14 Juni 2012


Viel wurde geredet in den letzten 20 Jahren über das Dream Team, jene legendäre Ansammlung von Megastars, die im Sommer 1992 den Basketballsport für immer revolutionierte. Es war meist Hören-Sagen, das die unfassbaren Geschichten von Generation zu Generation, von Fan zu Fan weiter transportierte, auch, weil es nur wenig bis gar kein Videomaterial zum Thema gab. Die Kameras waren noch klein, die Bilder niedrig auflösend, die Berichterstattung im Vergleich zu heute spärlich. Man stellte sich meist vor, wie es gewesen sein könnte, wie das bei Märchengeschichten eben so üblich ist.

Allerhöchste Zeit also, die Truppe endlich angemessen zu honorieren, dachte sich die Basketball Association. Anlässlich des 20. Geburtstags der Dream Teams übertrug NBATV gestern live und exklusiv die lang erwartete Doku 'The Dream Team'. Ich will nicht zuviel versprechen, aber: ich hatte 90 Minuten lang Gänsehaut, als ich den Streifen live miterlebte. Vielleicht, weil mich der Film mit zurück nahm zu den Anfängen, zur Stunde null sozusagen, dem Moment, der alles ins Rollen brachte. Die involvierten Charaktere - insgesamt 11 Hall of Famer - muten heutzutage an wie Cartoons aus einem parallelen Superhelden-Universum, ebenso wie die olympischen Boxscores mit durchschnittlich fünf Millionen Punkten Vorsprung. Es war diese Surrealität und die transzendente Unsterblichkeit von Spielern wie Michael Jordan, Magic Johnson und Larry Bird, die uns dieses gesamte Kapitel Zeitgeschichte wie eine Illusion vorkamen liess...bis gestern.

Der Streifen nimmt einen mit in ein völlig anderes Zeitalter und rückt die Protagonisten in ein geradezu heroisches Licht - ohne dabei pathetisch und überzeichnet zu wirken. Sie waren Helden, und das transportiert der Film angemessen. Eine simple Hommage an die Gründerväter der globalen Marke NBA, ohne die der Sport heute nicht das wäre, was wir in ihm sehen. Subjektive Vor- und Nachteile inklusive. Die Spiele an sich stehen nicht im Mittelpunkt, und das ist auch vollkommen okay. Der Film beleuchtet statt dessen den Selektionsprozess, die anfängliche Abneigung von MJ, die sofortige Zustimmung von Magic, und profitiert von einer erfrischenden Ehrlichkeit der Megastars, die den Machern stundenlang und bereitwillig Details verrieten, von denen vorher niemand etwas gewusst hatte.

Er offenbart das Genie eines Chuck Daly, der als Head Coach das allererste Scrimmage gegen eine Auswahl von College-Boys sabotierte (die einzige Niederlage, die das Dream Team jemals hinnehmen musste), um seine Staransammlung auf den Worst Case vorzubereiten. Er folgt einem nie schlafenden Michael Jordan in die Casinos von Monte Carlo und John Stockton als 08/15 Touristen auf die Ramblas von Barcelona, wo ihn kein Mensch erkennt. Er porträtiert Charles Barkley als dreckigsten und zugleich charismatischsten Spieler des Teams und bringt Snippets des wohl besten Basketball-Games, das je gespielt wurde: ein unerbittliches Trainingsspiel zwischen MJ's Eastern All-Stars und Magic's West-Team. MJ gegen Magic. Barkley gegen Malone. Ewing gegen Robinson. Jeder wollte jeden kalt machen, ihn bei lebendigem Leibe auffressen. Das war die Schönheit jener Zeit: dreckiger Trash Talk, bittere On-Court Rivalitäten, und aus dem Konflikt erwachsend schliesslich echte Freundschaften, die ein Leben lang anhielten.

Wie gesagt, ein faszinierendes Stück Zeitgeschichte, ein 90-minütiger Basketball-Porno, der gerne zehn mal so lang hätte sein können. Ein kleiner Einblick in das beste und faszinierendste Sportteam, das die Menschheit jemals gesehen hat. So etwas wird es nie wieder geben. Und allein das macht den Film so einzigartig.