27 Juni 2012




Charlotte und Detroit haben sich am späten Dienstag Abend auf einen Tauschhandel geeinigt: Shooting Guard Ben Gordon wechselt zusammen mit einem künftigen Erstrundenpick zu den Bobcats. Im Gegenzug kommt Small Forward Corey Maggette nach Motown.

Gordon füllt bei den Rotluchsen auf Anhieb eine wichtige Position aus, die in den letzten Jahren unterbesetzt war und mit zur sportlichen Misere beigetragen hatte: Shooting. "Die Fähigkeit, den Dreier zu treffen ist für Teams immens wichtig", sagte der neue Head Coach der Bobcats, Mike Dunlap. "Sie erlaubt es, auch im Interieur zu spielen. Ohne Shooting kann sich die Defensive zurück ziehen und einfach die Zone dicht machen. Es ist immer gut, ein paar Schützen parat zu haben."

Mit "Schütze" ist das Spiel von Ben Gordon schon recht genau - und auch umfangreich - beschrieben. Der 29-Jährige Brite machte in seinen acht Profijahren vor allem als Distanzwerfer auf sich aufmerksam und stellte als Starter oder von der Bank 'Instant Scoring' bereit. Seine besten Tage hatte Gordon in Chicago, wo er nicht nur als Rookie zum Sixth Man of the Year gewählt wurde (2005), sondern sich gleichzeitig zu einem der besten Dreierschützen der Liga entwickelte. Die Pistons, offensichtlich geblendet von seinen 20.7 PPG in '08/09, hielten ihn für einen künftigen Stützpfeiler, als sie ihn vor drei Jahren via Free Agency verpflichteten und ihn mit einem massiven Multi-Year-Deal ausstatteten. Verletzungen und mangelnde Spielzeit verhinderten aber, dass BG seine alte Bulls-Form replizieren konnte. Nichtsdestotrotz ist er mit bisher 16.5 Karriere-PPG und 40,5% von Aussen ein mehr als brauchbarer Rotationsspieler, der ohne Weiteres Feuer fangen kann - so wie bei seiner 45-Punkte Gala im März gegen Denver, als er mit neun Dreiern ohne Fehlwurf einen NBA-Rekord egalisierte...seinen eigenen.

In Charlotte avanciert Gordon nicht nur auf Anhieb zum gefährlichsten Scorer im Team, sondern kann gleichzeitig die jungen Guards Kemba Walker und DJ Augustin unter seine Fittiche nehmen, die von seiner makellosen Arbeitseinstellung sicherlich profitieren werden. Finanziell gesehen erhöhen die Bobcats durch den Trade ihre Verpflichtungen: statt 10.9 Millionen Dollar für Maggette bindet man sich Gordon's 25.6 Millionen in den nächsten zwei Jahren ans Bein. Für Charlotte und sein historisch niedriges Gehaltskonto nicht weiter tragisch. Als Entschädigung für den finanziellen Mehraufwand gibt's ja zudem noch den Erstrundenpick aus Detroit dazu. Der ist zwar geschützt (bis Pick Nr. 14 in 2013, bis Pick Nr. 8 in 2104, Nummer eins in 2015, ungeschützt ab 2016), aber Erstrundenpick bleibt Erstrundenpick. Für eine Mannschaft, die noch einen langen Weg zurück zur Achtbarkeit vor sich hat, ein durch und durch gelungener Trade. Ach ja: die Verpflichtung Gordons signalisiert auch die Richtung, die Charlotte im Draft gehen will. Da man jetzt über einen Shooter im Backcourt verfügt, werden Michael Jordan und Rich Cho einen Big Man (Thomas Robinson) oder Small Forward (Kidd-Gilchrist, Harrison Barnes) draften. Es sei denn, der Pick wird davor doch noch getradet.

Detroit wollte mit diesem Deal vor allem eines: Geld sparen! Der historisch tiefe Griff ins Free Agent Klo vor drei Jahren, als man aus absolut unerklärlichen Gründen Gordon und Charlie Villanueva für knapp 100 Millionen Dollar verpflichtete, stinkt immer noch zum Himmel. GM Joe Dumars versuchte schon kurz darauf, seinen kapitalen Fehler wieder wett zu machen, allerdings ohne Erfolg. Verständlicherweise war kein Manager bereit, für BG und CV solch horrende Gehälter zu berappen. Nun hat es Dumars also doch geschafft, zumindest den brauchbareren der beiden abzuschieben - wenngleich er mit einem Erstrundenpick einen potentiell hohen Preis für den 'Salary Dump' berappen musste. Aber so sind eben die Gesetzmässigkeiten in der NBA, wo ein First Rounder die erklärte monetäre Gegenleistung für solch einen Gefallen ist. Gefährlich für Detroit? Möglicherweise. Was, wenn die Pistons in den nächsten zwei Jahren immer noch nicht die Playoffs erreicht haben?

Spielerisch helfen wird der gestrige Neuzugang Maggette sicherlich nicht. Der 32-Jährige kann zwar scoren (Karriere 16.2 PPG) und Freiwürfe ziehen, aber kaum ein NBA-Profi ist dabei ineffizienter. Letztes Jahr traf er nur 37% seiner Würfe aus dem Feld. Hinzu kommt, dass seine leichtsinnige Spielweise ihren Tribut fordert. In 13 Profijahren hat Maggette noch kein einziges Mal die volle Anzahl an Spielen absolviert. Wenn überhaupt, wird er hinter Tayshaun Prince und Brandon Knight für etwas Scoring Punch von der Bank sorgen. Sein wahrer Wert extrahiert sich aber aus der finanziellen Entlastung (knapp 14 Millionen Dollar für Detroit), seinem potentiellen Ertrag in einem weiteren Draft Day Deal sowie der Tatsache, dass sich Dumars die Amnestie für Villanueva's nutzlosen A*sch aufgehoben hat. Wenn Dumars den Hausputz konsequent zu Ende bringt, winken Detroit im nächsten Sommer mehr als 20 Millionen Dollar an Cap Space.


nbachef meint: Vorteil Charlotte