27 Juli 2012



Die Dallas Mavericks gaben gestern die Vertragsverlängerung mit Delonte West bekannt. Das Geburtstagskind (29) war Unrestricted Free Agent, unterschrieb aber verblüffenderweise für nur ein Jahr und weniger als 1.2 Millionen Dollar bei seinem letzten Team im grossen D. Ein schockierender Glücksfall für die Mavericks, die einen weiteren überdurchschnittlichen NBA-Spieler (15.3 PER in der letzten Saison) zum absoluten Schleuderpreis abstauben und nicht zuletzt dadurch in Richtung oberes Drittel der Western Conference Hierarchie drängen. Dort stehen in meinem Notizbuch bisher die Oklahoma City Thunder, Los Angeles Lakers, San Antonio Spurs und Los Angeles Clippers. Mit West als 14. Mann im Kader bildet diese Lineup einen starken Kontrast zum Rumpfteam, mit dem die Mavericks nach wenigen Tagen Free Agency da standen - jener Nukleus hätte wohl um den Nummer eins Pick mitgespielt.

West ist der prototypische "Der Schein trügt" Spieler. Ein Mann mit bipolaren Störungen und zahlreichen Problemen abseits des Parketts, dem sein nicht immer freiwilliger Lebenswandel voraus eilt und ihn im Ansehen vieler NBA-Funktionäre dummerweise immer noch schlecht dastehen lässt (die Lakers waren das einzige Team, das starkes Interesse an West bekundete). Das Problem ist, dass die Macher hinter den Kulissen in solchen Fällen nicht erkennen wollen, dass West in seinen acht Profijahren mehr als deutlich gemacht hat, dass er ein idealer glue-guy für jeden Kader ist. Er verteidigt hart, hat einen guten Distanzwurf (Karriere 37%) und übernimmt alle kleinen Aufgaben auf beiden Guard-Positionen. Hinzu kommt sein bedingungsloser Einsatz - und in diesem Fall - seine Familiarität mit Coach Rick Carlisle und dem Mavericks-System, das versuchen wird, gleich acht neue Spieler zu integrieren: Kaman, Brand, James, Crowder, Cunningham, Jones, Mayo und Collison.

Letztere wird West wohl als Backup vertreten, wenn er von der Bank kommen wird. So hat er das auch phasenweise in der letzten Saison getan, seiner besten seit seinen Tagen in Cleveland, wo er an der Seite von LeBron James noch der konstanteste aller Cavaliers-Akteure war. Vergangenes Jahr erzielte West 9.6 Punkte, 2.3 Rebounds und 3.2 Assists in nur 24 Minuten pro Spiel. 33 Partien machte er von Beginn an. 21 musste er mit einem gebrochenen Finger aussetzen. Was mir an West besonders gut gefällt - abgesehen von seiner All-Out Intensität - ist seine Vielseitigkeit. Er wird den Ball bringen können, wenn er neben Mayo aufläuft. Er wird mit seinen Distanzwürfen das Spiel breit machen und für Räume sorgen können, wenn er neben Collison auf der Zwei kommt. Er kann mit Jones und Marion ein defensives Perimeter-Bollwerk bilden. Er ist ein ausgezeichneter Ballhandler und kann auch zum Korb durchdringen, wo er gerne für andere kreiert. Im Endeffekt also ein idealer Motion-Spieler für das facettenreiche Mavericks-Spiel unter Carlisle. Und zu dem Preis definitiv eines der besten Preis-/Leistungsverhältnisse der gesamten Liga. Ein Steal für Dallas!