26 Juni 2012




Die Minnesota Timberwolves haben Swingman Chase Budinger aus Houston verpflichtet. Im Tausch für den 24-Jährigen und die Draft-Rechte an Lior Eliyahu erhalten die Rockets den 18. Pick im diesjährigen NBA-Draft.

Houston setzt seine aggressive Personalpolitik der letzten Wochen fort und drängt mit aller Macht in Richtung Blockbuster-Trade, vorzugsweise für Magic All Star Center Dwight Howard. Die Rockets versuchen bereits seit geraumer Zeit - eigentlich seit dem Karriereende von Yao Ming - einen potenten Big Man zu verpflichten und waren schon letzten Sommer kurz davor, Pau Gasol und Nene einzukaufen, bevor die Liga intervenierte und den schon für sicher geglaubten Deal mit den Los Angeles Lakers annullierte. Howard ist seither das erklärte Ziel von General Manager Daryl Morey, der um jeden Preis wieder einen All Star Pivoten in seine Lineup lotsen will.

Obwohl Howard's Repräsentanz verlauten liess, dass der dreifache Verteidigungsspieler des Jahres kein Interesse an Houston habe und seinen Vertrag dort unter keinen Umständen verlängern werde, sind die Raketen offensichtlich bereit, hohes Risiko zu fahren. Die Idee ist, dass man mit einem verlockenden Tradepaket Orlando zum Einlenken bewegen und Howard dann während der nächsten Saison zum Bleiben überreden kann. Mit dem heutigen Trade verfügen die Texaner nun über die Picks 14, 16 und 18. Es wäre überraschend, wenn Morey sich nicht weiter nach oben traden würde, indem er weiter mit beliebigen Pick/Spieler Kombinationen vor der Nase anderer GMs herum wedelt. Neben den angesprochenen First Roundern hat Morey vor allem die auslaufenden Verträge von Kevin Martin (12,4 Mio. $) und Samuel Dalembert (6,7 Mio. $) sowie den unzufriedenen, aber exzellenten Point Guard Kyle Lowry in der Hinterhand. Sollte Morey einen seiner Draft-Picks im zweistelligen Bereich via Trade in eine Top-10 Selektion umwandeln können, würden die Ohren des neuen Magic-Managers Rob Hennigan sicherlich ganz spitz zulaufen. Das letzte Rockets-Geschäft ist hier noch nicht vollzogen. Mit der Ansammlung von leicht umtauschbaren Anlagegütern bleiben die Texaner in business und das aggressivste Team in Verhandlungsgesprächen. Wenn nicht mit Orlando für Howard, dann möglicherweise mit den Atlanta Hawks für Josh Smith. Danny Ferry hat dort gestern das GM-Amt übernommen und will grosse Änderungen vollziehen. Stay tuned...

Ein weiterer Pluspunkt des Budinger-Deals: auf dem Flügel wird dadurch zusätzliche Spielzeit für den neuen Rockets-Liebling Chandler Parsons frei. Der Small Forward bestritt eine solide Rookie-Saison, die das ein oder andere Highlight umfasste und Budinger's Skills auf der Drei mehr oder weniger obsolet machte. Mit 9.5 PPG, 4.8 RPG und 2.1 APG stellte Parsons seine Vielseitigkeit unter Beweis. Da er jünger, billiger und potentiell besser als Budinger ist, entschieden sich die Rockets logischerweise für ihn.

Die Timberwolves stopfen mit der Verpflichtung des transparenten Forwards indes ihre grosse Lücke auf dem Flügel. Ihre Small Forward Position gehört schon seit Jahren zu den schwächsten ligaweit. Allein letzte Saison probierten es die Wolves mit einer Kombination aus Guards und Power Forwards. Sogar GM David Kahn versuchte sich zwischenzeitlich auf der Drei - mit wenig Erfolg. Im Schnitt bewerkstelligten die Small Forwards der Timberwolves nur einen einstelligen Player Efficiency Wert (9.9), was mit Legenden wie Wayne Ellington oder Martell Webster auf der Position schon einmal passieren kann. Budinger ist kein Scottie Pippen, aber er hat sich in drei Jahren als solider Profi etabliert (Karriere 9.4 PPG, 3.4 RPG) und eine eigene Nische heraus gearbeitet. Mit 40.2% von jenseits der Dreierlinie stellte der Volleyball-Crack in der abgelaufenen Saison eine neue persönliche Bestmarke auf. Damit avanciert er auf Anhieb zum besten Distanzschützen im neuen Team und bringt eine interessante Komponente ins Spiel der Timberwölfe, die 2011/12 nur Platz 23 bei der Trefferquote von Tief belegten. Mit seinen Fähigkeiten als Schütze und abseits des Balles sowie seiner spektakulären Art im Open Court wird Budinger schnell zu einer bevorzugten Anspielstationen von Ricky Rubio avancieren und die Offensive dank seiner Treffsicherheit auseinander ziehen - was wiederum mehr Platz für Rubio Drives und Love Isolations schafft.

Unter dem Strich ein guter Deal für beide Teams und der prototypische Win-Win Trade. Houston positioniert sich für ein bevorstehendes Blockbuster-Tauschgeschäft und schaufelt nebenbei Spielzeit für seinen präferierten Small Forward frei. Minnesota agiert unter Kahn weiterhin gewohnt opportunistisch und nutzt die Gelegenheit, um einen soliden NBA-Starter zu verpflichten (der mit dem 18. Pick so gar nicht verfügbar gewesen wäre), um in den neuen Saison endlich die Playoffs in Angriff nehmen zu können.


nbachef meint: Vorteil Minnesota, Houston