20 Juni 2012




Nachdem es zunächst den Anschein hatte, als müssten wir bis zum Draft-Abend warten, um die ersten Deals der neuen Spielzeit über Bühne gehen zu sehen, stiessen die New Orleans Hornets und Washington Wizards schon heute auf die mit Spannung erwartete Trade-Saison an. Emeka Okafor und Trevor Ariza wechseln im Tausch für Rashard Lewis und einen Zweitrundenpick im diesjährigen Draft (Nummer 46) von New Orleans nach Washington. Die Ramifikationen des Deals sind schnell entwirrt.

Obwohl New Orleans auf den ersten Blick vielleicht wie der grosse Verlierer des Deals anmutet, muss man genauer hinsehen. Ja, die Hornets verlieren mit Okafor (29 Jahre) und Ariza (26) zwei Starter und damit einen grossen Teil der letztjährigen On-Court Produktivität. Aber die Weichen im Bayou sind ganz klar auf Zukunft gestellt. Der Chris Paul Trade vor einem halben Jahr brachte das Unvermeidliche ins Rollen: den Rebuild. Der Verkauf des Clubs an den neuen Besitzer Tom Benson ist seit wenigen Tagen abgeschlossen, die Auswahl von Anthony Davis mit dem 1. Pick in einer Woche nur noch Formsache. Was nicht mehr ins langfristige Konzept passt, wird aussortiert. Erst recht, wenn die Spieler - wie Okafor und Ariza - langjährige Verträge haben und zusammen mehr als 20 Millionen Dollar pro Jahr verdienen (insgesamt fallen für beide noch knapp 43 Millionen bis 2013/14 an). Der Clou: mit Davis werden die Hornissen in der Lage sein, Okafor's Produktivität (Karriere 12.7 Punkte, 10.1 Rebounds and 1.8 Blocks) fast auf Anhieb vollständig zu ersetzen, zu einem weitaus günstigeren Preis. Ariza, den es jetzt schon zu seinem sechsten NBA-Team zieht, kam in seinen zwei Jahren in New Orleans nicht über 41.7% aus dem Feld hinaus. Mit dem 10. Pick im Draft, den die Hornets ebenfalls besitzen, ist ein Upgrade ebenfalls schnell gefunden.

Besonders vorteilhaft wird der Trade für NO aber erst durch die Variable Rashard Lewis. Der ehemalige All-Star Forward (2009) hat seine Effektivität auf dem Basketballcourt längst eingebüsst. Er ist zwar erst 32, wirkt aber wie 62. Mit mageren 7.8 PPG und horrenden Quoten (38.5% aus dem Feld, 28.9% von Downtown) war der ehemalige beste Dreierwerfer der Liga zuletzt nur noch ein Schatten seiner Selbst. Eine Teamoption in seinem monströsen Vertrag (einer der schlechtesten Deals aller Zeiten) erlaubt es, ihn für 13.9 Millionen $ heraus zu kaufen. Geschieht das nicht vor dem 1. Juli, kickert das letzte Jahr seines damals abgeschlossenen Sechs-Jahres Vertrags für 23 Millionen in 2012/13. Die Hornets werden natürlich in den nächsten Tagen ihre Buyout-Option ziehen und summa summarum (siehe oben) knapp 30 Millionen Dollar einsparen. Mit dem freigeschaufelten Platz unter dem Salary Cap und vielen freien Roster-Spots lässt sich nun, ganz nach Wunsch, das neue Team um Anthony Davis und Free Agent Eric Gordon zusammen stellen (dem man sicherlich jeden nur erdenklichen FA-Cent hinterher schmeissen wird, um ihn zu halten). Chris Kaman und Carl Landry sind ebenfalls Free Agents. Jarrett Jack (5.4 Mio $) ist der teuerste verbliebene Kaderspieler. New Orleans wird entweder in diesem Sommer nach ein paar brauchbaren Free Agents shoppen, oder in '12/13 seine Youngster entwickeln und sich den Cap Space für einen Einfaufsrausch in 2013 aufbewahren, wenn unter anderem Chris Paul, Dwight Howard, Josh Smith, Stephen Curry, Ty Lawson, James Harden, Serge Ibaka, Andrew Bynum, Tyreke Evans, Monta Ellis, Al Jefferson, Paul Millsap und DeSagana Diop verfügbar werden.

Die Wizards hingegen gehen mit ihrem aktuellen Kader all-in und wollen so ihren Star John Wall nach zwei durchwachsenen Jahren endlich unter die Point Guard Elite hieven. Nachdem die jungen/funktionsgesteuerten Hauptstadt-Zauberer und unzählige teaminterne Turbulenzen der Entwicklung des explosiven Spielmachers im Wege standen, beschloss das Management, dass man Wall mit erfahrenen Veteranen umgeben müsste, um seine natürlichen Instinkte (Scoring und Playmaking) besser zu entfalten. Nachdem man im März bereits Nene aus Denver holte, bindet man sich jetzt mit Okafor und Ariza zwei weitere erfahrene, wenngleich unspektakuläre Profis ans Bein. Okafor und Nene, die sich den Frontcourt untereinander aufteilen werden, spielen beide ähnlich - in der unteren Box nahe am Korb und auf der Jagd nach Offensivrebounds - und überlappen sich eigentlich mit ihren Skills. Ariza könnte auf dem Flügel recht viel Spielzeit abstauben, steht aber - wie die anderen Veteranen auch - der Entwicklung junger Hoffnungsträger wie Jan Vesely, Trevor Booker oder Kevin Seraphin etwas im Weg. Der Trade dient auch als recht sicherer Indikator für die Richtung, die die Wizards mit ihrem 3. Pick im Draft einschlagen werden. Obwohl ohnehin bereits weitläufig angenommen, gibt es an Florida Gators Shooting Guard Bradley Beal nun keinen Weg mehr vorbei (es sei denn, die Bobcats schnappen sich Beal an der Zwei).

Ein Wall-Beal-Ariza-Nene-Okafor Nukleus sieht auf dem Papier und vermutlich dann auch auf dem Platz viel besser aus als alles, was die Wiz in der Wall-Ära bisher auf's Parkett schickten. Die Frage bleibt gestattet, ob man in der Hauptstadt glaubt, dass man so einen ernsthaften Playoff-Contender stellen kann. Wenngleich man sicherlich um die Plätze mitspielen wird, sind mindestens sechs Teams im Osten bereits gesetzt. Der Raum für Fehler ist also minimal. Führt man sich dann noch vor Augen, dass der Cap jetzt aufgebraucht ist (es sei denn, man schmeisst Andray Blatche aus dem Fenster) und man diesen Kern frühestens 2014 wieder auflösen kann (eine immer noch weit verbreitete, aber falsche Annahme ist, dass jeder Spieler im Kader amnestiert werden kann. Die Amnesty-Klausel kann aber nur auf Spieler angewendet werden, die zum Beschlusszeitpunkt des neuen CBA, also vor der Saison 2011/12, bereits im Kader waren), wird schnell klar, wo hier das finanzielle und sportliche Risiko für Washington liegt. Die Abkürzung am organischen Rebuild-Prozess vorbei kann zwar Dividenden abwerfen, vor allem wenn sich Wall dadurch im Eiltempo entwickelt. Aber sie kann auch fehl schlagen. In Washington ist Zweiteres eher die Norm.


nbachef meint: Vorteil New Orleans