10 Juli 2012




Die Portland Trail Blazers verschwendeten keine Sekunde, als das Moratorium am 1. Juli begann, und offerierten Restricted Free Agent Roy Hibbert sofort einen maximal dotierten Vertrag in Höhe von 58 Millionen Dollar. Der Plan, einen der besten Big Men der NBA direkt vom Teller eines Kontrahenten weg zu naschen, trug ganz eindeutig die Handschrift des neuen General Managers Neil Olshey, der seinen Kader ähnlich aggressiv umbauen will wie schon bei den Los Angeles Clippers. Olshey hat immer ganz bestimmte Vorstellungen und geht gezielt auf's Ganze.

Die Kausa Hibbert wäre für die Trail Blazers ein voller Erfolg geworden. Der 25-Jährige ist einer der besten (jungen) Center der Liga und spielte sich in der letzten Saison ins Eastern Conference All-Star Team. Nachdem ihn eine Asthmaerkrankung in den ersten beiden Jahren stagnieren liess, formte er nach der Diagnose selbiger durch hartes Training seinen Körper um und etablierte sich langsam, aber sicher als Top-5 Pivot, der zuletzt 12.8 Punkte, 8.8 Rebounds und 2 Blocks im Schnitt bei 50% aus dem Feld auflegte. Portland's Plan, Hibbert dem teameigenen All-Star LaMarcus Aldridge im Frontcourt an die Seite zu stellen, hätte den Weg zurück in die Playoffs stark beschleunigt. Die Idee war, dass Hibbert auf der Fünf das wird, was der bedauernswerte Greg Oden nie werden konnte.

Trotz munterer Spekulationen - dass Hibbert zum Beispiel "doch keine 15 Millionen pro Jahr Wert" sei und "Indiana sich sogar weigern würde, das gigantische 'offer sheet' der Trail Blazers abzugleichen" - konnte Pacers-Coach Frank Vogel während eines Interviews in Orlando am gestrigen Dienstag nur schmunzeln: "Roy ist so ein gigantischer Teil dessen, was wir tun und wie wir spielen, dass er ohne Wenn und Aber gehalten wird." Nur weil sich die Pacers während der Woche bedeckt hielten, konnte doch niemand ernsthaft daran gezweifelt haben, dass Indiana seinem jungen Schlüsselspieler den vollen Marktpreis ausbezahlen würde.

Hibbert ist ein traditioneller Big Man - gross, ja gigantisch sogar - und etwas langsamer auf den Beinen und im Antritt als diese ganzen Hybrid-Forwards von heute. Er wird wohl nie ein Megastar, aber er ist der unumstrittene Mittelpunkt in Indiana's Spiel. Dank seines immer weiter wachsenden Post-Games, das mittlerweile konstante Double-Teams zieht und so Räume eröffnet, sowie seines elitären Reboundings und Shotblockings in der Defensive, verleiht er dem Spiel der Pacers eine enorme Durchschlagskraft - was sich übrigens auch an den Effizienz-Zahlen mit/ohne ihn auf dem Parkett bemerkbar macht. Es war Hibbert's Spiel, das Miami in den Eastern Conference Finals vor enorme Probleme stellte. Erst als die Pacers-Guards es unter dem Dauerdruck der Heat-Perimeter-D nicht mehr schafften, die richtigen Winkel für Post-entry-Pässe zu finden, kippte die Serie zugunsten der Heat.

Die Frage, ob Hibbert also sein Gehalt tatsächlich verdient, stellt sich angesichts seines All-Star Status und des Standings als einer der drei besten Center der Association überhaupt nicht. In einer Liga, in der Spieler wie Kwame Brown, Kendrick Perkins und DeAndre Jordan nördlich von 7 Mio. $ pro Jahr verdienen, sind 14-15 für Hibbert mehr als angebracht. Grosses Geld für grosse Leute, das diktiert der Markt eben so. Im Endeffekt kann sich Indiana sogar bei den Trail Blazers bedanken, das es überhaupt nicht zum viel diskutierten 'offer sheet' kommen musste. Die Pacers, unter der neuen Leitung von Donnie Walsh und Kevin Pritchard (ironischerweise der alte Portland-GM), nutzten das Ende des Moratoriums, um Hibbert zu den gleichen Konditionen zu binden: 4 Jahre, 58 Millionen. Keine Mätzchen, sondern 'Strictly Business' wie EPMD. Der Mann bekommt sein Geld, man muss nicht erst drei Tage warten und "verpfändet" so weder sein eigenes Cap Space, noch das der Trail Blazers. Alle sind glücklich.

Die Entscheidung im Fall Hibbert - dem mit Abstand besten Fünfer auf dem Markt - wird interessanterweise die anderen Dominosteine ins Taumeln bringen. Brook Lopez, Chris Kaman, Omer Asik und Javale McGee sind die anderen (theoretisch) noch verfügbaren Center da draussen. Lopez wird wohl im Handumdrehen von den Brooklyn Nets verlängert werden, wenn der Dwight Howard Deal nicht bald über die Bühne geht. Asik landet in Houston oder bleibt in Chicago. Und Kaman wird mit Teams wie Phoenix, Dallas und Miami in Verbindung gebracht. Da Portland sich nur junge Spieler ans Bein binden will, wird Olshey als Nächstes sein Augenmerk wohl auf Nuggets-RFA McGee richten.