29 Juli 2012


USA

NBA: Chris Paul, Deron Williams, Russell Westbrook, Kobe Bryant, James Harden, Andre Iguodala, Kevin Durant, LeBron James, Carmelo Anthony, Kevin Love, Anthony Davis, Tyson Chandler

Kein Dwight Howard, Derrick Rose, Blake Griffin, Dwyane Wade? Kein Problem für das Team USA, das natürlich als grösster Titelfavorit in London angereist ist. Mit LeBron James, Kevin Durant, Kobe Bryant und Carmelo Anthony ist das Scoring mehr als adäquat abgedeckt. Das Playmaking ist in den Händen der zwei besten Einser der Liga (Paul und Williams). Einzige Schwachstelle: die Big Man Position. Head Coach Mike Krzyzewski wird, wie schon während der Vorbereitungsspiele, also viel klein spielen und oft ausschliesslich Guards und Forwards aufstellen. Ein erster Blick auf den Basketball der Zukunft, wie man ihn schon bald überall spielen wird? Wer weiss. Die Statistikauswertung nach den fünf Tuneup-Siegen gegen Spanien, Argentinien, Brasilien, Großbritannien und die Dominikanische Republik hat ergeben, dass die Amis mit einem Big Man (Chandler oder Love) auf dem Parkett einen irrsinnige Effizienz erreichten (+43.1 Net Rating), auch wenn die Grossen nur selten direkt in die Angriffssets einbezogen wurden. Im Endeffekt wird es wohl keine allzu grosse Rolle spielen, weil die Athletik und Defensivstärke der US-Boys in allen acht Partien den Ausschlag geben wird. Vielleicht wird es ab dem Halbfinale gegen die Spanier oder die Brasilianer ein wenig spannend. Der Gewinn einer weiteren Goldmedaille für die beste Basketballnation der Welt ist aber reine Formsache.


Argentinien

NBA: Manu Ginobili, Luis Scola, Carlos Delfino, Pablo Prigioni, Andres Nocioni

Die Argentinier waren eigentlich schon vor vier Jahren in Peking zu alt. Das Team in London ist nahezu identisch, mit Ausnhame von Fabricio Oberto, der seine Karriere seither beendet hat. Ginobili und Prigioni sind schon 35, Nocioni ist schon weit über seinem Zenit, Delfino ist angeschlagen und Scola hat gerade seine schlechteste NBA-Saison beendet. Nur ein Spieler im Kader ist jünger als 25 (Campazzo), das Durchschnittsalter der Starting Five liegt bei sehr fortgeschrittenen 33 Jahren. Die Argentinier hatten sogar Glück, dass sie die pan-amerikanischen Meisterschaften unbeschadet überstanden. In der aktuellen Verfassung wäre eine Qualifikation beim Turnier in Venezuela nicht garantiert gewesen. Und dennoch: man sollte den alternden Kader nicht zu sehr unterschätzen. Das 86-80 im Freundschaftsspiel vor einer Woche war das knappste Duell des Team USA im Vorfeld dieses Turniers. Obwohl die Qualität in diesem Kader längst nicht mehr die ist, die sie zu Beginn des Milleniums war, und Mannschaften wie die Vereinigten Staaten und Spanien ein paar Nummern zu gross sind, kann Argentinien immer noch um Platz drei mit konkurrieren. Alles andere wäre dann aber des Guten doch zu viel.


Frankreich

NBA: Tony Parker, Nicolas Batum, Boris Diaw, Ronny Turiaf, Nando DeColo, Kevin Seraphin, Mickael Gelabale

Die Franzosen überraschten vor einem Jahr bei den Europameisterschaften mit einem Turnier für die Ewigkeit und der besten Platzierung seit den 1940ern, als man bei den Olympischen Spielen in London die Silbermedaille gewann. Tony Parker dominierte nach Belieben (22 PPG, 4.4 APG) und bleibt weiterhin der Antrieb im Spiel der 'Les Bleus'. Das Problem: Parker erlitt vor wenigen Wochen bei einer Schlägerei in einem New Yorker Nachtclub eine ernsthafte Retina-Verletzung, die ihn fast das Augenlicht gekostet hätte, und ist dementsprechend noch nicht wieder in Topform. Die neue Abdul-Jabbar Gedächtnisbrille beeinträchtigt den pfeilschnellen Spielmacher noch zusätzlich. Joakim Noah fehlt verletzt und hinterlässt eine Lücke unter den Körben, wo die Franzosen mit Turiaf, Diaw, Ali Traore und dem jungen Seraphin in die Schlacht ziehen. Vom Perimeter bringen der vielseitige Batum, Gelabale (der beste Schütze im Team) und deColo an der Seite von Parker im Backcourt die meiste Gefahr ins Spiel. Wenn die Franzosen es schaffen, ihre athletischen Vorteile im Transition-Spiel auszunutzen und Parker sich von seiner gefährlichen Verletzung einigermaßen erholt zeigt, sehe ich keinen Grund, warum die Westeuropäer nicht bis ins Halbfinale vordringen oder sogar um eine Medaille mitspielen könnten. Der grosse X-Faktor bleibt aber auch dabei das Spiel des Frontcourts auf beiden Seiten.


Litauen

NBA: Linas Kleiza, Jonas Valanciunas, Darius Songaila, Sarunas Jasikevicius

Die glorreichen Zeiten des litauischen Basketballs scheinen sich langsam dem Ende zu neigen. Point Guard Sarunas Jasikevicius, seines Zeichens ehemaliger Spieler des Jahres in Europa und mehrfacher MVP auf höchster kontinentaler Ebene, ist schon 36 Jahre alt und spielt vermutlich seine letzte Olympiade. Hinzu kommen Probleme im Frontcourt, wo Songaila auch schon 34 ist, Robertas Javtokas verletzt ausfällt und bald-Raptor Jonas Valanciunas noch immer zu viele Fouls pro Minute kassiert. Angesichts der ohnehin nicht sehr robusten Defensive der Balten ein ernster Grund zur Sorge. Offensiv gehört der Bronzemedaillengewinner von 2010 aber nach wie vor zu den potentesten Mannschaften der Welt. Der Ball läuft - ähnlich wie bei den Russen und Argentiniern - nonstop durch die eigenen Reihen, die bevorzugten Taktiken sind Pick & Rolls und Ball Screens. Das gesamte Team trifft von aussen halbautomatisch, und die Rückkehr von Linas Kleiza, der international immer stark aufspielt, bringt zusätzliche Optionen auf dem Flügel und im Isolations-Spiel. Die Litauer sind immer noch ein sehr unangenehmer Gegner und könnten in Gruppe A ohne Weiteres Platz zwei belegen. Alles in allem wirkte das Team aber zuletzt nicht mehr so stark wie in all den Jahren zuvor. Eine Medaille ist zwar im Bereich des Möglichen - aber nur wenn alles perfekt läuft.


Nigeria

NBA: Al-Farouq Aminu, Ike Diogu, Olumide Oyedeji

Die Nigerianer schockten die Basketball-Welt, als sie beim Qualifikationsturnier erst die hoch favorisierten Griechen im Viertelfinale eliminierten und dann gegen die Dominikanische Republik Platz drei sicherten - und damit die erste Teilnahme bei einem Olympischen Turnier überhaupt. Neun neue Spieler bilden die Basis des stark verbesserten nigerianischen Nationalmannschaftsprogramms, allen voran die Aminu-Brüder und Ike Diogu, ein ehemaliger Lotterie-Pick, der seit 2005 in der NBA spielt (6.0 PPG, 3.1 RPG). Diogu und New Orleans Hornet Al-Farouq Aminu sind die beiden Führungsspieler in der Offensive und können mit ihrer Länge und Athletik verheerenden Schaden anrichten (Diogu auch als Schütze, der Prinz eher mit seinen Drives zum Korb). Aminu's jüngerer Bruder Alade und Ekene Ibekwe spiel(t)en in der NCAA. Insgesamt fehlt diesem Team aber die spielerische Politur und die Treffsicherheit von aussen. Playmaking und gesunden Halfcourt-Ball sucht man hier vergeblich. Wenn alles zusammen kommt, und die langen Athleten ins Fastbreak-Spiel kommen, ist vielleicht ein Überraschungssieg gegen Litauen und die Quali für's Viertelfinale drin. Darauf wetten würde ich aber nicht.

Tunesien

NBA: -

Kanonenfutter...