05 Juli 2012




Normalerweise messe ich solchen News keine übergeordnete Bedeutung bei. Bei der Verpflichtung von Mirza Teletovic durch die Brooklyn Nets mache ich aber liebend gerne eine Ausnahme, aus zweierlei Gründen. Zum einen, weil Brooklyn mit dem Bosnier einen der besten Spieler des alten Kontinents ergattert. Zum anderen, weil die Details seines neuen Vertrages signifikante Auswirkungen auf die Fähigkeit der Nets haben, ihren heiss begehrten Franchise-Center verpflichten zu können: Dwight Howard.

Teletovic lief die letzten sechs Jahre für Caja Laboral in der spanischen ACB auf. In der vergangenen Saison markierte Teletovic in der Euroleague 21.7 Punkte, 6.0 Rebounds und 1.2 Assists im Schnitt und war damit Topscorer des Wettbewerbs. Viele sehen im 2,06m grossen Forward den besten Spieler in Europa. Der 26-Jährige verfügt über ein nettes Spektrum an brauchbaren NBA-Skills und wird sich ohne Weiteres zu einem soliden Rotationsspieler im New Yorker Viertel entwickeln. Am meisten beeindruckt sein Jumpshot, der blitzschnell im Release ist und von überall auf dem Court traumhaft sicher fällt. Obwohl sich Teletovic gerne am Perimeter aufhält und von dort den grössten Schaden anrichtet, ist er mitnichten die "softe Euro" Type, sondern schmeisst seine 115 Kilo Lebendgewicht auch gerne mal unter den Körben ins Getümmel. Seine Defense ist solide und dürfte ausreichen, um in der Liga nicht völlig unterzugehen und als Backup 20 MPG abzustauben.

Aus der 'Backup hinter Kris Humphries Idee' könnte sich aber vielleicht bald mehr entwickeln. Dann nämlich, wenn die Nets es tatsächlich schaffen sollten, Dwight Howard via Trade aus Orlando zu verpflichten. Dass in einem solchen Fall Spieler wie Humphries, Brook Lopez und MarShon Brooks in einem Tradepaket in Richtung Florida abziehen müssten, ist schon lange klar. Teletovic's neuer Deal ist nun das Zünglein an der Waage. Zunächst hiess es, dass Brooklyn sich mit dem Bosnier auf ein Jahresgehalt von knapp 5 Millionen Dollar geeinigt hätte - den vollen Betrag der Midlevel Exception, also. Von 20 Millionen für vier Jahre war mal die Rede, später dann von 15 für drei. So oder so: im Schnitt fünf Millionen pro Jahr. Mit einem Midlevel Deal wären die Nets aber ganz schlecht beraten gewesen. Wieso?

Das neue CBA hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Wettbewerb zwischen kleinen und grossen Teams fairer zu gestalten. Zu diesem Zweck hat man einen sogenannten Hard Cap installiert, der vier Millionen über dem Luxussteuersatz (70 Mio. $) liegt. Heisst im Klartext: Teams über dem Salary Cap (58 Mio. $), die ihre volle Midlevel ausgeben, müssen unter der absoluten Obergrenze von 74.3 Milllionen Dollar verbleiben. Ohne Wenn und Aber. Gibt ein Team aber nur seine Mini-MLE aus (ca. 3 Mio. $), bröckelt dieser harte Cap weg und der Weg nach oben ist frei. Zwar schmerzhaft teuer dank der strafenden Luxussteuer. Aber wenn der Besitzer die Differenz auf sich nimmt - und somit in den Topf einbezahlt, den sich dann später die Non-Lux Teams untereinander aufteilen - dann sieht die Liga gerne darüber hinweg, dass manche Clubs 75 Millionen und mehr an Gehältern anhäufen. NBA-Champions nehmen so gut wie immer finanzielle Einbußen im Luxussteuerbereich in Kauf. Der Trick ist, seine Signings so zu koordinieren, dass diese Mechanismen nicht gegen einen arbeiten.

Im Fall der Nets ist das deshalb so relevant, weil sich Teletovic nun anscheinend doch mit der Mini-Midlevel zufrieden geben (3 Jahre/maximal 9 Mio. $) und seinem Team so im Howard-Poker ganz neue Chancen ermöglichen wird. Mit einem Hard cap wäre ein Trade für Howard zwar in der Theorie immer noch machbar, angesichts der knappen Finanzen aber in der Praxis fast unmöglich zu realisieren. Williams-Johnson-Howard-Wallace-Teletovic würden alleine schon über 70 Millionen pro Jahr verschlingen. Das restliche Team danach mit Minimalverträgen auf die Beine zu stellen wäre utopisch. Ohne die harte Obergrenze können die Nets in einem Trade nun aber sogar mehr Geld "zurück nehmen", als sie "hinaus schicken". Die Bereitschaft der Magic, Howard nach Brooklyn zu traden, ist ungleich grösser, wenn sie dabei gleich noch einen unliebsamen Vertrag wie den von Hedo Turkoglu oder Jason Richardson entladen könnten. Die Nets hätten via S&T mit Lopez und Humphries genug finanziellen Spielraum, um einen solchen zu absorbieren.

Der Markt für Howard war ohnehin nie besonders gross und scheint täglich zu schrumpfen. Der All-Star Center weigert sich bisher beharrlich, irgend einem anderem Team als Brooklyn eine Vertragsverlägerung zu garantieren. Die Nets-Verantwortlichen wittern ihre Chance, arbeiten rund um die Uhr an einem Trade für Dwight und stehen kurz vor dem Durchbruch. Die Bereitschaft von Teletovic, ein wenig Geld auf dem Tisch zu lassen, könnte für ihn persönlich den Unterschied zwischen Startplatz oder Reservistenrolle ausmachen. Für sein neues Team, die Brooklyn Nets, könnte sie NBA-Geschichte schreiben.