26 Juni 2012


Kein Spieler sank in der letzten Saison in der Gunst der Scouts und Manager mehr als Harrison Barnes. Noch vor einem Jahr wäre der 20-Jährige wohl an Nummer zwei über die Ladentheke gegangen. Und das, nachdem er bereits während seiner Freshman-Saison in North Carolina viel vom Glanz eingebüsst hatte, der ihn noch auf der High School scheinen liess. Damals drängte er sich der Basketballwelt noch beim McDonald's All-American Game, dem Jordan Brand Classic und dem Hoop Summit als kommender Megastar auf, während man Vergleiche mit Kobe Bryant und LeBron James bemühte. Auf dem College, als er hoffnungslos überforderte Gegner nicht mehr nach Belieben dominieren konnte, bemerkten viele dann, dass Barnes vor allem mit einem Aspekt seines Spiels massive Probleme hat: er kann sich kaum den eigenen Wurf kreieren. Diese Schwäche wurde umso offensichtlicher, als der etatmässige Point Guard Kendall Marshall verletzt ausfiel und Barnes nicht mehr in Szene setzen konnte. Dabei ist sein Jumpshot eigentlich seine grösste Stärke. Aus der Mitteldistanz, egal ob als Spot-up Schütze oder nach dem kurzen Dribbling, trifft er meist traumhaft sicher - eine Begabung, die ihm auch in der NBA zugute kommen wird. Ebenso wie seine Defense, die zwar nicht auf Kidd-Gilchrist-Niveau, aber dank seiner Körperlänge, Kraft und vorbildlichen Einstellung am hinteren Ende des Courts immer noch überdurchschnittlich gut ist.

40 - Harrison Barnes

Jahrgang: 1992
College: North Carolina Tar Heels (Sophomore)
Größe/Gewicht: 2,04m/102 kg
Position: SF
Stats: 17.1 Pts, 5.2 Reb, 1.1 Stl, 44% FG, 36% Dreier
Stärken: Jumpshot, Midrange-Spiel, Basketball-IQ, Fundamentals, Athletik
Schwächen: eindimensional, Perimeter-Spiel, Explosivität, Beinarbeit, kein Führungsspieler
Best Case Vergleich: Glen Rice








Dicke Fragezeichen stehen aber hinter seinem Spiel am Perimeter (sein Dribbling ist oft ziellos und nicht effektiv genug, woraus im Endeffekt auch seine grossen Probleme im Eins gegen Eins herrühren) sowie seiner Fähigkeit, im Low Post auf Dauer zu bestehen. Obwohl er letzteres gegen schwächere Gegner auf der High School und auch in Chapel Hill meistens effektiv hinbekam, fehlen ihm für das NBA-Spiel down low die nötigen Pfunde und die richtige Beinarbeit. Mangelnde Explosivität im Antritt und mid-air auf dem Weg zum Ring tun ihr Übriges. Barnes' Spiel ist eher smooth als brachial - was auch zu seiner Persönlichkeit passt, die sich lieber anpasst, als zu dominieren. Seine Basis, also sein Worst Case Szenario, liegt allerdings immer noch über dem durchschnittlichen NBA-Starter Niveau, mit Raum für Verbesserungen. Alles in allem erhält ein Team im mittleren Lotterie-Bereich mit Barnes eine Chance auf einen talentierten und potentiell vielseitigen Small Forward mit einem guten Wurf, der in einigen Jahren zu einer effektiven zweiten oder dritten Angriffsoption heran reifen kann. Was Barnes allerdings nicht schaffen wird, ist einen Club als Franchise-Anker im Alleingang aus den Niederungen der Tabelle hinauf zu tragen.

Prognose: Pick 4 bis 8