02 Juli 2012




Ein kleiner Überblick über den Free Agency Wahnsinn der letzten 36 Stunden und alles, was noch so auf den Agenden der jeweiligen Teams steht. Diese Auflistung ist unter keinerlei Umständen als allumfassend oder besonders repräsentativ zu bewerten. Ausserdem kann ich nicht für hysterische Anfälle oder grössenwahnsinniges Dominanz-Gebahren verantwortlich gemacht werden. Wie immer gilt: Konsum auf eigene Gefahr!


Atlanta Hawks

Die Hawks haben seit einigen Tagen einen neuen General Manager (Danny Ferry), der gewillt ist, den Kader radikal umzubauen. Keine allzu schlechte Idee, denn das obere Limit für diesen Johnson-Smith-Horford Nukleus ist und war schon immer die zweite Playoff-Runde. Nicht sehr spannend, und darum höchste Zeit für eine Veränderung. Ferry hat vor allem zwei Agenden: Trades für Joe Johnson und Josh Smith. Smith wollte bereits vor Ferry's Verpflichtung zu einem Contender getradet werden und ist dank All-Star Skills und seinem auslaufenden Vertrag (13.2 Mio. $) für viele Mannschaften höcht interessant. Johnson (der noch gigantische 90 Millionen Dollar in den nächsten vier Jahren erhält) wird mit den Brooklyn Nets in Verbindung gebracht und steht angeblich kurz vor einem Wechsel - erst recht, wenn die Nets ihren Franchise Pointman Deron Williams nach Dallas verlieren würden. Sollte sich ein Trade in der Tat verstofflichen, so würde das einmal mehr beweisen, dass in der NBA kein noch so absurder Vertrag untradebar ist. Eventuelle Zugänge für die Hawks in solch einem Tradeszenario wären Kris Humphries, Gerald Green (beide S&T) oder eine x-beliebige Anzahl von marginalen Spielern und Verträgen, die hier nicht gesondert aufgelistet werden müssen. Ebenfalls auf dem Schreibtisch: ein potentieller Trade mit den Orlando Magic für Dwight Howard, der aus Atlanta stammt, aber kein Interesse hat, irgendwo anders als in Brooklyn zu spielen. Alles in allem zählen die Hawks zu den aktivsten Verhandlungspartnern und sind bereit, alle Optionen unter die Lupe zu nehmen.

Boston Celtics

Der grösste Domino für das Team um GM Danny Ainge fiel bereits am Samstag, als Kevin Garnett seine Rückkehr ankündigte und sich verbal auf einen 3-Jahres-Deal einigte (34 Mio. $ insgesamt). Priorität Nummer zwei ist selbstredend Ray Allen, der beste Distanzschütze aller Zeiten. Der wird zwar mit zahlreichen Teams in Verbindung gebracht, scheint aber in Richtung Boston zu tendieren, das ihm am meisten Geld (2 Jahre, 12 Mio.), Vertrautheit und die Aussicht auf eine weitere Meisterschaft bieten kann. Jeff Green, so behauptet Scott Souza von den MetroWest Daily News heute, hat sich wohl mündlich mit den Celtics bereits auf einen neuen Deal geeinigt und will nach überstandener Herz-OP wieder angreifen. Brandon Bass ist ebenfalls eine wichtige Personalie für Ainge, der später, wenn alle eigenen FAs versorgt sind (Boston besitzt auch noch die Rechte an NBA-Rückkehrer Nenad Krstic), noch zwei weitere Spieler ins Auge fassen dürfte: einen Midlevel-Scorer wie Jason Terry, Jamal Crawford, OJ Mayo oder Michael Beasley. Und einen altgedienten Profi mit der Veteran's Exception. Die C's könnten alle Löcher stopfen und als einer der grossen Gewinner aus dem Offseason-Sumpf auftauchen.

Brooklyn Nets

Das mit Abstand aktivste Team des Sommers, natürlich. Massig Lücken im Kader und Unmengen von russischem Schwarzgeld FA-Kohle auf der Bank. Die wichtigste Frage von allen: unterschreibt Deron Williams den Max-Deal (ca. 100 Millionen für 5 Jahre) oder verschwindet er ohne Gegenwert nach Dallas? Davon hängt bei den Nets alles ab, die ohne ihren Franchise-Spieler einen erheblichen Dämpfer vor ihrem ersten Spiel in Brooklyn hinnehmen müssten. Gerald Wallace, für den man sich im März von seinem Erstrundenpick trennte (Damian Lillard), einigte sich verbal auf einen neuen Deal (4 yr./40 Mio. $) und soll unter anderem verhindern, dass man mit komplett leeren Händen da steht. Das Interesse an Dwight Howard ist nach wie vor ungebrochen. Der Big Man hat in einem Meeting mit dem neuen Magic-GM Rob Hennigan seinen Trade-Wunsch reiteriert und will nur in Brooklyn spielen. Die Nets machen ihr Schicksal allerdings nicht mehr von einer Verpflichtung des All-Star Centers abhängig und sind bereit, einen anderen Weg zu gehen, falls notwendig. Mit den Hawks und Joe Johnson steht man in regem Kontakt und kurz vor dem Durchbruch. Sollte der Deal durchfallen, sieht man Eric Gordon oder OJ Mayo als Alternativen. Steve Nash ist ein weiterer Kandidat (für den Fall, dass D-Will geht, eventuell aber auch für einen Nash-Williams Backcourt), ebenso wie Ersan Ilyasova oder Goran Dragic. Auch noch auf dem Nets-Radar: Euroleague-MVP Andrei Kirilenko und Mirza Teletovic, ein wuchtiger Stretch Forward. Da geht was, in Brooklyn!

Charlotte Bobcats

Die Bobcats würden gerne Eric Gordon mit einem Max-Vertrag nach North Carolina locken. Das wird nicht passieren.

Chicago Bulls

Die Bulls werden sich in diesem Jahr aufgrund von Luxus-Steuer Problemen keine allzu grossen Sprünge leisten können. Man hat seinen ehemaligen Combo-Guard Kirk Hinrich kontaktiert, den man gerne für das Vet Minimum (1.2 Mio. $) verpflichten möchte. Der 31-Jährige hat aber mehrere Interessenten und dürfte teurer werden, als zunächst angenommen. Eine Alternative für die Bulls wäre Brandon Roy, den der Head Coach persönlich zu Vertragsgesprächen nach Chicago eingeladen hat. Wichtigste Entscheidung für Chicago: will man das massive "Giftpillen"-Angebot der Houston Rockets an Free Agent Big Man Omer Asik (25 Mio. $ für drei Jahre mit 14 Millionen in Jahr drei) abgleichen? Oder einen der besten Post-Verteidiger und einen integralen Bestandteil der Defensivrotation von Tom Thibodeau an den Markt verlieren?

Cleveland Cavaliers

Die Cavs werden keine grosse Welle schieben und sich einigen unspektakulären Free Agents zuwenden: Jonny Flynn, Sonny Weems, Michael Redd, so was in der Art. Obwohl die Cavs durchaus an einem jungen Impact Spieler wie Ersan Ilyasova oder Nicolas Batum interessiert sind, macht man sich in Cleveland diesbezüglich keine allzu grossen Hoffnungen.

Detroit Pistons

Ziemlich ruhig in Detroit. Abgesehen vom pre-Draft Trade mit den Bobcats und der mündlichen Einigung mit ukrainischen Center Vyacheslav Kravtsov konnten die Kolben einen weiteren Neuzugang vermelden: Kyle Singler, ehemaliger Star der Duke Blue Devils und letztes Jahr in Spanien aktiv. Dokumentiertes Pistons-Interesse besteht ausserdem an Unrestricted Free Agent Michael Beasley, der in Minnesota keine Rolle mehr spielt.

Indiana Pacers

Die Pacers einigten sich heute mit George Hill auf einen neuen 5-Jahres Vertrag und können somit eine Personalie ad acta legen. Die grosse Frage wird sein, wie die neuen Entscheidungsträger Donnie Walsh und Kevin Pritchard mit dem pikanten Fall Roy Hibbert umgehen. Der All-Star Big Man erhielt wenige Minuten nach dem Beginn der FA-Periode ein heftiges 4 yr./58 Mio. $ Max-Angebot von den Portland Trail Blazers. Obwohl allgemein angenommen wird, dass die Pacers matchen, sobald das 'offer sheet' am 11. Juli offiziell unterzeichnet werden darf, sind Fans in Indianapolis sichtlich nervös. Eine Alternative zu Hibbert wäre - falls sich die Manager gegen einen Max-Vertrag für ihren Center enscheiden sollten - Hometown Kid Eric Gordon, der zur Zeit die Runde macht und sich mindestens fünf Angebote genauer anhört, bevor er den Hornets die Chance geben muss, abzugleichen. Nun ist Gordon ja kein Big Man, weshalb Indiana für morgen Chris Kaman zum Umtrunk ins Conseco eingeladen hat. Ich hatte Kaman schon früher als ideale Frontcourt-Verstärkung erwähnt. Der 30-Jährige wäre also auch im Falle, dass man Hibbert hält (je nach Preisschild) ein günstiges Upgrade. Mit der Midlevel soll dann noch ein Shooting Guard geholt werden. Im Gespräch sind die üblichen Verdächtigen: OJ Mayo, Jamal Crawford, Jason Terry und Nick Young.

Miami Heat

Ray Allen dies, Ray Allen das. Alle in Miami träumen davon, die Dreiermaschine Jesus Shuttlesworth nach South Beach locken zu können. Die Aussicht? Championship-Ringe. Ob Allen sich mit der Mini-Midlevel (3 Millionen pro Jahr, mehr kann Miami nicht bieten) und einem Platz auf der Bank zufrieden gibt, wenn er in Boston das doppelte verdienen und vermutlich mehr Spielzeit ergattern kann, ist nicht dokumentiert. Kommt Allen nicht, will Miami sein Mini-MLE Glück bei Jason Terry versuchen, der in den letzten Monaten immer mal wieder mit den Heat flirtete - ob aus freien Stücken oder einfach nur, um seinen eigenen Preis in Dallas in die Höhe zu treiben, ist ebenfalls unklar. Unsterblich verliebt sind die amtierenden NBA Champs auch in Big Man Marcus Camby, der noch vor einigen Jahren zu einem der besten Rebounder und Shotblocker der Liga zählte, dessen allererste Option aber nach wie vor Houston ist, wo er sich vorstellen kann, Asik anzuleiten. Brandon Bass wird sich wohl nicht mit 3 Mio. zufrieden geben. Dann schon eher Rashard Lewis, der vor einigen Tagen nach New Orleans getradet, sofort via Buyout entlassen wurde.

Milwaukee Bucks

Die Hirschböcke würden Ersan Ilyasova, einen der 'most improved' in der letzten Saison, gerne behalten, aber "würden" und "werden" hauen nicht immer so hin, wie gewünscht. Sollen die Neuverpflichtungen Samuel Dalembert (Trade mit Houston) und John Henson (14. Pick) bereits darauf hindeuten, dass man im kleinen Milwaukee weiss, dass man mit den Offerten für Ilyasova in den nächsten Tagen gar nicht mithalten kann? Ohne Ilyasova wäre der Kader offensiv schon sehr einseitig ausbalanciert.

New York Knicks

Die Bird-Rights Entscheidung hat den Knicks zwar vieles vereinfacht, aber Nägel mit Köpfen muss GM Glen Grunwald in personeller Hinsicht schon selber machen. Was, wenn Jeremy Lin ein ähnliches 'offer sheet' erhält, wie Asik von den Rockets? Eines, das in den Jahren drei und vier mehr als 15 Millionen pro Jahr Wert wäre und die Knicks finanziell vollkommen verkrüppeln würde. Zieht man gleich? Oder legt man den Fokus lieber gleich auf den von mir schon lange geforderten Steve Nash, der im Gegensatz zu Lin einen sofortigen Impact auf diesen Club hätte (denkt: Conference Finals). Problem: Toronto hat gerade 250% dessen geboten, was die Knicks zur Verfügung hätten (volle Midlevel, 5 Mio. $). Einzige Hoffnung ist wohl, dass Gewinnen und die Nähe zu seiner Offseason-Heimat New York für Nash wichtiger sind, als Superhelden-Status und 12 Millionen pro Jahr in Kanada. Die Knicks haben natürlich noch PG-Alternativen in petto: Jason Kidd. Raymond Felton. Jason Terry vielleicht. Auch auf den grossen Positionen würden die 'Bockers gerne aufrüsten. Marcus Camby könnte sich durchaus vorstellen, zu seinem alten Arbeitgeber zurück zu kehren.

Orlando Magic

Dwight, was sonst?

Philadelphia 76ers

Die Sixers einigten sich gestern mit Lavoy Allen (2 Jahre/6 Mio. $) auf einen neuen Deal. Lou Williams und Spencer Hawes sind weitere Baustellen im eigenen FA-Kader. Jrue Holiday hätte gerne eine Vertragsverlängerung auf Max-Niveau (nicht lachen!). Philly braucht ganz dringend Scorer und will in den nächsten Tagen Typen wie Jamal Crawford und Kirk Hinrich genauer unter die Lupe nehmen (fragt mich nicht, wie Hinrich die Scoring-Probleme beheben soll). Immer im Hintergrund lauern potentielle Andre Iguodala Tradeszenarien - nur echt als running gag seit 2006.

Toronto Raptors

Die Dinos sind in einer guten Verhandlungsposition und mit ausreichend Cap Space für ein paar FA-Arschbomben ausgestattet. Das wurde gleich am Sonntag deutlich, als Bryan Colangelo dem zweitwichtigsten Free Agent des Sommers einen mächtigen 36 Millionen Deal (3 Jahre) unter die Nase hielt. Steve Nash wird wohl kein lukrativeres Angebot erhalten, und wenn doch, dann nur, weil die Raptors hier unmissverständlich klar gemacht haben, wo ihre Prioritäten liegen. Sollte Nash in sein Heimatland wechseln, wird Jose Calderon entweder amnestiert oder getradet. Sollte Nash wider Erwarten anderswo anheuern - zum Beispiel in New York - hat Toronto mit Jeremy Lin und Goran Dragic zwei Notfallpläne im Aktenkoffer. Beide jungen Point Guards dürften in etwa 6-8 Millionen pro Jahr wert sein und gute Chancen haben, der neue Starter auf der Eins zu werden. Neben dem mit Spannung erwarteten Ausgang des Point Guard Karussells interessieren in Toronto vor allem die Personalien Ersan Ilyasova und Grant Hill, die beide gut ins Defensivsystem von Dwane Casey passen würden.

Washington Wizards

Die Wizards haben ihren grossen Lärm bereits gemacht. Mit Emeka Okafor, Trevor Ariza und Nummer drei Pick Bradley Beal haben die Zauberer gleich drei neue Starter an Bord. Interessant wird sein, wie Ernie Grunfeld mit Andray Blatche's 3 yr./23 Mio. $ Vertrag verfahren wird. Da nicht davon ausgegangen werden darf, dass irgend ein Team freiwillig für Blatche's üppige Fettreserven tradet, hilft Washington wohl nur noch die Amnestie. Rest in Peace, Dray...