26 Juni 2012


Was macht man sich aus Andre Drummond, dem talentiertesten Big Man der 2012er Klasse? In fünf bis zehn Jahren, wenn man auf den kommenden Donnerstag zurück blickt, wird sich der Center entweder als grösste Enttäuschung des Jahrgangs heraus kristallisiert haben. Oder eben als grösster Steal. Kaum ein Big Man kam in den letzten Jahren mit mehr Fragezeichen in die Liga als der 18-Jährige von der Universität Connecticut. Und kaum einer hatte einen höheren Plafond. Sein gigantischer 2,11m Körper, gepaart mit unglaublicher Mobilität, Athletik und einer gewissen Leichtigkeit im Bewegungsfluss, machen aus Drummond einen potentiellen NBA-Superstar. Er ist gross und kräftig und kann den Bereich unter den Körben instinktiv ganz für sich einnehmen. Mit einer Spannweite von über 2,30 Metern und einer immensen Sprungkraft greift er Rebounds mit Leichtigkeit und schickt viele Würfe in den Äther zurück (2.7 BPG). Er kann Fast Breaks einleiten, die er dann dank seiner Grundschnelligkeit und Gefahr im Luftraum als Trailer hochprozentig abschliesst. Seine Defense wird ihm zu Beginn seiner Karriere die meiste Spielzeit verschaffen, weil er nicht nur als Staubsauger unter dem Ring nützlich ist, sondern vor allem das Pick & Roll mit schnellen Sidesteps neutralisieren kann - sehr selten bei Big Men, vor allem bei jungen. Insgesamt verfügt Drummond über ein zwar ausbaufähiges, aber grundsolides Spielverständnis in der Nahdistanz und ist in direkter Ringnähe - erdgebunden oder in luftigen Höhen - dank seiner Athletik nicht aufzuhalten.

12 - Andre Drummond

Jahrgang: 1993
College: UConn Huskies (Freshman)
Größe/Gewicht: 2,11m/123 kg
Position: C
Stats: 10.0 Pts, 7.6 Reb, 2.7 Blk, 53.8% FG
Stärken: Athletik, Schnelligkeit, Grösse, Kraft, Pick & Roll Defense, Shotblocking, Offensivrebound
Schwächen: Offensive, keine Moves, schlechter Wurf, FT%, Antrieb, Defensivrebound, Konzentration, Spielverständnis
Best Case Vergleich: Dwight Howard







Wenn Drummond dieser potentiell dominante Big Man ist, wieso sabbern die Head Scouts dann nicht um die Wette bei seinem Anblick? Das Stichwort ist Offense. Drummond hat keine einzige Angriffsbewegung in seinem Arsenal. Kein back to the basket Spiel, kein Wurfgefühl, und generell keine Ahnung, wie gute Offensive aussieht. Zu behaupten, dass er roher als frisch gelegte Eier ist, wäre eine Untertreibung. Er kann keinen eigenen Wurf kreieren und wurde im Post so gut wie nie eingesetzt. Seine Freiwurfquote lag bei 29%, wenngleich seine Wurfform kein hoffnungsloser Fall ist. Grosse Fragezeichen stehen ausserdem hinter seinem Willen und seiner Einstellung. Wann immer ich UConn letztes Jahr spielen sah, wechselten sich "Oh mein Gott Drummond ist ein echtes Biest" Momente im Eiltempo mit "Ach, der spielt ja auch noch mit, total vergessen!" Ernüchterung ab. Einer wie er müsste schon aus Prinzip mindestens zehn Rebounds pro Spiel pflücken, aber er vergisst oft, auszuboxen und verlässt sich ausschliesslich auf seine Länge und Athletik. Mit viel Geduld und Training sind all diese Makel ausmerzbar. Wer auch immer den jungen Center draftet, darf keine sofortigen Dividenden erwarten. Er ist noch mindestens drei Jahre davon entfernt, sein Potential auch nur ansatzweise anzuzapfen. Das Worst Case Szenario (Olowokandi, Oden, Kwame, Darko, Bowie) droht ihn auf Schritt und Tritt zu verfolgen, aber Teams werden ab einem gewissen Pick über die Risiken hinweg sehen, weil die potentielle Gewinnspanne so ungleich viel höher liegt. Portland, Golden State, Detroit, New Orleans und Charlotte sind stark an Drummond interessiert und könnten voller Hoffnung zuschlagen, nachdem die besten fünf Spieler über die Theke gegangen sind.

Prognose: Pick 5 bis 10