's Team der klare Underdog. Die Spurs triumphierten damals zwar in sieben hart umkämpften Partien, konnten aber schonmal einen ersten Blick darauf werfen, was CP3 in den Playoffs zu leisten imstande ist. In diesem Jahr führte der kleine General seine LA Clippers zur besten Siegesquote aller Zeiten und mit 4-3 gegen die besser platzierten Grizzlies zur zweiten Halbfinal-Teilnahme seit dem Franchise-Umzug nach Kalifornien vor fast 40 Jahren. Paul's 19 Punkte und 9 Assists im entscheidenden siebten Spiel am Sonntag beendeten die Serie gegen Memphis und brachte den Spurs nach über einer Woche Wartezeit endlich Gewissheit über deren nächsten Gegner. San Antonio machte mit Utah derweil kurzen Prozess, gewann seine Serie 4-0 und sein insgesamt 14. Spiel in Folge. Das Team von Coach of the Year Greg Popovich hat jetzt seit über einem Monat nicht mehr verloren (11. April), 27 seiner letzten 29 Partien gewonnen und seit Ende Januar 42 von 49 eingesackt. Durchschnittliche Punktedifferenz während der aktuellen Winning Streak: 18. Zu behaupten, die physisch angeschlagenen Clippers würden auf eine gut geölte Offensivmaschine in Bestform treffen, wäre also einen Untertreibung.


Stärken/Schwächen

Die Spurs gewannen schon während der regulären Saison zwei der drei Saisonduelle mit den Clippers. Bei der einzigen Niederlage war Tony Parker nicht mit von der Partie - das allein reicht schon, um den Wert des kleinen Wirbelwinds für die Texaner zu unterstreichen. Popovich hebt immer wieder hervor, dass der Franzose seine bisher beste Profisaison spielt, und wenn Pop das sagt, dann ist das natürlich auch so: 18.3 PPG und 7.7 APG erzielte Parker bisher im Schnitt, gegen Utah waren es sogar 21 PPG bei 50% aus dem Feld. Sein fünfter Platz bei den neuesten MVP-Wahl vor einigen Tagen bestätigt das Bild, das man schon seit Dezember von den Spurs hat: Parker ist der Motor, der dieses Team antreibt. Dank seinem Turbo im Transition-Spiel und als Schöpfer im Halfcourt-Set schafft er es immer wieder, in die Tiefe der Verteidigung, also in die Zone, vorzudringen, wo er entweder selbst abschliesst oder eine Pass-Reaktionskette in Gang setzt, die meist mit einem freien Dreier endet. So kommt die beste Offensive der Liga (108.5 Offensive Efficiency) ins Rollen und kann nur selten aufgehalten werden. Neben Parker haben die Spurs ja noch ihren dreimaligen Finals-MVP Tim Duncan und einen der nach wie vor besten Ersatzspieler, Manu Ginobili. Überhaupt, die Ersatzspieler: die späten Additionen von Boris Diaw und Stephen Jackson verstärkten die beste Reservebank der Liga im März zusätzlich und machten San Antonio so endgültig zum tiefsten Kader weit und breit. Gleich zehn Spieler erzielen neun oder mehr Punkte pro Partie - ein Luxus, den Popovich auch in den Playoffs auszunutzen gedenkt: "Unsere Tiefe war schon die gesamte Saison über das Markenzeichen dieser Mannschaft, und ich sehe überhaupt keinen Grund, warum ich jetzt etwas ändern sollte, was so gut funktioniert hat."

Die Clippers setzen vor allem auf ihr All-Star Duo Griffin und Paul. Das Thema Paul wurde in den vergangenen Wochen zu Genüge thematisiert. Wer den besten Spielmacher der Liga nicht als bisherigen Playoffs-MVP sieht, sollte dringend seine Pillenration erhöhen lassen. Paul erzielte in den regulären Duellen gegen San Antonio 22.3 Punkte und 8.7 Assists im Schnitt und wird ähnliche Zahlen auflegen müssen, damit sein Team eine echte Chance hat. Auch von Griffin hängt viel ab. Der wird es vermehrt mit Tim Duncan und Boris Diaw zu tun bekommen, entgegen der regulären Saison, wo er meist von DeJuan Blair verteidigt wurde, der aber kaum noch spielt. Sowohl gegen Duncan als auch gegen Diaw muss BG seine Athletik ausnutzen, sofern ihm sein lädiertes Knie das gestattet. Ebenfalls gefordert ist die Ersatzbank der Clippers. Beim 120-108 im März traf Mo Williams gleich sieben Dreier. Er, Nick Young und Randy Foye müssen von draussen einstreuen, um die Spurs-Defensive zu beschäftigen und den Druck von Paul zu nehmen, dem sicherlich ein Grossteil der Aufmerksamkeit zuteil werden wird. Die Probleme fangen wie so oft an der Seitenlinie an, wo ich Vinny del Negro einfach nicht zutraue, die notwendigen Anpassungen vornehmen zu können, die ihm Popovich's taktische Sperenzchen abverlangen werden. Zwei weitere Signallampen: obwohl Parker und Paul es nur selten direkt miteinander zu tun bekamen, konnte LAC den Spurs-Guard nie stoppen, während CP3 von San Antonio recht erfolgreich neutralisiert wurde. Passiert das in dieser Serie wieder, gehen die Clippers unter. Zumal sie über die viert-schlechteste Defensive gegen den Dreier verfügen. Das beste Dreier-Team der gesamten NBA? Rein zufällig die San Antonio Spurs (39.3% von draussen).


Matchup-Vorteile

PG: -
SG: Spurs
SF: -
PF: -
C: Spurs
Bank: Spurs
Coach: Spurs


Prognose

Die Clippers haben eine kleine Chance. San Antonio hat Probleme, wenn es das Pick & Roll verteidigen muss und kassierte die meisten Punkte von ballführenden Spielern direkt nach einem Screen. Paul ist ein Meister darin, die gegnerische Defense auszunutzen und dank des besten Ballhandlings im Game der wohl beste P&R Guard weit und breit. So kamen die Clippers auch auf eine offensive Effizienz von 107.2 gegen San Antonio in der regulären Saison. Ich gehe aber stark davon aus, dass Popovich sich extra dafür schon einiges hat einfallen lassen, sei es eine Art Tunnel, der Paul abdrängt, einen extra Trap-Verteidiger, der ihn zwingt, den Ball abzugeben, oder seine patentierte "Anti-Suns" Taktik aus früheren Tagen, als er Steve Nash beliebig freie Würfe gestattete, aber sein Playmaking komplett neutralisierte. Los Angeles hat mehr drauf als Utah, mehr Waffen aus der Distanz, kann schneller spielen und hat bessere Stars. Wenn die Clippers das Spiel bis ins Vierte eng halten können, bringt sie Paul nach Hause. Ansonsten ist San Antonio mindestens drei Nummern zu gross für den überforderten Anti-Taktiker del Negro, der gegen seinen alten Coach und Mentor Popovich kein Land sehen wird. Die Spurs werden das Tempo anziehen, das Pick & Roll auf Dauerschleife spielen und einen freien Dreier nach dem anderen löten. 48 Minuten höllisches Offensivfeuerwerk, für das die Clippers in diesem Jahr zu müde, zu einseitig und zu schlecht gecoacht sind.

nbachef meint: Spurs in 5